20.10.2003

Wrapsy

Warnungen auf Zigarettenschachteln als Werbeflächen

Verpackungsidee verhüllt Gesundheitswarnungen.

Das deutsche Unternehmen Wrapsy hat die seit Anfang Oktober verpflichtenden Gesundheitswarnungen auf Zigarettenschachteln als Werbeflächen entdeckt. Die Verpackungsidee, die auch eine zündende Vermarktungsidee ist, nutzt ein bekanntes psychologische Phänomen: die Verdrängung. Kleine über die Schachtel gestülpte Kartonhüllen bieten Rauchern die Möglichkeit, den Hinweisen auf die gesundheitsschädlichen Folgen ihrer freiwilligen Entscheidung zu entgehen. Die Wrapsy-Hüllen könne entweder vom Raucher selbst mit lustigen Motiven gekauft werden oder aber von Unternehmen als Werbe-Give-Aways geordert werden.

Die Idee ist laut Angaben des in Planegg bei München ansässigen Unternehmens schon jetzt ein Erfolg. Die kleinen Verdrängungshilfen finden demnach "reissenden Absatz", bereits 2.4 Mio. Stück seien bisher verkauft worden. Beim Design der Hüllen kann der Raucher aus den Kategorien Erotik, Witze, Sprüche, Szene und Sternzeichen auswählen. Für 40 Cent sollen sie in Deutschland und Österreich überall erhältlich sein, wo es auch Zigaretten gibt. Für Unternehmen bietet Wrapsy die Hüllen als Werbeflächen an, die als Give-Aways bei Marketingaktionen verteilt werden können. Zigarettenschachteln könnten daher bald von Werbeslogans bedeckt sein anstatt von Warnungen wie "Rauchen kann zu einem langsamen und schmerzhaften Tod führen".

Die Geschäftsidee stützt sich unter anderem auf eine europaweite Umfrage der Münchner Arbeitsgemeinschaft für Markt- und Meinungsforschung AGEMAS. Von mehr als 4000 Befragten gaben demnach mehr als die Hälfte der Deutschen an, gegen die Warnhinweise zu sein. In Grossbritannien äusserten sich sogar 71 Prozent ablehnend. Zudem finden knapp 50 Prozent der Deutschen die neuen Zigarettenschachteln "hässlich". Eine Mehrheit der Befragten sieht in der EU-Richtlinie eine Bevormundung.


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