02.07.2026

Neuromarketing

Wie Markennamen klanglich wirken

Coca-Cola wirkt edel, Sprite kraftvoll, Fanta sympathisch: Eine neue Fallstudie der Beratung Zutt & Partner ordnet acht Getränkenamen anhand ihrer Lautstruktur unterschiedlichen Wirkungsdimensionen zu.

Bereits der Klang eines Wortes löse Assoziationen wie hochwertig, vertrauenswürdig oder dynamisch aus, lange bevor Design oder Werbung eine Rolle spielten. Zu diesem Schluss kommt die Studie, die mit dem hauseigenen Tool «EmoCheck Phonetics» erstellt wurde.

Als wissenschaftliche Grundlage nennt das Unternehmen den sogenannten Bouba-Kiki-Effekt, ein seit Jahrzehnten untersuchtes Phänomen der Sprachpsychologie, wonach Menschen unabhängig von Sprache und Kultur bestimmten Lautfolgen runde oder spitze Formen zuordnen. «Laute tragen emotionale Bedeutung in sich», heisst es dazu in einer Mitteilung. Weiche, fliessende Lautfolgen würden häufig als hochwertig oder harmonisch wahrgenommen, kürzere und härtere Laute eher mit Dynamik oder Durchsetzungskraft in Verbindung gebracht.

Zutt & Partner ordnet die acht analysierten Getränkenamen den Dimensionen edel, freundlich, vertrauenswürdig, kraftvoll und erfrischend zu. Coca-Cola erreiche den höchsten Wert bei Edelkeit, «über die Hälfte der emotionalen Wirkung» entfalle laut Studie auf diese Dimension. Sprite falle stärker in die Kategorien Power und Erfrischung, Fanta erziele den höchsten Freundlichkeitswert. Bei Rivella und El Tony kombinierten sich laut Auswertung die Dimensionen Vertrauen und Edelkeit, Nestea steche bei Vertrauen hervor, Fizzy bei Erfrischung. Sinalco erreiche mit 31 Prozent Freundlichkeit, 29 Prozent Erfrischung und 25,5 Prozent Edelkeit Werte in mehreren Dimensionen gleichzeitig.

Wie die einzelnen Prozentwerte methodisch zustande kommen, führt die Mitteilung nicht aus. Als Grundlage nennt das Unternehmen «über Jahre aufgebaute Emotionsdatenbanken und Naming-Analysen». Ergänzend bietet die Unternehmensberatung für Neuromarketing ein Online-Quiz an, in dem Nutzerinnen und Nutzer fiktive Markennamen nach ihrer Wirkung einschätzen können. (pd/cbe)


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KOMMENTARE

Klaus Petersberger
03.07.2026 15:46 Uhr
Sehe ich auch so. Es wirkt mehr wie eine hübsche PR-Aktion oder bestenfalls ein Denkanstoß. Als Beweis, dass diese Getränkenamen objektiv so wirken, nicht wirklich und als wissenschaftlich validiertes Naming-Modell nicht öffentlich ausreichend belegt. Bei etablierten Marken wie Coca-Cola, Sprite, Fanta oder Mercedes misst man nie nur Klang, das funktioniert nicht. Man muss immer auch Bekanntheit, Design, Werbung, Produkt- und Markenerfahrung mit messen, wenn das überhaupt zu messen ist. Um den reinen Namenseffekt zu isolieren, müsste man mit unbekannten oder künstlichen Namen testen, Markenkontext ausblenden und Vergleichsgruppen bilden. Klang ist ein relevanter Baustein, aber kein Wirkungsnachweis.
Philipp Eggenberger
03.07.2026 13:15 Uhr
Mich würde die Methodik hinter den Prozentwerten interessieren: Wie werden die fünf Dimensionen theoretisch begründet, operationalisiert und empirisch validiert? Gerade diese Transparenz würde den wissenschaftlichen Anspruch des Modells deutlich stärken. Was ich persönlich als kritisch erachte: Der Bouba-Kiki-Effekt erklärt klangliche Assoziationen – nicht die Wirkung einer Marke. Markenwirkung entsteht aus dem Zusammenspiel von Klang, Bedeutung, visueller Identität, Kommunikation und Erfahrung. Wir lernen Marken über Jahre hinweg. Bei «Mercedes» denken wir heute nicht an einen weiblichen Vornamen, sondern an eine Premium-Automobilmarke. Die Assoziationen, die wir abrufen, stammen aus der über Jahrzehnte aufgebauten Markenbedeutung, nicht aus dem isolierten Klang des Namens.
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