15.07.2026

Tsüri.ch

Vom Merch-Sorgenkind zur eigenen Coop-Ecke

Tsüri-Shirts, Hoodies, Badetüechli und Foulards sind ab sofort im Coop City im St. Annahof an der Zürcher Bahnhofstrasse erhältlich – weitere Standorte sollen folgen. Gegenüber persoenlich.com ordnet Chefredaktor Simon Jacoby ein, was hinter dem Merchandising-Erfolg steckt.
Tsüri.ch: Vom Merch-Sorgenkind zur eigenen Coop-Ecke
Der Tsüri-Shop-in-Shop im Coop City St. Annahof an der Zürcher Bahnhofstrasse: Neben Shirts und Hoodies gehören auch Badetüechli und Sommer-Accessoires zum Sortiment. (Bilder: Anna Shao/Tsüri.ch)

Am Mittwoch machte Simon Jacoby den Deal mit Coop auf LinkedIn öffentlich. Noch vor wenigen Jahren habe der Merch-Verkauf des Zürcher Lokalmediums Tsüri.ch kurz vor dem Aus gestanden, schreibt Jacoby: Der Aufwand sei gross, der Ertrag klein gewesen. Mit einer eigenen Versandstation im Büro, einem breiteren Sortiment und regelmässigen Produkt-Drops hat die Redaktion den Turnaround geschafft. «Die Versandstation steigerte die Effizienz, um überhaupt grössere Mengen versenden zu können», so Simon Jacoby, Chefredaktor von Tsüri.ch, auf Anfrage von persoenlich.com. Dazu kamen mehr kommunikative Möglichkeiten durch neue Produkte sowie ein professionelles E-Mail-Marketing für Käuferinnen und Käufer. Kurz: «Ein professionelles Setup für einen Onlineshop.»

Möglich wurde die Präsenz im grössten Detailhandelskonzern der Schweiz, weil Coop City St. Annahof von sich aus auf Tsüri zukam. Nach dem St. Annahof sollen laut Jacoby auch die Standorte Oerlikon, Bellevue und Sihlcity folgen. «Wir wurden von Coop City St. Annahof kontaktiert, was eine riesige Ehre ist», so Jacoby. Eigene Vorarbeit für den Deal habe es keine gegeben – «wir haben gar nicht daran gedacht, dass das eine Möglichkeit wäre».

Trotz der prominenten Platzierung bleibt Merchandising für Tsüri.ch ein Nebenschauplatz im Budget: Bei einem Jahresbudget von 1,6 Millionen Franken entfallen 600'000 Franken auf Werbung und 500'000 Franken auf Mitgliedschaften. «Der Merch ist ein wichtiges Puzzleteil», sagt Jacoby, «aber Werbung und Member sind deutlich wichtiger.» Wichtiger als der reine Umsatz sei ohnehin ein anderer Effekt: «Merch ist mega toll, weil es auch Sichtbarkeit in der Stadt gibt.»

Diese Doppelfunktion zeigt sich auch bei der Kundschaft. Nicht alle, die ein Tsüri-Shirt tragen, kennen die journalistischen Inhalte dahinter. «Es gibt tatsächlich Leute, die uns einfach von Insta kennen und meinen, wir seien eine Modemarke», so Jacoby zu persoenlich.com. Die meisten würden die Verbindung zum Medium aber verstehen. Genau das mache die Marke stark: «Er funktioniert auch alleine, und unsere treuen Fans können damit durch die Stadt spazieren.»

Einen Zielkonflikt zwischen dem Coop-Deal und der eigentlichen Aufgabe – der Finanzierung von Lokaljournalismus – sieht Jacoby nicht. Der Verkauf über den Grossverteiler bringe zusätzliche Einnahmen und stärke gleichzeitig die Marke. «Merch-Produkte sind nicht nur Einnahmequelle, sondern auch Marketing, weil diese dann in der Stadt sichtbar sind.» Am meisten profitiert der Journalismus laut Tsüri.ch trotzdem vom eigenen Onlineshop, wo die volle Marge direkt in die Redaktion fliesst.


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