08.11.2025

Eisenbahn-Revue

Bern kündigt Abo wegen Gender-Streit

Die Kantonsverwaltung hat das Abo gekündigt, weil der Chefredaktor eine Entschuldigung verweigerte.

Walter von Andrian, Chefredaktor der Eisenbahn-Revue, hatte in einem Beitrag erklärt, warum er auf geschlechtergerechte Sprache verzichtet: «Politisch gepredigte, meist sinnlose Aneinanderreihung von männlichen und weiblichen Formen belastet die Verständlichkeit der Texte stark», schrieb er laut der SonntagsZeitung. Er warf die Frage auf, ob «Doppelpunktinnen und Sterninnen den Frauen» wirklich nützen würden. Von Andrian hält sich «wie andere seriöse Medien strikt an die klassische Sprache und Schreibweise, die sich seit Jahrhunderten bewährt» hat.

Christian Aebi, Vorsteher des Amtes für öffentlichen Verkehr, zeigte sich empört. Die fachliche Schreibweise löse in ihm «Bilder einer männlichen ÖV-Welt aus, welche ich nicht kenne und welche ich als 60-jähriger Mann als diskriminierend empfinde», schrieb er in einem Brief an von Andrian. Er verlangte eine Richtigstellung und Entschuldigung, andernfalls werde der Kanton das Abo kündigen. Als diese ausblieb, kündigte er.

Von Andrian wandte sich an SVP-Regierungsrat Christoph Neuhaus, doch der verteidigte die geschlechtergerechte Sprache: «Für Sie genügt Lokführer», schrieb Neuhaus, doch er finde «es mehr als angebracht, hier die weibliche wie männliche Form zu nennen». Dann fühlten sich «auch beide Geschlechter – das beweist die Rezipientenforschung – angesprochen und abgeholt».

Amtsdirektor Aebi räumte auf Anfrage der Berner Zeitung ein, dass der Kanton Bern die Gendersprache «übrigens nicht» benutze. Von Andrian erhielt nach eigenen Angaben überwiegend Zuspruch: «Mehr als 80 Prozent davon waren positiv.» (cbe)


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KOMMENTARE

Peter M. Linz
11.11.2025 14:45 Uhr
Leider kann ich nicht auf all den Schwachsinn eingehen, der mit Diversität, sexueller Vielfalt etc. mitfährt. Von oben herab wird einem eine neue Sprache aufokroyiert, die nur in höheren Sphären aus ideologischen Gründen gesprochen wird. es ist bedauernswert, dass hier auch noch ein SVP-Regierungsrat mitmischelt. Anstatt den Chefredaktor zu verdammen, sollte man die Genderstudien an Unis abschaffen und den zuständigen Professorinnen ein Ingenieurstudium empfehlen. So würde ein Mehrwert geschaffen statt blödsinnig Steuergelder verpulvert.
Lukas Bähr
10.11.2025 06:33 Uhr
Oh je...wer nicht gleich woke denkt wie der Herr Aebi wird sanktioniert - mit aller Macht seines Amtes. Wer wählt so?
Stephanie Lauper
09.11.2025 17:00 Uhr
Als mein Sohn klein war, wünschte er sich, dass ich Lokführerin werde. Noch heute fühle ich den Lokführern verbunden. Allerdings bin ich Wissenschaftlerin. Wissenschaftler müssen sich präzise ausdrücken und die Sprache, in der sie publizieren beherrschen. „Gendern“ ist schlicht falsch. Das grammatikalische Geschlecht eines Wortes muss nicht mit dem biologischen übereinstimmen, z. B. das Mädchen oder auch das Männlein. Der Begriff „Gendern“ ist ebenso dumm wie seine Anwendung, die englische Sprache lässt sich nicht missbrauchen. Dass ausgerechnet Christoph Neuhaus von der SVP (die frauenfeindlichste Partei der Schweiz) sich dafür stark macht, sagt alles: Lasst uns „Gendern“, damit die Frauen glauben, man halte sie für gleichberechtigt, aber lasst sie zuhause am Herd bleiben.
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