Seit Donnerstag lassen sich auf memobase.ch 1,5 Millionen Radio- und Fernsehsendungen aus den Archiven von SRF und RTR durchsuchen. Mehr als 650'000 Dokumente können direkt angehört oder angesehen werden; die ältesten reichen bis in die 1930er-Jahre zurück. Die Schweiz erhalte damit Zugang zu ihrem audiovisuellen Gedächtnis, schreibt die SRG in einer aktuellen Medienmtteilung. Angekündigt hatte sie einst viel mehr.
Im Oktober 2021 schrieben SRG und Memoriav, bis 2022 würden «rund vier Millionen Radio- und Fernsehsendungen» auf dem Portal zugänglich sein – sämtliche audiovisuellen Archive des Unternehmens (persoenlich.com berichtete). Recherchierbar ist heute gut ein Drittel davon, stammend aus lediglich zwei von vier Unternehmenseinheiten.
Auf Anfrage räumt die SRG ein, sich verschätzt zu haben: «Der angestrebte Zeitplan war zu sportlich.» Wegen laufender technischer Anpassungen sei die Einspeisung der Metadaten in die Plattform nicht wie gewünscht verlaufen. Zudem stecke das Unternehmen im Transformationsprozess «Enavant», der auch den Archivbereich erfasse. Erst wenn die künftige Organisationsstruktur festgelegt und umgesetzt sei, solle die Öffnung weiter vorangetrieben werden. Das erklärt allerdings nur den heutigen Stillstand, nicht die verpasste Frist: «Enavant» startete im November 2024 – knapp drei Jahre nach dem selbst gesetzten Termin.
Für die Integration der Bestände von RTS und RSI nennt die SRG kein Datum. Sie hält lediglich fest: «An einer Roadmap wird derzeit gearbeitet.» Technisch rühre die Verzögernug auch daher, dass SRF und RTR ein anderes Archivsystem nutzen als die Westschweizer und die Tessiner.
Verletzt die SRG mit ihrem Vorgehen gesetzliche Vorgaben? Seit dem 1. Juli 2016 verpflichtet Artikel 33 Absatz 2 der Radio- und Fernsehverordnung (RTVV) die SRG, ihre Sendungsarchive der Öffentlichkeit zum Eigengebrauch und zur wissenschaftlichen Nutzung zugänglich zu machen. Ob sie den Auftrag als erfüllt betrachtet, beantwortet die SRG nicht direkt. Sie verweist auf den strategischen Entscheid von 2016, die Archivöffnung primär über die Play-Plattformen der Regionaleinheiten umzusetzen, sowie auf Rechercheplätze in öffentlichen Institutionen. Memobase sei «nicht der einzige Weg, wie die SRG den gesetzlichen Auftrag erfüllt, sondern eine wichtige Ergänzung bestehender Angebote», teilt das Unternehmen mit. Auf der Website srgssr.ch beziffert die SRG den Bestand auf den Play-Websites der Regionaleinheiten auf knapp zwei Millionen Audio- und Videodokumente.
Was die regionalen Plattformen wie Play SRF oder Play RTS nicht leisten, ist die medien- und institutionsübergreifende Suche über alle Landesteile hinweg. Genau eine solche aggregierte, nationale Recherche hatten Memoriav und weitere Fachverbände bereits 2015 in der Anhörung zur RTVV-Revision gefordert. Mehr als zehn Jahre später ist man davon noch weit entfernt.
KOMMENTARE
17.08.2026 09:17 Uhr

