Walter von Andrian, Chefredaktor der Eisenbahn-Revue, hatte in einem Beitrag erklärt, warum er auf geschlechtergerechte Sprache verzichtet: «Politisch gepredigte, meist sinnlose Aneinanderreihung von männlichen und weiblichen Formen belastet die Verständlichkeit der Texte stark», schrieb er laut der SonntagsZeitung. Er warf die Frage auf, ob «Doppelpunktinnen und Sterninnen den Frauen» wirklich nützen würden. Von Andrian hält sich «wie andere seriöse Medien strikt an die klassische Sprache und Schreibweise, die sich seit Jahrhunderten bewährt» hat.
Christian Aebi, Vorsteher des Amtes für öffentlichen Verkehr, zeigte sich empört. Die fachliche Schreibweise löse in ihm «Bilder einer männlichen ÖV-Welt aus, welche ich nicht kenne und welche ich als 60-jähriger Mann als diskriminierend empfinde», schrieb er in einem Brief an von Andrian. Er verlangte eine Richtigstellung und Entschuldigung, andernfalls werde der Kanton das Abo kündigen. Als diese ausblieb, kündigte er.
Von Andrian wandte sich an SVP-Regierungsrat Christoph Neuhaus, doch der verteidigte die geschlechtergerechte Sprache: «Für Sie genügt Lokführer», schrieb Neuhaus, doch er finde «es mehr als angebracht, hier die weibliche wie männliche Form zu nennen». Dann fühlten sich «auch beide Geschlechter – das beweist die Rezipientenforschung – angesprochen und abgeholt».
Amtsdirektor Aebi räumte auf Anfrage der Berner Zeitung ein, dass der Kanton Bern die Gendersprache «übrigens nicht» benutze. Von Andrian erhielt nach eigenen Angaben überwiegend Zuspruch: «Mehr als 80 Prozent davon waren positiv.» (cbe)
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