Herr Schögel, Sie sind neuer Präsident der gfm, des prestigeträchtigsten Marketingverbandes der Schweiz. Was sehen Sie als die grösste Herausforderung Ihrer neuen Tätigkeit?
Die grösste Herausforderung – und zugleich Chance – liegt darin, Marketing weiterhin und nachhaltig als wichtigste Führungs- und Gestaltungsdisziplin zu verstehen. Märkte entwickeln sich rasant, Kundenerwartungen steigen, technologische Möglichkeiten nehmen zu. Führungskräfte brauchen heute eine klare marktorientierte Perspektive, um in dieser Dynamik tragfähige Entscheidungen zu treffen. Genau hier kann die gfm Orientierung bieten und Marketing als unternehmerische Grundhaltung stärken.
Wo möchten Sie die gfm hinführen?
Ich möchte die gfm als führende Plattform für marktorientierte Führungskräfte positionieren – unabhängig von Branche oder Unternehmensgrösse. Nicht als Verband nur für Marketingverantwortliche, sondern als Netzwerk für CxOs, die Markt, Kunde und Wertschöpfung ganzheitlich denken. Die gfm soll Inspiration, Einordnung und Austausch auf Augenhöhe ermöglichen und damit auch neue Zielgruppen ansprechen und gewinnen.
«Die akademische Perspektive liefert Einordnung und gesicherte Sichtweisen»
Was sind die Höhepunkte dieses Jahres?
Ein zentraler Höhepunkt ist die gfm-Trendtagung. Sie steht exemplarisch für unseren Anspruch, Führungskräften einen kompakten, aber substanziellen Überblick über relevante Entwicklungen im Marketing zu geben – kombiniert mit Raum für Dialog und persönlichen Austausch. Daneben entwickeln wir unsere Formate gezielt weiter, um strategische Themen wie Customer Experience, KI oder Markenführung aus einer Führungs- und Entscheidungsperspektive zu diskutieren.
Ihr Vorgänger Dominique von Matt kam aus der Privatwirtschaft, Sie kommen aus der Academia. Hat man da eine andere Sicht auf Marketing?
Die Perspektiven unterscheiden sich nicht wirklich. Gemäss meiner Erfahrung mit Führungskräften an der Universität St. Gallen benötigt die Realität der Unternehmen Entscheidungsnähe und Erfahrung, die akademische Perspektive liefert Einordnung und gesicherte Sichtweisen. Für Führungskräfte entstehen daraus ein reflektierter Blick und ein breiterer Zugang – sie erkennen nicht nur, was funktioniert, sondern auch, warum und wie es funktioniert. Mein Ziel ist, diese Perspektiven zu integrieren und für Führungskräfte nutzbar zu machen.
«Technisch war es nie einfacher, Sichtbarkeit zu erzeugen. Entscheidend ist jedoch Relevanz»
Ziel einer Marketingmassnahme ist die Bekanntmachung eines Produkts. Ist dies in der heutigen medialisierten Zeit schwieriger oder einfacher geworden?
Technisch war es eigentlich nie einfacher, Sichtbarkeit zu erzeugen. Entscheidend ist jedoch, Relevanz und Bedeutung aufzubauen. Aufmerksamkeit allein reicht nicht – wirksames Marketing entsteht dort, wo Unternehmen konsistent, glaubwürdig und kundenorientiert auftreten. Für Führungskräfte heisst das: Marketing ist Ausdruck strategischer Klarheit, nicht nur eine Sammlung einzelner Massnahmen.
Wie beurteilen Sie die Möglichkeiten von KI im Marketing?
KI bietet grosse Chancen, Marketing effizienter, präziser und kundenzentrierter zu gestalten. Sie unterstützt Analyse, Personalisierung und Entscheidungsfindung. Entscheidend ist, dass KI konzeptionell eingebettet wird. Dann wird sie zu einem echten Enabler für Führungskräfte – nicht als Ersatz für Entscheidungen, sondern als intelligente Unterstützung. Führungskräfte müssen heute Technologien wie KI als Kooperationspartner verstehen und nutzen. KI ist sozusagen «der Neue im Team».
Worauf freuen Sie sich in diesem Jahr am meisten?
Ich freue mich auf den Austausch mit engagierten Führungskräften und auf die Diskussionen, die dabei entstehen. Wenn es uns gelingt, marktorientiertes Denken weiter zu stärken und die gfm als relevante Plattform für CxOs weiterzuentwickeln, dann ist viel erreicht.
Das ausführliche Interview mit Marcus Schögel ist in der persönlich-Printausgabe vom Januar/Februar erschienen.

