24.09.2026

Localsearch

Erst jedes fünfte KMU nutzt KI im Marketing

Viele Firmen spüren den Wandel im Suchverhalten, fast die Hälfte sieht aber keinen Handlungsbedarf. Wie Chatbots über sie Auskunft geben, prüfen die wenigsten. Das zeigt eine Studie mit der Hochschule Luzern, die erstmals auch Kleinstbetriebe systematisch erfasst.
Localsearch: Erst jedes fünfte KMU nutzt KI im Marketing
Bisher auf dem Perron: Von den Mikrounternehmen ohne KI-Einsatz wollen nur 19 Prozent innerhalb eines Jahres einsteigen. (Bild: zVg/KI-generiert)

Für den «KMU Digital Pulse 2026» hat das Marktforschungsinstitut Intervista vom 13. bis 21. Mai 504 Personen befragt, die in Schweizer KMU für Marketingentscheide verantwortlich oder daran massgeblich beteiligt sind. Die Stichprobe ist nach Sprachregion und Beschäftigtenklasse gewichtet. Erstmals wurden auch Mikrounternehmen mit einem bis neun Beschäftigten systematisch erfasst. Sie machen rund 90 Prozent der Schweizer KMU aus, wie es in einer Mitteilung vom Donnerstag heisst.

Gemäss der Studie nutzen 21 Prozent der KMU KI-Tools im Marketing. Bei den mittleren Unternehmen sind es 49 Prozent, bei den kleinen 39 Prozent und bei den Mikrounternehmen 18 Prozent.

Die Veränderung im Markt nehmen die Firmen durchaus wahr. 45 Prozent gehen davon aus, dass ihre Kundschaft zunehmend mit KI-Tools nach Angeboten sucht. 44 Prozent vermuten, dass die Konkurrenz KI bereits im Marketing einsetzt. Daraus leiten viele aber keinen eigenen Handlungsbedarf ab: 48 Prozent sind nicht der Meinung, dass Unternehmen wie ihres KI im Marketing einsetzen sollten. 37 Prozent stimmen dem zu, 15 Prozent sind unentschieden.

Blinder Fleck KI-Suche

58 Prozent der Befragten haben noch nie überprüft, welche Informationen KI-Anwendungen über ihr Unternehmen ausgeben. Bei den Mikrounternehmen sind es 60 Prozent, bei den kleinen 45 und bei den mittleren 36 Prozent. Systematisch prüfen 8 Prozent ihre Sichtbarkeit, gezielte Massnahmen ergreifen 2 Prozent. «Wer nicht nachschaut, was eine KI über das eigene Unternehmen ausgibt, weiss nicht, ob und wie es dort von der Kundschaft wahrgenommen wird», lässt sich Studienleiter Thomas Wozniak, Professor für Konsumentenverhalten und Technologie an der HSLU, in der Mitteilung zitieren.

Einen Nutzen von KI erwartet die Mehrheit zwar grundsätzlich: 59 Prozent rechnen damit, dass sich Marketingaufgaben schneller erledigen lassen, 58 Prozent mit weniger Aufwand und 55 Prozent mit wirksamerem Marketing. Als häufigste Hürde nennen 44 Prozent jedoch, keinen klaren Nutzen oder Bedarf für den eigenen Betrieb zu sehen. Bei den Mikrounternehmen sind es 45 Prozent, bei den kleinen 35 und bei den mittleren 23 Prozent. Dazu kommen Wissenslücken: 39 Prozent fehlt eine Vorstellung, wie sich KI ins Marketing integrieren lässt, 38 Prozent das Wissen über geeignete Tools. Nur 27 Prozent trauen sich einen sinnvollen Einsatz zu.

Von den KMU ohne KI-Einsatz planen 21 Prozent den Einstieg innerhalb der nächsten zwölf Monate. Bei den mittleren sind es 47 Prozent, bei den kleinen 33 und bei den Mikrounternehmen 19 Prozent. Neun von zehn bisherigen Nutzern rechnen damit, dass ihr KI-Einsatz künftig zunimmt. Die Studienverantwortlichen folgern daraus, dass der Rückstand der Kleinstbetriebe wachsen dürfte.

