18.08.2026

DS Studio

«Das wird kein Spaziergang»

Ein Fahrzeug unter Nato-Kommando wirbt für die humanitäre Tradition der Schweiz, ein Einschussloch für die Sicherheit: Kampagnenverantwortliche Janine Paumann erklärt im Interview die Bildsprache der Nein-Kampagne gegen die Neutralitätsinitiative und wie sich das breite Nein-Lager untereinander abstimmt.
DS Studio: «Das wird kein Spaziergang»
«Doch dann ist es zu spät»: Janine Paumann, Kampagneverantwortliche David Schaerer Studio. (Bild: zVg/DS Stuio)

Frau Paumann, die Agentur David Schaerer Studio hat im Auftrag des überparteilichen Komitees Nein zur Neutralitätsinitiative die Nein-Kampagne umgesetzt – gegen eine Vorlage, deren Titel niemand wirklich ablehnen kann. Wo setzt man da kommunikativ an?
Zum einen zeigt die Kampagne auf, dass diese Initiative die Schweizer Neutralität nicht stärkt, sondern massive Auswirkungen auf unsere Sicherheit, unsere aussenpolitische Handlungsfähigkeit und unseren Ruf in der Welt hätte. Zum anderen sprechen wir konsequent davon, was die Initiative ist: die sogenannte «Neutralitäts»-Initiative – in Anführungszeichen.

Die Initianten werben mit einer Friedenstaube und dem Slogan «kein Krieg». Auf Ihren Kampagnenplakaten sieht man zentral ein Einschussloch und militärische Motive. Welche Überlegungen führten dazu?
Das Motiv symbolisiert den Bruch, den die Initiative für unsere seit über 175 Jahren bewährte Neutralitätspraxis bedeuten würde. Die Initiative klingt harmlos, ist aber mit erheblichen Risiken verbunden. Das müssen wir mit der Nein-Kampagne vermitteln.

«Genau dieses Risiko zeigen unsere Sujets»

Bestätigt die Kampagne mit solchen Bildern nicht die Erzählung der Initianten, es gehe bei dieser Vorlage um Krieg oder Frieden?
Bei dieser Abstimmung geht es um nichts weniger als die Sicherheit der Schweiz. Die Initiative will die Zusammenarbeit mit unseren internationalen Partnern so stark einschränken, dass wir uns gemeinsam erst dann auf den Ernstfall vorbereiten könnten, wenn ein Angriff auf die Schweiz unmittelbar bevorstünde. Doch dann ist es zu spät. Genau dieses Risiko zeigen unsere Sujets.

Das Plakatsujet zur humanitären Tradition zeigt ein Fahrzeug der Kosovo-Schutztruppe KFOR. Warum kein IKRK-Fahrzeug? Die humanitäre Tradition der Schweiz wird in erster Linie mit dem Roten Kreuz assoziiert.
Die Initianten behaupten, die Initiative stärke die Rolle der Schweiz als Friedensförderin in der Welt. Hier müssen wir deutlich machen, dass das Gegenteil der Fall ist: Die sicherheits- und verteidigungspolitische Zusammenarbeit mit internationalen Partnern, die die Initianten praktisch verbieten wollen, beinhaltet oftmals auch friedensunterstützende Massnahmen und Einsätze – wie beispielsweise den KFOR-Einsatz im Kosovo, an dem sich die Schweiz seit 27 Jahren beteiligt. Gerade deshalb steht das KFOR-Fahrzeug sinnbildlich für einen konkreten Beitrag der Schweiz zu Frieden und Stabilität. Genau solche Einsätze würde die Initiative künftig praktisch verunmöglichen.

Die KFOR steht unter Nato-Kommando. Liefert das den Initianten nicht eine Steilvorlage, wonach ein Nein zu einer stärkeren Nato-Anbindung der Schweiz führt?
Nein. Die Schweiz beteiligt sich seit 27 Jahren an der KFOR und ist deswegen weder Nato-Mitglied geworden noch hat sie ihre Neutralität aufgegeben. Das Beispiel zeigt vielmehr, dass Neutralität und internationale Zusammenarbeit kein Widerspruch sind. Genau diese bewährte Zusammenarbeit würde die Initiative massiv einschränken.

