03.06.2026

ADC Switzerland

«KI geht nicht mehr weg»

Sechs Tage, Dutzende Speaker, ein Jubiläum: Das Kreativfestival des ADC Switzerland vom 8. bis 13. Juni im Kraftwerk Zürich ist das grösste in der 50-jährigen Geschichte des Verbands. Präsident Thomas Wildberger über künstliche Intelligenz, Female Leadership – und was hinter der «Neugründung» des ADC steckt.
ADC Switzerland: «KI geht nicht mehr weg»
«Gute Ideen entstehen in menschlichen Köpfen – und die wollen wir füttern», so Thomas Wildberger, Präsident ADC Switzerland. (Bild: Aurélia Marine)

Thomas Wildberger, das ADC Kreativfestival dauert sechs Tage. Was sollen die Besucherinnen und Besucher mitnehmen?
Im Eingangsbereich vom Kraftwerk steht die kleinste Migros-Filiale der Welt, der Migimat. Mittels Voucher dürfen sich dort die Besucherinnen und Besucher aus 50 ikonischen Produkten bedienen – und sie mit nach Hause nehmen. Aber ich gehe stark davon aus, die Frage zielt auf etwas anderes ab, nämlich auf die Inspiration, die im Vordergrund steht.

Genau.
Gute Ideen sind wichtiger denn je – gerade, wenn Tools jede und jeden scheinbar befähigen, komplette Kommunikationsleistungen zu erbringen. Gute Ideen entstehen aber nach wie vor in menschlichen Köpfen und die wollen wir füttern. Wir haben darum das grösste Programm aller Zeiten zusammengestellt mit mehreren Schwerpunkt-Streams wie Strategie, Female, Film und Youngsters. Meine Empfehlung lautet darum: Einfach reinhocken und nach zwei Tagen inspiriert, fasziniert, weitergebildet und menschlich bereichert wieder rausgehen.

Sie erwähnen es: Das Festival ist in diesem Jahr deutlich gewachsen. Wie finanzieren Sie das überhaupt?
Unter den Sponsoren findet sich das Who-is-Who Schweizer Unternehmen. Was sie alle vereint, ist der Glaube an Kreativität. Und die Überzeugung, dass es nötig ist, ein solches Festival, notabene das einzige, das sich voll und ganz der kreativen Kommunikation widmet, zu veranstalten. Dank dieser Unterstützung ist es uns möglich, etwas Hochqualitatives in dieser Grössenordnung auf die Beine zu stellen.

«Mittlerweile gehört KI zum Kreativteam»

Künstliche Intelligenz zieht sich wie ein roter Faden durchs Programm. Ist KI eine Chance oder eine Bedrohung für die Kreativbranche?
Mittlerweile gehört KI zum Kreativteam. Deswegen lautet die Frage eher: Wie nutzt man KI? Das versuchen wir in diversen Vorträgen und Workshops zu vermitteln, sodass auch vielen die Angst genommen wird, die tatsächlich präsent und spürbar ist. KI geht nicht mehr weg. Deswegen muss man das Beste draus machen. Beziehungsweise das Allerbeste.

Female Leadership ist ebenfalls stark vertreten. War das eine bewusste Entscheidung?
Ja, natürlich. Wir haben sogar einen ganzen Friday For Female Future organisiert mit Keynotes von Frauen mit wegweisender Expertise. Es liegt uns sehr am Herzen, dass Führungspositionen von Frauen besetzt werden und dieser Programmschwerpunkt soll auch motivierend wirken für die Agenturen und andere Arbeitgeber.

Welcher Programmpunkt interessiert Sie persönlich am meisten?
Ich freue mich sehr auf Ole von Beust. Er greift unter anderem Themen aus seinem aktuellen Buch «Am Ende des Tages» auf. Darin geht es um individuelle Kommunikation, wie schwierig die Abkehr von Plattitüden ist. Und er spricht über die Parallelen von Werbung und Politik. Rhetorik ist extrem  wichtig, wenn es darum geht, Ideen zu verkaufen. Ich kann es nur jeder und jedem empfehlen, sich das anzuhören, damit in Meetings endlich keine Kühe mehr vom Eis geholt werden müssen.

«Veränderung ist das Wichtigste, aber zugleich Schwierigste»

Das Abschlusspanel fragt nach einer «Neugründung» des ADC. Was steckt dahinter?
Veränderung ist das Wichtigste, aber zugleich Schwierigste. Man muss sich immer wieder neu erfinden und das macht der ADC seit vielen Jahren. Unsere Weiterentwicklung wollen wir aber nicht hinter verschlossenen Türen vollziehen, sondern transparent auf einer offenen Bühne diskutieren mit einer Generation, die vielleicht ganz andere Vorstellungen hat, wie der Club zu sein hat. Ich bin gespannt auf die Gedanken und einen konstruktiven Wandel.

Was soll nach dem Festival anders sein als vorher?
Mein Wunsch wäre, dass danach klar ist, dass ein solches Festival in ähnlicher Form jedes Jahr stattfinden muss. Es gibt viele Veranstaltungen rund um Marketing, aber wir brauchen auch eine, die sich stark der Kreativität widmet. Und wir sehen ja, wie viel Freude Kreativität den Menschen macht, unter anderem beim Zuspruch auf unsere Jubiläumsaktivitäten wie dem «20 Minuten 50 Jahre ADC Wettbewerb», bei dem wir Werbeklassiker der letzten 50 Jahre haben aufleben lassen. Das tun wir auch in einem Jubiläumsfilm und einer Plakatkampagne mit ausgezeichneten Beispielen aus unserer Geschichte.


Tickets und vollständiges Programm finden Sie unter adc.ch.


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