22.10.2026

Umfragen

Bevölkerung sieht SRG als Faktenprüferin

Eine Mehrheit der Schweizer Bevölkerung will, dass die SRG Falschinformationen entgegenwirkt. Darin stimmen zwei aktuelle Umfragen überein. Beim Onlineangebot gehen die Befunde jedoch auseinander.

Die SRG wollte wissen, welche Rolle sie aus Sicht der Bevölkerung im digitalen Raum spielen soll. Für die Studie «Digitale SRG» befragte das Marktforschungsinstitut YouGov im Frühling 1256 Personen. Mitte Oktober hat die SRG auf ihrer Website eine Zusammenfassung mit ausgewählten Resultaten veröffentlicht. Die Befragten konnten neun mögliche Aufgaben der SRG im Internet bewerten. Am wichtigsten ist ihnen die Faktenprüfung: 88 Prozent finden es wichtig, dass SRF, RTS und RSI als verlässliche Quellen online Falschinformationen entgegenwirken, 60 Prozent sogar sehr wichtig. An zweiter Stelle folgt mit 87 Prozent der Wunsch, dass die SRG über Falschinformationen aufklärt und dafür sensibilisiert. Weniger Gewicht, aber immer noch die Zustimmung von rund drei Vierteln erhalten drei weitere Aufgaben: der Polarisierung entgegenzuwirken, ein junges Publikum mit attraktiven Beiträgen anzusprechen und journalistische Arbeitsweisen zu erklären.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt das Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft (Fög) der Universität Zürich in einer Studie, die im September erschienen ist (persoenlich.com berichtete). Auch dort sehen die Befragten die Faktenprüfung als wichtige Aufgabe der SRG. Von fünf möglichen neuen Tätigkeiten erhält ihr Ausbau mit Abstand die grösste Zustimmung: 68 Prozent halten ihn für wichtig, nur 11 Prozent für unwichtig.

Die beiden Studien sind auf unterschiedliche Weise entstanden. Den vollständigen Bericht will die SRG nicht veröffentlichen. Die Umfrage sei für interne Zwecke durchgeführt worden, als Grundlage für den Dialog mit der Bevölkerung, teilt die Medienstelle auf Anfrage von persoenlich.com mit. Der Fokus liege deshalb «weniger auf dem Umfang und den Verbreitungswegen des Angebots als auf den Erwartungen an die Ausgestaltung eines verantwortungsvollen digitalen Service public». Die Fög-Studie hingegen ist eine wissenschaftliche Untersuchung im Rahmen des Jahrbuchs Qualität der Medien. Fragebogen und Resultate sind öffentlich.

Nicht in allen Punkten kommen die beiden Studien zum gleichen Schluss. Am deutlichsten unterscheiden sie sich bei der Frage nach dem Umfang der Onlineaktivitäten der SRG. Hier zeichnet das Fög ein verhalteneres Bild. Laut der SRG-Zusammenfassung finden 77 Prozent die Onlineangebote für die Information und Meinungsbildung wichtig. Beim Fög sind es für Websites und Apps der SRG 47 Prozent, für eine Präsenz auf Social Media 35 Prozent. Direkt vergleichen lassen sich die Werte allerdings nicht: YouGov bot keine Mittelkategorie an, während beim Fög ein beträchtlicher Teil der Befragten die Mitte wählte.

Auseinander gehen die Studien auch bei der Frage, ob Junge andere Erwartungen an die SRG haben als Ältere. Gemäss der SRG-Auftragsstudie unterscheiden sich die Ansichten der 15- bis 29-Jährigen nicht wesentlich von jenen anderer Generationen. Das Fög stellt dagegen einen Generationengraben fest, namentlich bei der Präsenz der SRG-Angebote auf Social Media: Fast 70 Prozent der 18- bis 24-Jährigen finden diese wichtig, bei den Befragten ab 55 Jahren ist es nur knapp ein Viertel.


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