20.10.2026

Tamedia

400 Personen protestieren gegen Abbau

Mit den Tamedia-Angestellten zeigten sich Leserschaft, Politiker und Journalistinnen aus anderen Medien solidarisch. Trotz Mobilisierung geht die Geschäftsleitung auf die Forderungen der Belegschaft nicht ein.
Tamedia: 400 Personen protestieren gegen Abbau
Die Belegschaft forterte mit ihrer Aktion einen Entlassungsstopp, eine Konsultation und Konsequenzen für die Geschäftsleitung. (Bilder: Keystone/Michael Schmid)

Um 12 Uhr am Dienstag war der Platz vor dem Hauptsitz der TX-Group in Zürich, zu der Tamedia gehört, voller Menschen. Gegen 400 Personen – wie persoenlich.com vor Ort schätzte – versammelten sich zum Protest gegen den erneuten Abbau der Redaktionen. Auf Schildern wurde unter anderem «Journalismus statt KI» gefordert. Zur Aktion hatten die Deutschschweizer Redaktionen am Freitag aufgerufen (persoenlich.com berichtete) – unabhängig von ihrer Personalkommission. Sie forderten einen sofortigen Kündigungsstopp und ein Konsultationsverfahren. Der Protest richtet sich gegen den Abbau, den Tamedia am 5. Oktober angekündigt hat und der 41 Mitarbeitenden die Stelle kostet.

«Mir möget nüm», sagte Tamedia-Redaktorin Alexandra Aregger vor den Anwesenden. Die Journalistin prangerte die ständig wechselnden Strategien der Geschäftsleitung an. «Das Vertrauen in die Geschäftsleitung ist verloren. Es soll Konsequenzen geben.»

Hans Peter Roth vom Berner Oberländer kritisierte das Mantra der GL, Journalismus solle sich selbst finanzieren. Der Konzern habe in den guten Zeiten auch vom Journalismus profitiert und in Portale investiert. «In einer Zeit, in der es schwierig ist, die Abwärtsspirale zu verlangsamen, bekommen wir keinen Rappen zurück», betonte er. 

Stadtpräsident und «Tagi-Kind»

Die Tamedia-Redaktionen der Romandie solidarisierten sich in einem Schreiben mit ihren Kolleginnen und Kollegen in Zürich. Einzelne von ihnen waren an der Kundgebung anwesend.

Unterstützt wurden die Protestierenden unter anderem vom Zürcher Stadtpräsidenten Raphael Golta (SP). In seiner Ansprache bezeichnete er sich als «Tagi-Kind», das auch heute noch jeden Morgen in dieser Zeitung lese, was in der Welt passiert. Golta, der früher ebenfalls als Journalist arbeitete, betonte, er wolle weiterhin von lokalen Medienschaffenden produzierte Texte lesen und nicht solche von KI-Agenten. Auch die SP-Nationalräte Jaqueline Badran und Cédric Wermuth waren anwesend.

Mit einer solchen Mobilisierung habe er schon gerechnet, sagte Tamedia-Kommunikationschef Edi Estermann gegenüber persoenlich.com. «Es ist ein wichtiges Anliegen. Und ich verstehe den Ärger und den Frust der Menschen. Es geht nicht nur um Stellen, es geht um Menschen.»

Konsultation abgelehnt

Weniger Verständnis zeigte er für das Misstrauensvotum gegenüber der Geschäftsleitung. Der erneute Abbau sei kein Armutszeugnis für die Strategie von CEO Jessica Peppel-Schulz. «Transformation ist der neue Normalzustand für Medienhäuser. Der Medienmarkt verändert sich schneller, als wir unsere Transformation bisher vorantreiben konnten. Und dann kam noch die künstliche Intelligenz.» Es sei ein mächtiges Werkzeug, das es dosiert und umsichtig einzusetzen gelte. «Deswegen geht diese Transformation wohl weiter», so Estermann.

Die Forderung nach einer Konsultation in der Deutschschweiz findet Estermann zwar legitim, aber auch zweischneidig. «Eine Konsultation zieht den Prozess für die Betroffenen nur unangenehm in die Länge.» Man habe das Thema deshalb im Voraus mit der Personalkommission diskutiert, so der Kommchef. Am Vormittag hatte die Geschäftsleitung in einem Schreiben an die Redaktion bereits angekündigt, an ihren Massnahmen festzuhalten.


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