Die Agentur Thjnk Zürich, die unter anderem für Sunrise, Post, Migros und Ochsner Sport Kampagnen konzipiert, bietet gemäss SonntagsZeitung weniger Praktikumsplätze an als früher, weil dafür die Aufgaben zunehmend entfallen. Im Gegenzug vergebe sie mehr fixe Einsteigerjobs zu regulärem Lohn und investiere gezielt in deren Wissensaufbau. Co-Chefin Andrea Bison betont laut der SonntagsZeitung, wie wichtig es sei, gute Nachwuchskräfte langfristig im Unternehmen zu halten.
Hintergrund ist das sogenannte Deskilling: der schleichende Abbau menschlicher Kompetenzen durch häufige, unreflektierte KI-Nutzung. Eine Analyse der Beratungsfirma Boston Consulting Group (BCG), auf die sich die SonntagsZeitung beruft, zeigt: Die Hälfte von 70 befragten Topkadern beobachtet dieses Phänomen bereits in der eigenen Firma, mehr als 60 Prozent sehen darin eine wesentliche Bedrohung für die kommenden drei bis fünf Jahre.
KI nutzen, aber nicht an sie delegieren
Bei Thjnk können die Angestellten KI als Assistenz nutzen, dürfen aber nicht alles an sie delegieren, um ihre Beurteilungsfähigkeit bewusst zu erhalten. Wirken Präsentationen oder Beratungsunterlagen zu stark nach KI, würden sie laut Bison ans Team zurückgewiesen. Auch bei Zeitplänen für Kampagnen oder beim Verfassen von E-Mails soll sich die Belegschaft nicht blind auf KI-generierte Vorschläge verlassen.
Co-CEO Alexander Jaggy, der Thjnk zusammen mit Bison leitet, ordnete das Thema in einer Podcast-Folge «50 Jahre ADC» vom Juni historisch ein. Die aktuelle KI-Debatte erinnere ihn an frühere Digitalisierungsschübe wie Social Media oder Performance Ads: Auch damals sei in der Branche zunächst Panik ausgebrochen, bevor sich die neuen Tools als Erleichterung erwiesen hätten.
Repetitive Arbeiten würden künftig zwar wegfallen – was Jaggy nicht bedauert, da solche Tätigkeiten ohnehin wenig reizvoll seien. Komplexe kreative Aufgaben, etwa die Konzeption einer Kampagne für zahlreiche Touchpoints und Märkte, traut er der KI dagegen vorerst nicht zu. (cbe)

