23.09.2026

Ringier

14 Stellen fallen in der Romandie weg

Das Medienhaus baut am Standort Lausanne ab, sechs der betroffenen Stellen sind redaktionelle. Beinahe jeder fünfte Arbeitsplatz fällt weg. Zudem verlässt Thierry Vial, Chefredaktor des Wirtschaftsmagazins PME, das Unternehmen. Seine Nachfolge ist noch offen.
Ringier: 14 Stellen fallen in der Romandie weg
Thierry Vial leitet PME seit 2015 und will in den kommenden Monaten eine geordnete Übergabe sicherstellen. (Bild: zVg, Bearbeitung: claude.ai)

Ringier Medien Schweiz (RMS) passt die Organisation in der Westschweiz an. Als Grund nennt das Unternehmen ein Ungleichgewicht zwischen Betriebskosten und Erträgen. Die Einnahmen aus dem Print- und Werbegeschäft stünden unter Druck, heisst es in einer Mitteilung vom Mittwoch. Konkrete Zahlen nennt RMS nicht. Die digitalen Angebote entwickelten sich hingegen «sehr erfreulich», an den Westschweizer Marken halte man fest.

Künftig sollen die Redaktionen aus der West- und der Deutschschweiz enger zusammenarbeiten und gemeinsame Technologien und Infrastrukturen nutzen. Ziel sei ein schnellerer Austausch von Inhalten und Recherchen in beide Richtungen. Im Frühling 2024 hatte RMS die Westschweizer Redaktionen von Blick, L’Illustré, PME und GaultMillau in der Einheit Ringier Médias Suisse romande zusammengeführt (persoenlich.com berichtete).

Syndicom und Impressum verlangen Marschhalt

Der aktuelle Umbau führt zum Abbau von 14 Stellen, darunter sechs Journalistinnen und Journalisten. Betroffen sind laut der Nachrichtenagentur Keystone-SDA die Westschweizer Ausgabe von Blick.ch sowie L'illustré und PME. Für die Betroffenen kommen der Ringier-Sozialplan sowie individuelle Massnahmen zur Anwendung. 

«Sich von engagierten Kolleginnen und Kollegen trennen zu müssen, ist schmerzhaft», lässt sich CEO Ladina Heimgartner in der Mitteilung zitieren. Durch die Zusammenarbeit über die Sprachgrenzen hinweg erreiche man «die notwendigen Einsparungen» und sichere zugleich eine eigenständige Stimme der Medien in der Romandie.

Kritik kommt von der Gewerkschaft Syndicom und dem Berufsverband Impressum. Nach ihren Angaben fallen 14 von 74 Stellen weg, also fast jede fünfte. In einer gemeinsamen Mitteilung fordern die Verbände einen Marschhalt und die Eröffnung eines Konsultationsverfahrens, wie es das Gesetz bei Massenentlassungen vorsieht. «Ringier muss mit den Mitarbeitenden und Sozialpartnern nach Alternativen zu Entlassungen suchen», lässt sich Syndicom-Vizepräsidentin Stephanie Vonarburg zitieren. Die Verbände erklären sich bereit, mit der Geschäftsleitung zu verhandeln.

Ringier weist die Forderung zurück. Die gesetzlichen Voraussetzungen für ein Konsultationsverfahren seien nicht erfüllt, schreibt Kommunikationschefin Johanna Walser in einer Stellungnahme gegenüber persoenlich.com. Die Redaktionen in der Romandie seien kein eigenständiger Betrieb, sondern Teil von Ringier Medien Schweiz und damit der Ringier AG. «Wer öffentlich eine gesetzliche Pflicht behauptet, sollte die gesetzlichen und faktischen Grundlagen kennen», so Walser. Ringier habe die Verbände bereits kontaktiert und auf die aus seiner Sicht falsche Darstellung hingewiesen.

Wechsel an der Spitze von PME

Beim Wirtschaftsmagazin PME kommt es zu einem personellen Wechsel. Thierry Vial leitet den Titel seit 2015. Laut Mitteilung hat er sich entschieden, das Unternehmen zu verlassen. Er wolle sich «neuen beruflichen Abenteuern» zuwenden und in den kommenden Monaten eine geordnete Übergabe sicherstellen, wird Vial zitiert. Über seine Nachfolge soll in den nächsten Wochen entschieden werden.

Vials Abgang folgt auf einen Umbau der Führungsstruktur in der Westschweiz. Seit Anfang 2026 führen Claude Ansermoz und Manon Bornand RMS Romandie als Co-Heads. Sie übernahmen von Thomas Deléchat, der das Unternehmen nach einer Übergangsphase im Frühjahr auf eigenen Wunsch verliess. Ansermoz trägt als Chefredaktor die redaktionelle Verantwortung für die Westschweizer Titel, darunter PME. Bornand verantwortet Digital und Marketing. 

Parallel dazu wird PME inhaltlich neu ausgerichtet. Der Fokus auf die Westschweizer Wirtschaft bleibt, globale Themen wie Konsumentenverhalten, Gesundheit oder künstliche Intelligenz sollen jedoch stärker einfliessen. Zudem soll das Magazin enger mit anderen RMS-Titeln zusammenarbeiten, insbesondere mit den Wirtschaftsmedien. PME erscheint weiterhin monatlich.

Ansermoz verweist in der Mitteilung auf das Wachstum von Blick Romandie als Beleg dafür, dass das Modell der sprachübergreifenden Zusammenarbeit funktioniere. Die eigene Identität werde dadurch nicht verwischt. Bornand spricht von «schwierigen Abgängen». Sie hält fest: «Wir schrauben unsere Ziele für die Romandie nicht zurück, sondern richten sie neu aus.» (pd/cbe)


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