21.10.2026

Teleblocher

1000. Sendung läuft am Freitag

Seit 19 Jahren zeichnen Christoph Blocher und Matthias Ackeret ihr wöchentliches Gespräch in Herrliberg ohne Schnitt und ohne Absprachen auf. Ein Ende ist für den 86-jährigen alt Bundesrat nicht absehbar.
Teleblocher: 1000. Sendung läuft am Freitag
Das Gespräch für die erste Folge von Teleblocher führten Christoph Blocher und Matthias Ackeret noch im Stehen. (Bild: Screenshot Schaffhauser Fernsehen)

Am 14. September 2007 lief die erste Folge von Teleblocher. Christoph Blocher war damals Bundesrat, drei Monate später verlor er sein Amt an Eveline Widmer-Schlumpf. Die Idee zum Format stammte von Norbert Neininger, damals Chef des Medienhauses Meier und Chefredaktor der Schaffhauser Nachrichten. Inspiriert hatten ihn die wöchentlichen Kommentare von Walther Bringolf auf Radio Beromünster während des Zweiten Weltkriegs.

Auf Neiningers Anfrage antwortete Blocher zunächst: «Das luegt doch niemert.» Vereinbart wurde schliesslich ein Versuch von einem Jahr. Moderator wurde Matthias Ackeret, der ein Jahr zuvor im Meier-Verlag das Buch «Das Blocher-Prinzip» veröffentlicht hatte. Am 2. August 2007 fuhr er mit Neininger nach Herrliberg. Dort stellte Blocher drei Bedingungen: Aufnahme am Freitagmorgen um 7 Uhr ohne Absprache, kein Schnitt und kein Pressesprecher. Seither sind Blocher und Ackeret jeweils zu dritt, mit Kameramann Claudio Ferrari.

Der Start löste heftige Reaktionen aus. Ueli Haldimann nannte Ackeret nach der ersten Ausgabe ein «Blocher-Groupie». Medienminister Moritz Leuenberger liess ein Gutachten erstellen. Dieses kam zum Schluss, ein Verbot sei nicht ohne Weiteres möglich. Medienrechtler Peter Studer, damals Präsident des Presserats, verglich Blocher mit Berlusconi.

Am Freitag, 23. Oktober, wird nun die 1000. Folge ausgestrahlt. Vor dem Jubiläum haben die Schaffhauser Nachrichten am Mittwoch ein Doppelinterview mit Blocher und Ackeret veröffentlicht. Darin sagt Blocher, die Sendung gehe zu Ende, wenn er sterbe oder wenn sich niemand mehr dafür interessiere. Den richtigen Zeitpunkt könne er nicht selbst bestimmen, im Alter gehe die Fähigkeit zur Selbstkritik verloren. Hören würde er auf seine Frau, zudem würden die Abrufzahlen zeigen, wenn es langweilig werde. Auf die Frage, wann es so weit sei, antwortete er: «Ich weiss es auch nicht – aber hüt emel nöd!»

Die Themen setzt Ackeret, Blocher kennt sie vor der Aufnahme nicht. Tabus gebe es von seiner Seite keine, sagt der alt Bundesrat. Am meisten Freude bereitete ihm nach eigenen Angaben eine Folge, in der während der Aufnahme sein iPhone klingelte und Siri sich einschaltete. Weil nicht geschnitten wird, war auch diese Szene zu sehen. Laut Ackerets eigener Statistik liefert mindestens jede vierte Folge eine Aussage, welche die wichtigsten Schweizer Medien aufgreifen.

Den Vorwurf, er frage zu wenig kritisch nach, weist Ackeret zurück. Er stelle die Fragen, die man stellen müsse. Gemessen wird der Erfolg an den Abrufen auf Youtube, die Blocher nach eigenen Angaben fast jedes Mal kontrolliert. Ausgestrahlt wird Teleblocher zudem auf Schaffhauser Fernsehen.

Blocher kennt Ackeret seit über drei Jahrzehnten, beide sind in Laufen-Uhwiesen aufgewachsen. Als Freund bezeichnet er ihn nicht. «Unsere Funktionen definieren unser Verhältnis», sagt Blocher. Er schätze Ackeret aber als seriösen und kompetenten Journalisten.

(Matthias Ackeret ist Verleger und Chefredaktor von persoenlich.com.)


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