Vor zwei Jahren lancierte die Migros ihre Eigenmarke «Créa d'Or Herzli». Hug bezeichnete das Produkt damals als Kopie des Wernli Butterherzlis und reagierte mit einer Social-Media-Aktion, die eine Migros-Kampagne parodierte (persoenlich.com berichtete).
Nun hat die Migros die Verpackung angepasst: Die bisher helle Packung ist jetzt rot, wie jene von Wernli. Die Firma aus Malters reagiert erneut mit einem Augenzwinkern. «Liebe Migros-Gruppe, wir helfen doch gernli!», schreibt Hug in einem LinkedIn-Post. Man fühle sich «ein wenig geschmeichelt» und habe der Migros deshalb schon mal die Original-Druckdaten für 2028 vorbereitet: «Einfach ausdrucken, ausschneiden und aufkleben.» Nur den Geschmack könne man leider nicht mitliefern. Stattdessen schlägt Hug vor, die Migros könne doch gleich das Original-Butterherzli von Wernli ins Sortiment nehmen.
«Wir nehmen es gelassen, jede und jeder hat Wernli halt eifach gernli», so Anna Hug, Mitinhaberin und Co-Geschäftsleiterin Märkte, auf Anfrage von persoenlich.com. Die Migros antwortet im gleichen Ton: «Bei so viel Herz darf schliesslich auch unter Mitbewerbern ein bisschen Eifersucht aufkommen», schreibt Mediensprecher Andy Zesiger.
«Das tut schon ein bisschen weh»
Hinter dem Humor steckt bei Hug allerdings ernsthafte Kritik. «Konsumentinnen und Konsumenten könnten beim Kauf denken, sie kaufen Wernli-Produkte, und werden enttäuscht sein, weil das Produkt eben nicht wie das Original-Butterherzli von Wernli schmeckt», so Anna Hug. Sie geht zudem davon aus, dass die Migros ihre gesamte Eigenmarke Créa d'Or auf das rote Design umstellt, was mehr als ein Dutzend Biscuits betreffen würde. «Das tut schon ein bisschen weh. Wir investieren jedes Jahr viel in Markenauftritt und Kommunikation für die Marke Wernli.»
Die Migros sieht keine Anlehnung an Wernli. Créa d'Or habe eine eigenständige Markengeschichte, die Migros produziere seit 1930 in Meilen Schweizer Biscuit-Spezialitäten. Mit dem Redesign wolle man diese Tradition auf den Verpackungen stärker sichtbar machen. «Rot ist dabei eine Farbe, die von verschiedenen Schweizer Traditionsmarken verwendet wird», so Zesiger. Die Umstellung erfolge seit Kurzem schrittweise.
2024 hatte die Migros noch angekündigt, die Kritik von Anna Hug als Ansporn zu nehmen, die Rezeptur zu optimieren. Daraus wurde nichts. «Wir haben unsere Herzli nochmals kritisch degustiert und sind zum Schluss gekommen: Sie sind schon perfekt, wie sie sind», schreibt Zesiger. Und das Wernli-Original im Migros-Regal? Man freue sich über den Vorschlag, äussere sich aber nicht zu einzelnen möglichen Sortimentsentscheiden.



