Michael, das Stapferhaus ist in diesem Jahr Gastgeber für die Kulturfundraising-Tagung. Was bedeutet das für euer Haus?
Wir freuen uns sehr, dass ihr uns angefragt habt. Das Stapferhaus ist ein Ort des Dialogs. Mit unseren Ausstellungen, Vermittlungsformaten und Veranstaltungen möchten wir Besucher:innen ins Gespräch bringen und dazu animieren, öfters mal die Perspektive zu wechseln und eigene Positionen zu hinterfragen. Gerade in Zeiten, in denen eine funktionierende Demokratie nicht mehr als selbstverständlich gilt, ist es wichtig, unsere Dialogmuskeln regelmässig zu trainieren. Die Kultur spielt dabei eine zentrale Rolle. Sie fördert kritisches Denken und schafft Räume für Austausch. Insofern passt es hervorragend, sich bei uns zu treffen, um gemeinsam über Fragen rund um Kultur und deren Finanzierung zu diskutieren.
Du hast vor einiger Zeit aus dem Fundraising in einem renommierten Kunstmuseum in eine Führungsposition im Stapferhaus gewechselt. Vermisst du die Fundraising-Aufgaben von früher, oder spielt Fundraising auch in deiner neuen Funktion eine Rolle?
Wir sprechen eher von Partnerschaften als von Fundraising. Denn es geht darum, Partner zu finden, die unsere Mission für wichtig halten und bereit sind, gemeinsam mit uns darin zu investieren, um mehr Wirkung zu entfalten. So betrachtet, sind Partnerschaften von höchster strategischer Relevanz und selbstverständlich eine Aufgabe, für die wir uns als Co-Leitung verantwortlich fühlen. In meinen früheren Positionen hatte ich das Glück, in wichtigen Organisationen und mit grossartigen Personen zusammenarbeiten zu können, von denen ich sehr viel gelernt habe. Sehr vieles davon kann ich in meiner jetzigen Tätigkeit einbringen.
Wie ist das Fundraising beim Stapferhaus organisiert, und was sind die Schwerpunkte in eurem Fundraising?
Wir verfolgen einen partnerschaftlichen Approach. Natürlich leisten Partner einen Beitrag zur Finanzierung unserer Mission. Aber sie helfen uns darüber hinaus, indem sie ein neues Publikum zu uns bringen, generell unsere Reichweite und unsere Vernetzung stärken. Entsprechend gehen wir individuell auf unsere Partner zu und versuchen in jeder Partnerschaft herauszuarbeiten, wofür wir gemeinsam stehen und was wir füreinander tun können. Wir haben einen realistischen Blick darauf, was Partner bei uns erhalten. Wenn ein Sponsor zum Beispiel vor allem Sichtbarkeit sucht, ist er bei anderen Veranstaltern sicher besser aufgehoben. Aber wir haben spannende Inhalte am Puls der Zeit, und wir wissen, wie man sie vermittelt, um ein breites Publikum abzuholen.
Die Erfahrung zeigt, dass Fundraising-Verantwortliche nicht sehr oft in Führungspositionen in Kulturinstitutionen wechseln. Stimmt dieser Eindruck, und was könnten Gründe dafür sein?
Spontan fallen mir einige Kolleg:innen ein, die heute kaufmännische oder Gesamtleitungen innehaben und zuvor im Fundraising tätig waren. Gerade für eine kaufmännische Leitung liegt der Weg über das Fundraising oder das Marketing nahe. In diesen Bereichen setzt man sich auch mit Fragen zum Publikum, zum Branding oder zur Finanzierung auseinander und bringt damit viel an strategischem und vernetztem Denken mit.
Wie bist du selbst ins Fundraising gekommen, und was hast du daraus für die Führungsaufgabe «mitgenommen»?
Über Partnerschaften. Ich habe an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Nachhaltigkeit gearbeitet und bin so zu einer Umweltorganisation gekommen, bei der ich Partnerschaften mit Unternehmen entwickelte. Das Ziel war, eine gemeinsame Umweltwirkung zu erreichen. Die finanzielle Gegenleistung war ein Aspekt in den Verhandlungen und im Design der Partnerschaften. Im Fundraising und im Sponsoring lernt man, zu verhandeln. Und man ist an den Schnittstellen zu Marketing und Branding, zur Kommunikation und zu den Finanzen. Alles Bereiche, die in meiner aktuellen Leitungsaufgabe eine grosse Rolle spielen. Und nicht zuletzt muss man im Fundraising viel Druck aushalten und mit Misserfolgen umgehen. Es hilft mir heute, dass ich das schon etwas üben konnte.
Du selbst wirst ein Referat an der Tagung halten. Was für Impulse dürfen sich die Teilnehmenden davon erhoffen?
Zuerst können alle Teilnehmenden «Hauptsache gesund. Eine Ausstellung mit Nebenwirkungen» besuchen. Danach gibt es garantiert schon viele Themen für gute Gespräche. In meinem persönlichen Beitrag werde ich näher auf die strategische Bedeutung von Partnerschaften für das ganze Haus eingehen. Ich habe es vorhin erwähnt: Bei gelungenen Partnerschaften erhalten wir nicht nur einen finanziellen Beitrag, sondern verfolgen gemeinsam die Mission, ein brennendes Thema wie Gesundheit mit allen Mitteln der Kunst für den Dialog in einer breiten Bevölkerung zugänglich zu machen.