Hinter der Kampagne stehen FDP, Die Mitte, GLP, SP und Grüne. Wie schwierig war es, eine Stossrichtung zu definieren, hinter der alle Parteien stehen können?
Im Kern sind sich alle einig: Diese Initiative stärkt unsere Neutralität nicht, sondern schwächt sie. Deshalb liegen die gemeinsame Stossrichtung und die zentralen Argumente auf der Hand. Je nach politischem Absender werden unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt – etwa bei Sicherheit, Werten oder aussenpolitischer Handlungsfähigkeit.

«Beim Nein sind wir uns einig, und diese Breite ist unsere Stärke»

SP und Grüne werden mit einer eigenen Kampagne mobilisieren. Sind die beiden Linksparteien nur mit halber Kraft dabei?
Im Gegenteil: Dass verschiedene politische Kräfte mit eigenen Kampagnen und Schwerpunkten für dasselbe Abstimmungsziel mobilisieren, ist gängige Praxis. Entscheidend ist: Beim Nein sind wir uns einig, und diese Breite ist unsere Stärke. Das hat auch die gemeinsame Medienkonferenz mit Vertreterinnen und Vertretern von FDP, Die Mitte, GLP, SP und Grünen deutlich gezeigt.

Neben SP und Grünen werden auch Operation Libero und eine NGO-Allianz mit eigenen Kampagnen gegen die Neutralitätsinitiative antreten. Wie sieht die Arbeitsteilung aus?
Wir sind innerhalb des Nein-Lagers regelmässig im Austausch.

Was heisst das genau? Werden auch Sujets und Timing abgestimmt oder nur Informationen ausgetauscht?
Ja klar, natürlich stimmen wir uns ab – alles andere wäre bei einem so breiten Nein-Lager nicht sinnvoll. Gleichzeitig sind die verschiedenen Kampagnen eigenständig und setzen ihre eigenen Schwerpunkte.

Die bisherigen Umfragen weisen auf ein mögliches Nein zur Initiative hin. Was bedeutet das für Ihre Aktivitäten bis zur Abstimmung am 27. September?
Noch zeigen die verschiedenen Umfragen kein einheitliches Bild – das wird kein Spaziergang. Für uns ist deshalb klar: Wir müssen bis zum Abstimmungstag deutlich machen, was tatsächlich auf dem Spiel steht. Die Initiative stärkt unsere Neutralität nicht, sondern schwächt unsere Sicherheit und schränkt die Handlungsfähigkeit der Schweiz massiv ein. Dafür engagiert sich ein sehr breites Nein-Lager.

Kann die Kampagne noch einen Zacken zulegen, wenn es eng wird?
Natürlich.

Wie gross ist das Budget Ihrer Kampagne?
Unserer Kampagne stehen heute 1,2 Millionen zur Verfügung. Das haben wir so offengelegt.


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KOMMENTARE

Werner Furrer
18.08.2026 10:42 Uhr
Keine einfache Sache, wenn man für ein derart schäbiges Anliegen werben muss, wie das Nein zur Neutralitäts-Initiative.
Reda El Arbi
18.08.2026 09:54 Uhr
Die Kampagne schiesst am Ziel vorbei, wortwörtlich. Zu fokussieren wäre eher auf die augenblickliche Weltlage und den Angriffskrieg in der Ukraine. Auch die korrupten wirtschaftlichen Interessen, Russlandgeäschäfte zum Beispiel, die stark an die Schweiz und den Handel mit dem Apardheit-Südafrika und mit dem Deutschen Reich erinnern. Die Initianten vertreten ganz klar Putins Linie für die Schweiz. Das ist nicht mal versteckt.
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