Print gleichauf mit Social-Media-Werbung

Das Whitepaper zur Studie zeigt auch, welche Kanäle KMU generell nutzen. An der Spitze stehen die eigene Website mit 69 Prozent und Mund-zu-Mund-Propaganda mit 63 Prozent. Es folgen Social-Media-Posts und Newsletter mit je 34 Prozent, Suchmaschinenoptimierung mit 28 Prozent und das Google-Unternehmensprofil mit 20 Prozent. Print-Werbung, Social-Media-Werbung und Online-Verzeichnisse liegen mit je 18 Prozent gleichauf. Radio-, TV- und Kinowerbung nutzen 3 Prozent. 11 Prozent betreiben überhaupt kein Marketing.

KI als eigene Massnahme ist in diesem Mix kaum vertreten: 7 Prozent optimieren ihre Inhalte für KI-Suchen, 3 Prozent werben in KI-Assistenten. Beide liegen im hinteren Drittel der 18 abgefragten Massnahmen. Die KMU nutzen KI damit vor allem als Werkzeug, etwa für Texte und Bilder. Deutlich seltener kümmern sie sich darum, wie sie selbst in KI-Anwendungen vorkommen, heisst es im Whitepaper.

«Schweizer KMU sind im KI-Zeitalter noch nicht angekommen. Doch der Zug ins KI-Zeitalter ist noch nicht abgefahren», lässt sich Irène Dumas, CMO von Localsearch, zitieren. Das Unternehmen, das unter anderem die Plattformen Local.ch und Search.ch betreibt, verkauft KMU selbst Produkte für die digitale Sichtbarkeit. (pd/cbe)


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KOMMENTARE

Max Röthlisberger
03.10.2026 08:44 Uhr
@Madeleine Andermatt. "Kaum vorstellbar" kommt immer darauf an, wo man im ganzen Universum steht. Fast alle meiner sehr erfolgreichen Handwerkerkollegen und Familienmitglieder haben inzwischen ihre Homepage abgestellt oder nur noch eine Standseite. Das ganze "Digital" ist im Wege und ein enormer Zeitfresser. Warum kommt die Offerte nicht? Haben Sie mein Mail gelesen und so weiter. Meine Elektriker haben Termine bis im 2027, meine Maurer kommen vor März 2027 nicht mal schauen für eine Offerte und mein Zimmermann nimmt vor 2029 keine neuen Aufträge für An/Um- und/oder Ausbau an. Es funktioniert so: Auf Grund der geleisteten Arbeit eilt meinen Kollegen ihr Ruf voraus, sie gehen zum Kunden, der angerufen hat, sehen sich die Sache an, machen die mündliche Offerte vor Ort und sagen wann sie frühstens anfangen können. Ausgebucht! Jedes Jahr tiefschwarze Zahlen!
Madeleine Andermatt
25.09.2026 13:38 Uhr
Krasses Ergebnis, auch wenn die Stichprobe nicht sehr hoch ist. Nicht nur, dass die KMU «im KI-Zeitalter noch nicht angekommen (sind)»: Es scheint ihnen schlicht noch zu gut zu gehen, als dass sie derart viele Massnahmen vernachlässigen oder ignorieren. Allein schon die Diskrepanz zwischen Website (69 %) und SEO (28 %) verwundert stark. Gerade als Mikrounternehmen kann man nicht alles können oder selbst machen; aber man sollte schon wissen, was zu tun wäre. Und Google Maps ist, wenn man denn irgendwo beginnen wollte, schnell einzurichten und kostenlos. Und: Die Vorstellung, dass 11 % «keine Marketingmassnahmen» ergreifen und somit – kaum vorstellbar – auch keine «Mund-zu-Mund-Propaganda» betreiben: Wie kommen diese Firmen zu Neukunden? Stehen die plötzlich einfach in der Tür und vergeben einen Auftrag?