16.08.2026

SRG-Archive

Audiovisuelles Gedächtnis der Schweiz hat Lücken

Vor fünf Jahren kündigte die SRG an, bis 2022 seien vier Millionen Radio- und Fernsehsendungen auf dem Archivportal memobase.ch zugängilch. Jetzt sind es 1,5 Millionen – und weder RTS noch RSI sind dabei.
SRG-Archive: Audiovisuelles Gedächtnis der Schweiz hat Lücken
Über diese Suchmaske sollten irgendwann vier Millionen Radio- und Fernsehsendungen gesucht werden können. (Bild: Screenshot memobase.ch)

Seit Donnerstag lassen sich auf memobase.ch 1,5 Millionen Radio- und Fernsehsendungen aus den Archiven von SRF und RTR durchsuchen. Mehr als 650'000 Dokumente können direkt angehört oder angesehen werden; die ältesten reichen bis in die 1930er-Jahre zurück. Die Schweiz erhalte damit Zugang zu ihrem audiovisuellen Gedächtnis, schreibt die SRG in einer aktuellen Medienmtteilung. Angekündigt hatte sie einst viel mehr.

Im Oktober 2021 schrieben SRG und Memoriav, bis 2022 würden «rund vier Millionen Radio- und Fernsehsendungen» auf dem Portal zugänglich sein – sämtliche audiovisuellen Archive des Unternehmens (persoenlich.com berichtete). Recherchierbar ist heute gut ein Drittel davon, stammend aus lediglich zwei von vier Unternehmenseinheiten.

Auf Anfrage räumt die SRG ein, sich verschätzt zu haben: «Der angestrebte Zeitplan war zu sportlich.» Wegen laufender technischer Anpassungen sei die Einspeisung der Metadaten in die Plattform nicht wie gewünscht verlaufen. Zudem stecke das Unternehmen im Transformationsprozess «Enavant», der auch den Archivbereich erfasse. Erst wenn die künftige Organisationsstruktur festgelegt und umgesetzt sei, solle die Öffnung weiter vorangetrieben werden. Das erklärt allerdings nur den heutigen Stillstand, nicht die verpasste Frist: «Enavant» startete im November 2024 – knapp drei Jahre nach dem selbst gesetzten Termin.

Für die Integration der Bestände von RTS und RSI nennt die SRG kein Datum. Sie hält lediglich fest: «An einer Roadmap wird derzeit gearbeitet.» Technisch rühre die Verzögernug auch daher, dass SRF und RTR ein anderes Archivsystem nutzen als die Westschweizer und die Tessiner.

Verletzt die SRG mit ihrem Vorgehen gesetzliche Vorgaben? Seit dem 1. Juli 2016 verpflichtet Artikel 33 Absatz 2 der Radio- und Fernsehverordnung (RTVV) die SRG, ihre Sendungsarchive der Öffentlichkeit zum Eigengebrauch und zur wissenschaftlichen Nutzung zugänglich zu machen. Ob sie den Auftrag als erfüllt betrachtet, beantwortet die SRG nicht direkt. Sie verweist auf den strategischen Entscheid von 2016, die Archivöffnung primär über die Play-Plattformen der Regionaleinheiten umzusetzen, sowie auf Rechercheplätze in öffentlichen Institutionen. Memobase sei «nicht der einzige Weg, wie die SRG den gesetzlichen Auftrag erfüllt, sondern eine wichtige Ergänzung bestehender Angebote», teilt das Unternehmen mit. Auf der Website srgssr.ch beziffert die SRG den Bestand auf den Play-Websites der Regionaleinheiten auf knapp zwei Millionen Audio- und Videodokumente.

Was die regionalen Plattformen wie Play SRF oder Play RTS nicht leisten, ist die medien- und institutionsübergreifende Suche über alle Landesteile hinweg. Genau eine solche aggregierte, nationale Recherche hatten Memoriav und weitere Fachverbände bereits 2015 in der Anhörung zur RTVV-Revision gefordert. Mehr als zehn Jahre später ist man davon noch weit entfernt.


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KOMMENTARE

Urs Pfister
17.08.2026 09:17 Uhr
Ich kann dies nur bestätigen. So sehr die Bemühungen von memobase.ch zu begrüssen sind, es finden sich darin absolut keine Sendungen von RTS bzw. RTI. Memobase.ch deckt aber nur das "alltagstechnische" Filmgeshen ab. Ich habe die letzten Jahre begonnen, ein privates Scheizer Filmarchiv zu etablieren. Unter filminfo.ch finden sich aktuell über 23'000 Schweizer Filme. Zum Vergleich: Bei swissfilms.ch sind gemäss Geschäftsbericht per Jahresende 2025 13’284 Projekte erfasst, wobei davon auch nur 8’984 Online sind. Kurz und gut, gerade das Schweizer Filmschaffen wird sträflich als Kulturerbe vernachlässigt. Nachdem ich als Privatperson ein solches Archiv in den letzten paar Jahren (in meiner Freizeit!) etablieren konnte, soll mir niemand sagen, es sei nicht machbar.