06.01.2003

"Catsky & Partner ist eine astreine antizyklische Agenturgründung"

Creative Director Claude Catsky -- von Haus aus Texter/Konzepter -- hat soeben in Zürich seine eigene Agentur Catsky & Partner eröffnet. Was hat den bisherigen Freelancer zu diesem Schritt bewogen? Warum gerade jetzt? Mit wem arbeitet er? Und für wen? "persoenlich.com" hat nachgefragt. Das Interview:
"Catsky & Partner ist eine astreine antizyklische Agenturgründung"

Welches sind Ihre Beweggründe für die Gründung einer eigenen Agentur?

Mehr Freiheit, die Werbung für Kunden zu machen, die ich als gut und erfolgreich erachte. Keine faulen Kompromisse in der Kreation mehr machen zu müssen. Mehr Verantwortung auf allen Ebenen wahrnehmen zu können: für Mitarbeiter, Kunden, Budgets und Strategien. Nach fünf Jahren als Freelancer möchte ich den ganzen Prozess von A bis Z betreuen. Ich will mit dem Kunden direkt zu tun haben und ihm neben der Kreation beispielsweise auch Strategieberatung anbieten können. Nach bald 20 Jahren in der Werbung besitze ich -- glaube ich -- die dazu nötige Erfahrung. Ich glaube ausserdem, dass es für einen Kunden nichts Besseres und Effizienteres gibt, als direkt mit dem Kampagnenmacher der Werbeagentur zu tun zu haben.

Ist es Ihnen vielleicht auch ganz einfach zu langweilig geworden?

Es könnte einem bei der Werbung, die man im Augenblick so sieht, schon langweilig werden -- es gibt im Moment wenig aufregende Kampagnen. Im Ernst: Man gründet keine Agentur aus Langeweile. Aber natürlich reizt mich die Herausforderung. Die Gründungsphase, der Agenturaufbau ist eine spannende Zeit. So wie damals die Jahre bei Aebi & Partner oder später die ersten drei Jahre in der Pionierphase bei Weber, Hodel, Schmid, -- ich war der erste Texter/Konzepter und habe mir die Finger wundgeschrieben. Das waren schöne und spannende Momente mit guten Leuten.

Und was kommt bei Catsky & Partner nach der Pionierphase?

Hoffentlich weder Fusion noch Durststrecke.

Der Zeitpunkt der Gründung ist angesichts der wirtschaftlichen Grosswetterlage überraschend...

Es handelt sich um eine astreine antizyklische Agenturgründung (lacht). Ich glaube tatsächlich auch, dass das ziemlich mutig ist. Ich hoffe einfach, dass man als seriöser und hart arbeitender Handwerker wie ich auch in schwierigen Zeiten eine Chance hat.

Wie klein müssen Sie bleiben, um gut zu sein?

Klein heisst für mich überschaubar. Dass ich nicht den Überblick über die Kreation und die Kunden verliere. Das Motto ist jedenfalls "Destination Excellence". Ich will keinen anonymen Grossladen, quantitative Ziele sind mir nicht so wichtig. Was zählt, ist vor allem die Qualität der Arbeit.

Wie wollen Sie Ihre Agentur positionieren?

Wir sind eine kleine, hoffentlich bald auch eine feine Full-Service-Agentur. Wir wollen schnell, hoch kreativ, flexibel und vernünftig im Preis sein. Dem Markt also eine echte Alternative bieten. Wichtig ist mir die Effizienz. Mir wird schummrig vor den Augen, wenn ich an irgendwelchen Monstersitzungen Heerscharen von Beratern, BGLs, Strategen und Kreativen sehe, die nichts Gescheites zu einer kreativen Lösung beitragen, sondern nur einfach da sind, um da zu sein. Ich möchte keine Leerläufe zwischen Kunde und Agentur. Ich möchte persönlich für die Kunden bzw. deren Kommunikation verantwortlich sein. Mehr Feinkostladen anstelle von Grossverteiler. Die Kunden merken's nämlich, wenn man Verantwortung und Kreation an irgendwen wegdelegiert -- Werbung ist ein Creative People's Business. Die Werbeagenturen müssen wieder zurück zu ihren Wurzeln, statt sich mit Administration und mit sich selber zu beschäftigen. Wir sind in erster Linie Dienstleister. Wir sind die Schuhputzer des Image und die "Durchlauferhitzer der Kaufwut" (nach Niklaus Meienberg selig).

Wer gehört sonst noch zu Ihrer Agentur?

Wir sind eine Kleinagentur und fangen ganz klein an. Im Augenblick sind wir zu viert. Beraterin und Geschäftsführerin ist Andrea Welti, die mich auch in administrativen Belangen entlastet. Sie war zuvor bei Advico und bei McCann Erickson und hat lange Zeit bei Guido Studer gearbeitet. Dann arbeitet bei mir der Junior-AD Frédéric Nogier aus Frankreich, über den zweiten AD kann und darf ich noch nichts sagen, denn der will erst noch nach allen Regeln der Kunst so richtig schön abgeworben werden. Dann hat Ursula A. Jacques, die während 10 Jahren als Pressesprecherin sowie als Konzern-PR- und Kommunikationschefin der Tamedia fungierte, bei mir ein Teilmandat. Eine Telefonistin bzw. Récéptionistin lege ich mir jedoch erst zu, wenn ich vor lauter Telefoniererei nicht mehr zum Arbeiten komme.

Welche Budgets betreuen Sie?

Gegenwärtig kleinere Sachen, die auch Spass machen: die Tamedia (Nico-Jahrbuch), die Hilfsorganisation Anonyme Alkoholiker, das Kinderhilfswerk SOS-Kinderdorf, die Startrade Pastilles und die Big Chili Shop&Catering. Daneben bin ich mit ein paar potentiellen grösseren Werbeauftraggebern in regem Kontakt -- die Ergebnisse gebe ich in zwei bis drei Wochen bekannt. Ich möchte durch hoffentlich exzellente Arbeit, nicht durch markige Sprüche und leere Versprechungen auffallen.


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