12.04.2002

Der BSW macht sich Gedanken über die Zukunft

Am Donnerstag fand in Luzern die Generalversammlung des BSW statt. Dabei wurde der neue Vorstand bestätigt. Weitere Traktanden waren eine Mitglieder-Umfrage sowie die Erneuerung der Branchengrundsätze. Besonders hervorgehoben wurden zwei Problemkreise der Werbeagenturen: die Wirtschaftlichkeit und das Ansehen der Agenturszene in der Schweiz. Der neue BSW-Präsident Hanspeter Detsch (Bild) will in seiner Amtszeit, die ein Jahr dauert, vorab den Kontakt zur Presse und Öffentlichkeit pflegen, der gemäss der eigenen Studie verbesserungsfähig sei. Am Freitag stellte er sich denn auch den Medien.

Was den Problemkreis der Wirtschaftlichkeit betrifft, stellen Agenturen fest, dass der Kampf um leistungsgerechte Honorare immer härter wird. Heute verlangen Auftraggeber zu Wettbewerbspräsentationen schon fertig ausgearbeitete Kampagnen, während früher Skizzen genügten. Dies jedoch, ohne die Honorare entsprechend zu erhöhen.

Der BSW blickt aber auch auf Unzulänglichkeiten der eigenen Mitglieder. So würden heute noch einige BSW-Agenturen von Kreativen geführt. Das bringe oft mit sich, dass diese Agenturen besser strukturiert und besser finanziell geführt sein könnten. Der BSW will hier Hilfe leisten durch Ratschläge.

Was den Problemkreis des Ansehens der Agenturszene betrifft, sind die Schwierigkeiten tiefer. International tätige Schweizer Auftraggeber würden immer häufiger Aufträge auch an ausländische Agenturen vergeben, wodurch der Werbekuchen in der Schweiz kleiner werde, sagt Detsch. Aktuelle Beispiele seien Swiss, die Werbeleistungen bekanntlich in London einkauft, und Credit Suisse, die Werbeleistungen in Deutschland beziehen wird.

Schweizer Agenturen müssten gemäss Past-Präsident René Hürlimann diesem Trend entgegenhalten, indem sie ihre jungen Mitarbeiter wieder vermehrt ins Ausland schicken, um internationale Erfahrungen zu sammeln. Zudem will sich auch der BSW in dieser Hinsicht gegenüber Auftraggebern stark machen. "Schweizer Agenturen müssen vermehrt internationale Ausstrahlung bekommen, um internationale Budgets hier zu halten und zu bekommen", meint denn auch Hanspeter Detsch an der Presseorientierung. "Als schwierig erweise sich auch, dass in einer schlechten Konjunkturlage zuerst die Kommunikationsbudgets gekürzt würden. Dies habe damit zu tun, dass Unternehmen der Werbung offensichtlich nicht die Wichtigkeit beimessen, die sie haben sollte.

Evolution der Verfassung

Im weiteren hat der BSW seine Branchengrundsätze erneuert. Man will zwar weiterhin an der 17.65 Prozent-Regelung festhalten, sie aber künftig flexibler auslegen. Demnach ist eine BSW-Agentur offen für jede Honorierungsform, die faire Erträge gibt. Zudem wird klarer aufgeführt, was in diesem Prozenthonorar inbegriffen ist und was nicht.

Interne Umfrage

Der BSW hat seine Mitglieder um ihre Meinung zu verschiedenen Fragen gebeten. 42 Agenturen oder 60 Prozent der Mitglieder haben geantwortet. Überraschend in dieser Erhebung ist die Erkenntnis, dass die grösste Wichtigkeit der politischen Arbeit, der Kontaktpflege zu anderen Institutionen sowie der Weiterbildung beigemessen wird. Die Frage, ob der BSW im Jahr 2002 noch eine Berechtigung hat, wurde von 100 Prozent der Befragten mit Ja beantwortet.

Interessant ist übrigens auch, dass die mittelgrossen Agenturen vom Aussterben bedroht scheinen. 1986 gab es noch 105 BSW-Agenturen, heute sind es noch 59. Die Grossen, die heute den Netzwerken gehören, werden immer grösser, die Kleinen immer kleiner, die Mittleren verschwinden.

Vorstand

Zurückgetreten aus dem Vorstand sind: Fredy Collioud, der acht Jahre im Vorstand war; Peter Felser, der Advico Y&R, ein BSW-Mitglied, verlässt; und der Westschweizer Christopher Cordin. Die weiteren Vorstandmitglieder wurden bestätigt. Im Vorstand verbleibt auch Diana Strebel, obwohl auch sie derzeit nicht bei einer BSW-Agentur tätig ist. Sie tritt aber vorläufig in den Ausstand.


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