Anfangs 2001 haben Sie die damalige Honegger von Matt verlassen und Ihre 50-Prozent-Beteiligung abgegeben. Was haben Sie seither getan?
Ich habe als Creative Consultant verschiedene Mandate betreut, so etwa während rund eines Jahres gemeinsam mit der Publicis die Expo.02. Bei Farner PR konnte ich zudem meinen Kommunikations-Range auf den PR-Bereich ausdehnen. Daneben war ich in verschiedene kleinere, teilweise auch private Projekte involviert.
Was reizt sie an der neuen Aufgabe bei McCann-Erickson?
Erstens bin ich überzeugt, dass McCann eine ganz starke Marke ist -- der Slogan "truth well told" hat mir schon immer gut gefallen. Zweitens gibt es gute Kunden. Ich sehe hier grosses Potential im New-Business-Bereich. Drittens haben wir ein junges, hungriges Team, das ich zum Teil schon kenne. Und viertens habe ich mich unter den Angeboten, die ich hatte, für McCann entschieden, weil mich Helmut Sendlmeier -- der Chairman für Deutschland, die Schweiz und Österreich -- für diese Aufgabe sehr begeistern konnte. Er fragte mich persönlich an und seine Art, wie man ein Network mit kreativen Agenturen führt, überzeugte mich sehr.
Welches sind Ihre Ziele?
Wir hatten einige Rückschläge, die unter anderem durch unglückliche Umstände herbeigeführt wurden. Das heisst aber nicht, dass die Agentur nicht mehr gut war. Es hat nun im vergangenen Jahr eine Konsolidierungsphase stattgefunden, und wir geben jetzt wieder Vollgas -- das ist die Aufgabe. Wir wollen zu einer der begehrtesten Agenturen für Kunden und Mitarbeiter werden. Wir möchten bei beiden möglichst schnell wieder ins "relevant set" kommen, "top of mind" werden. Meine Aufgabe ist daher sicher, uns wieder attraktiv zu machen. Es gibt hier zwei Dimensionen: Einerseits die Qualität der Beziehungen gegen innen und andererseits gegen aussen, also gegenüber Kunden und der Öffentlichkeit. An diesen beiden Hebeln will ich ansetzen. Aus der Qualität der Beziehungen wird auch die Qualität im Produkt resultieren, das ist meine Erfahrung. -- Ein weiteres wichtiges Ziel besteht darin, aus den zwei Agenturen in Genf und Zürich eine einzige mit zwei Standorten zu machen.
McCann-Erickson hat mit den Abgängen von Frank Bodin, Claude Catsky und jetzt auch Edi Andrist einige kreative Köpfe verloren. Was werden Sie hier tun?
Das sind alles ausgewiesenermassen erfolgreiche, kreative Köpfe. Doch auch wir haben mit Timo Kirez in Genf und Dominik Imseng in Zürich zwei starke Kreativdirektoren. Zudem konnten wir ganz neu Enrico Bachmann als Texter verpflichten. Im Zentrum soll aber das Team stehen. Ich will nicht wie Real Madrid einen Starkult betreiben und grosse Namen sammeln. Ich pflege eher einen Bayern-München-Ansatz: aus einem guten Klima heraus stark werden, ein Team aufbauen, auch wenn das etwas mehr Zeit erfordert.
McCann-Erickson musste Budgetverluste verschmerzen, etwa SBB oder Diax. Welche grossen Budgets betreut die Agentur gegenwärtig?
Das Budget der SBB war nicht so riesig, Diax hingegen hat man stark gespürt. An grossen internationalen Kunden aus dem Netzwerk haben wir Opel, LOréal, Coca-Cola und Camel (Japan Tobacco International) -- das sind die vier grössten nach Budgetvolumen. Lokal betreuen wir Microsoft, Cablecom und die International Telecommunication Union (ITU).
Das Netzwerk scheint demnach eine wichtige Rolle zu spielen.
Das Netzwerk im Hintergrund ist wichtig. Das -- übrigens einst von mir erfundene -- Motto "Think glocal" ist unsere Stärke. Ziel ist, die internationalen Kompetenzen von McCann optimal zu nutzen und gleichzeitig lokal zu expandieren. Das Netzwerk ist ausserdem wichtig in Bezug auf die Infrastruktur. Wir haben sehr gute Serviceleistungen und Tools. Das ist auch einer der Reize, mit einem Netzwerk zu arbeiten. Insgesamt ist das Network also wichtig; wichtig ist aber auch, dass die lokalen Agenturen eigenständig sind.

