29.08.2001

"Das Thema heisst Wirtschaftlichkeit"

Die Allgemeine Plakatgesellschaft APG strafft ihr Agenturnetz und zentralisiert die Logistik in Freiburg. 18 der bisher 24 Regionalagenturen stehen vor der Schliessung. "persoenlich.com" wollte von CEO Christian Kauter (Bild) wissen, was die Gründe für die Restrukturierung sind. Das Interview:
"Das Thema heisst Wirtschaftlichkeit"

Herr Kauter, die APG schliesst 18 von 24 Agenturen. Warum?

Erstens einmal sind diverse der 18 Agenturen bereits inaktiv, bestehen in dem Sinn nur noch auf dem Papier. Zweitens ist es eine Tatsache, dass immer mehr unserer Geschäfte über Mediaagenturen abgewickelt werden. Und drittens hat durch die Vernetzung der Filialen via EDV eine Präsenz vor Ort ganz klar nicht mehr die Bedeutung, die ihr noch vor 10 oder 15 Jahren zugekommen ist. In der Folge ist die Rentabilität vieler Agenturen ganz klar sur place nicht mehr gegeben, vorallem auch, da sich die Auftraggeberseite je länger je mehr in den Städten ballt. Somit hat eine Agentur wie zum Beispiel die in Sursee schlicht und einfach keine Daseinsberechtigung mehr.

Konkret heisst das also, dass die Schliessungen vorallem auf dem Land erfolgen werden?

Ganz klar. Wir werden aber vorallem in den Wirtschaftszentren nach wie vor auch mit Agenturen stark präsent sein. Ich nehme Brig als Beispiel. Brig ist aufgrund seiner Bergbahnen und dem daraus resultierenden Tourismus auch für uns sehr interessant. Hier ist die Wirtschaftlichkeit gegeben und somit bleiben wir auch weiterhin präsent.

Die Übernahme Ihrer Konkurrentin Plakanda durch Clear Channel hat den Druck auf dem Schweizer Markt erhöht. In wieweit ist es da sinnvoll, Agenturen abzubauen und somit auf eine lokale Präsenz zu verzichten?

APG bietet mit sechs bis acht Agenturen und 15 übergeordneten Filialen nach wie vor ein dichtes Netz. Dann arbeiten wir ja auch mit unseren Tochtergesellschaften eng zusammen. So gesehen sind wir bis in die Kapillaren präsent. Tatsächlich hat die Schliessung der 18 Agenturen keinen Zusammenhang mit Plakanda. Das Thema heisst Wirtschaftlichkeit und wie eine Post, eine Bank, eine Versicherung müssen auch wir jeden Standpunkt auf seine Wirtschaftlichkeit hin abklopfen.

Wieviele Stellen sind konkret betroffen?

Ich rechne mit 15 bis 20 Stellen, wobei ein Teil über natürliche Abgänge abgefedert wird. Unter anderem wird eine Pensionierung mit 62 Jahren möglich sein. Und für Härtefälle besteht ein Sozialplan. Abgesehen davon werden dieses Jahr noch keine Entlassungen ausgesprochen, sondern erst im 2002. Der Reorganisationsprozess erstreckt sich über einen Zeitraum von zwei Jahren.

Im ersten Halbjahr 2001 hat die APG ihre Netto-Umsätze gegenüber dem Vorjahr um 12.4 Prozent erhöht und somit einen markanten Zuwachs ausgewiesen. Wie sieht es mit dem zweiten Halbjahr aus?

Natürlich macht sich die wirtschaftliche Abflachung auch beim Medium Plakat bemerkbar, aber nie so stark wie zum Beispiel beim Print. Und dann muss man sich auch bewusst sein, dass das Wachstum bis anhin überdurchschnittlich war. Anfangs Jahr sind wir von einem Wachstum von fünf Prozent über das ganze Jahr ausgegangen; ich rechne jetzt mit einer Zahl zwischen drei und fünf Prozent. Generell wird es zumindest in unserer Branche auch weiterhin ein Wachstum geben, aber sicherlich nicht mehr so bald einen starken Aufschwung. Umso wichtiger ist es, die Kosten im Griff zu haben. Und umso wichtiger ist somit die geplante Restrukturierung.


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