Ihr Berufsleben haben Sie als Schauspielerin angefangen. Sie waren in Filmen und Serien zu sehen. Weshalb hatten Sie sich für eine Karriere im Showbusiness entschieden?
Ich bin sehr früh zum Schauspiel gekommen – mit 14 Jahren habe ich angefangen, in Serien und Filmen mitzuspielen. Es war nie ein geplanter Karriereschritt, sondern ein neugieriges Hineinwachsen. Mein Traumberuf als Kind war, Schauspielerin zu werden. Alle sagten, das sei unmöglich. Irgendwie hat's trotzdem geklappt. Ich mochte Geschichten, mochte Sprache, mochte Menschen beobachten – und genau das konnte ich beim Schauspiel verbinden.
2020 haben Sie Ihre Consultingfirma Zeam mitgegründet. Sie sind zur «Erklärerin der Generation Z» geworden. Was war der Auslöser für den Branchenwechsel?
Der Weg ging nicht direkt vom Schauspiel zur Agentur. Ich bin danach zunächst in den Journalismus gewechselt und habe mehrere Jahre journalistisch gearbeitet – unter anderem zu gesellschaftlichen und digitalen Themen für junge Menschen. Dabei wurde mir immer klarer, wo Lücken bestehen: in der Art, wie Unternehmen junge Zielgruppen ansprechen – und vor allem, wie wenig Verständnis es oft für Generation Z gibt. Zeam war deshalb kein «Businessplan», sondern eher die Antwort auf eine Lücke, bei der ich wusste: Die kann ich mit meinem Wissen und meiner Erfahrung füllen.
Gab es auch Momente des Zweifels während des Umstiegs oder danach?
Ja, natürlich. Vor allem am Anfang, als vieles noch unsicher war. Ich kannte mich in der Agenturwelt überhaupt nicht aus, hatte keine klassische Ausbildung in dem Bereich und wusste wenig darüber, was es eigentlich braucht, um eine erfolgreiche Agentur aufzubauen. Erst durch den Austausch mit anderen, die schon lange in der Branche tätig waren, habe ich gelernt, wie dieses Ökosystem funktioniert. Gleichzeitig war die Nachfrage nach unserem Angebot von Anfang an enorm. Unternehmen haben dringend nach Lösungen gesucht, wie sie junge Zielgruppen besser erreichen. Wir konnten diese Lücke füllen. Diese Resonanz hat uns viel Rückenwind gegeben. Heute sind wir ein Team von rund 30 Mitarbeitenden und als Agentur etabliert.
«Wegen unseres jungen Alters werden wir in der Branche oft unterschätzt»
Wie hat Ihr persönliches Umfeld auf den Berufswechsel reagiert?
Zu Beginn war mein Umfeld kritisch. Sie waren besorgt, dass ich nicht eine klassische Ausbildung absolvierte, zum Beispiel ein Studium. «Was soll mal aus ihr werden, wenn das Business nichts wird?» Aber wir waren immer überzeugt von unserer Idee und haben einfach weitergemacht.
Haben Sie sich schnell im neuen Berufsfeld zurechtgefunden?
Schnell im Sinne von: Ich habe mich reingestürzt, ausprobiert, gelernt – ja. Aber es ist nach wie vor ein Lernprozess. In einer Agentur mit wachsendem Team verändern sich die Aufgaben ständig. Ich lerne bis heute wöchentlich Neues, und das ist auch das Spannende daran.
Ist Ihre Berufsbiografie heute ein Thema im professionellen Umfeld?
Ja, sie kommt immer wieder zur Sprache – meist eher beiläufig. Ich glaube, besonders wegen unseres jungen Alters werden wir in der Branche oft unterschätzt. Ich denke es ist ein Vorteil, dass wir Dinge anders machen, als man es gewohnt ist – es wirbelt die Branche auf.
«Wenn man ein Thema wirklich versteht und Lösungen anbieten kann, ist das oft mehr wert als ein Diplom»
Gibt es Parallelen zwischen Ihrer alten und der neuen Tätigkeit?
Definitiv. Beim Schauspiel, im Journalismus und im Consulting geht es letztlich immer um das Gleiche: Menschen verstehen, Geschichten erzählen, Perspektiven sichtbar machen. Nur die Form ist anders. Ich würde sagen: Die Fähigkeiten bleiben, der Rahmen verändert sich.
Welches Know-how aus Ihrer ursprünglichen Tätigkeit hilft Ihnen bis heute?
Beim Schauspiel lernt man genau zuzuhören, zwischen den Zeilen zu lesen – das hilft enorm in Kundengesprächen oder bei Workshops. Aus dem Journalismus bringe ich die Fähigkeit mit, Komplexes verständlich zu machen und präzise zu formulieren – das ist ein grosser Vorteil, wenn wir bei Zeam Generationenfragen und Kommunikation auf den Punkt bringen wollen.
Was würden Sie anderen Quereinsteigern raten?
Nicht auf die perfekte «Qualifikation» warten. Wenn man ein Thema wirklich versteht und Lösungen anbieten kann, ist das oft mehr wert als ein Diplom.
Könnten Sie sich einen erneuten Branchenwechsel vorstellen?
Nein. Was bei Zeam abgeht, ist verrückt und es macht unglaublichen Spass. Ich könnte mir nicht vorstellen, je wieder etwas anderes zu tun.
In der Sommerserie «Quereinsteiger / Quereinsteigerin» stellt persoenlich.com zehn Fragen an Menschen aus der Medien- und Kommunikationsbranche, die nicht den klassischen Weg genommen haben. Eine Übersicht aller bisher erschienenen Folgen finden Sie hier.

