Max Buder*, nach acht Jahren bei Ringier haben Sie sich entschieden, das Unternehmen im Sommer zu verlassen. Was sind die Gründe?
Nach über acht intensiven und prägenden Jahren ist der persönliche Wunsch gewachsen, noch einmal etwas Neues auszuprobieren und den eigenen Horizont zu erweitern. Dieser Entscheid ist mir alles andere als leichtgefallen, gerade weil ich mich bei Ringier immer sehr wohl gefühlt habe. Wir haben in den letzten Jahren gemeinsam viel aufgebaut, bewegt und erreicht. Ich gehe mit grosser Dankbarkeit – für das Vertrauen seitens der Geschäftsleitung, für die unternehmerischen Freiheiten und vor allem für die vielen grossartigen Menschen, mit denen ich arbeiten durfte. Ringier ist ein besonderes Familienunternehmen mit starken Werten, das mich geprägt hat. Genau diese Erfahrungen nehme ich in mein nächstes Kapitel mit.
Sie waren massgeblich am Aufbau von Blick Romandie beteiligt. Der Titel feiert im Juni seinen fünften Geburtstag. Wie zufrieden sind Sie mit der Entwicklung?
Sehr zufrieden. Wir sind spät gestartet – eigentlich als Letztes aller grossen Medienhäuser. Wir mussten uns Relevanz in einem Markt erarbeiten, der nicht unbedingt auf uns gewartet hat. Das hat länger gedauert als gedacht, aber es hat enorm viel Spass gemacht, und das heutige Ergebnis gibt uns recht. Ein Produkt von Grund auf aufzubauen bringt eine Dynamik mit sich, die man sonst eher aus Start-ups kennt – mit kurzen Entscheidungswegen. Und noch wichtiger: Es ist ein Team entstanden, das mutig, schnell und sehr eigenständig arbeitet.
«Blick Romandie ist in besten Händen»
Sie waren geschäftlich wie inhaltlich für den Standort verantwortlich. Wer übernimmt ab Sommer die Zuständigkeiten?
Die Verantwortlichkeiten werden künftig noch stärker entlang unserer Gesamtstruktur organisiert. Sandro Inguscio übernimmt als Chief Digital Officer die übergeordnete Verantwortung für die Bereiche Digital und Distribution, während Manon Bornand weiterhin die Leitung in der Romandie innehat. Die redaktionellen Einheiten unter Claude Ansermoz berichten direkt an Ladina Heimgartner. Das ist eine schlüssige Lösung, weil sie bestehende Stärken nutzt und gleichzeitig Klarheit in den Verantwortlichkeiten schafft. Blick Romandie ist in besten Händen.
Was waren weitere Highlights der vergangenen acht Jahre?
Auch wenn es pathetisch klingt: Das grösste Highlight sind für mich die Menschen und Begegnungen innerhalb von Ringier. Ich habe selten ein Umfeld erlebt, das so unternehmerisch denkt, so mutig ist und gleichzeitig von so viel Vertrauen geprägt wird. Wir konnten Dinge ausprobieren, auch solche, bei denen anfangs nicht klar war, ob sie zum Fliegen kommen. Inhaltlich standen neue Erlösmodelle wie Blick+, Partnerschaften und Events im Zentrum – besonders sichtbar im intensiven Jahr 2025 mit Highlights wie der Livesystems-Partnerschaft, der WEURO 25, dem ESAF und dem ESC. Dazu kamen der Ausbau der kommerziellen Organisation und die Integration von Ringier und Ringier Axel Springer Schweiz.
Sie sind noch bis Sommer im Amt. Was planen Sie danach?
Wenn ich heute schon wüsste, was als nächstes kommt, wäre der Schritt wohl nicht ganz konsequent von mir. Ja, ich habe ins Blaue gekündigt – aber diese Zeit möchte ich nutzen, um zu schauen. Ich freue mich fast ein bisschen auf diese bewusste Unsicherheit. Ich habe seit dem Studium durchgehend gearbeitet und fühle mich jetzt mit 34 noch sehr offen, geografisch wie inhaltlich. Ein Schritt ins Ausland ist genauso denkbar wie ein Branchenwechsel oder eine neue unternehmerische Aufgabe. Was mir wichtig ist: wieder in einem Umfeld zu arbeiten, das Gestaltungsspielraum bietet und in dem man Dinge wirklich bewegen kann. Oder frei nach Franz Beckenbauer: Schaun mer mal.
* Max Buder kam 2018 zu Ringier und war zunächst in der Blick-Gruppe tätig. 2021 wurde er in die Geschäftsleitung berufen, seit November 2023 verantwortet er als Chief Commercial Officer (CCO) die kommerzielle Steuerung von Ringier Medien Schweiz (persoenlich.com berichtete). Bis Sommer 2026 bleibt er in seiner Rolle und begleitet den Übergang.

