29.09.2026

Printreichweiten

Blick gewinnt, Beobachter verliert

Die neuste Reichweitenstudie der Wemf zeigt ein zweigeteiltes Bild: Während der gedruckte Blick signifikant an Leserschaft gewinnt, müssen zahlreiche Magazine Verluste hinnehmen, darunter der Beobachter, die Coopzeitung und das Migros-Magazin. Erstmals fehlt 20 Minuten in der Studie. Die Zahlen im Überblick.
Printreichweiten: Blick gewinnt, Beobachter verliert
Der Blick gehört diesmal nach vorne: Als einziger grosser Titel legt er signifikant an Leserschaft zu, während neun Magazine verlieren. (Bild: persoenlich.com/cbe)

Die Schweiz am Wochenende bleibt die meistgelesene Zeitung in der deutschen Sprachgruppe. Der samstags erscheinende Titel von CH Media erreicht 973'000 Leserinnen und Leser. Mit dem Vorjahr vergleichbar ist dieser Wert allerdings nicht: Seit Anfang 2026 beziehen der Rheintaler und die Rheintalische Volkszeitung ihren Mantel nicht mehr von CH Media und zählen neu zur Gesamtausgabe der Südostschweiz. Der Schweiz am Wochenende fehlt deshalb der Rheintaler, dem St. Galler Tagblatt fehlen beide Titel. Die Aargauer Zeitung umfasst dafür seit November 2025 auch das Zofinger Tagblatt. Alle vier Titel sind deshalb nicht mit dem Vorjahr vergleichbar.

Die Zahlen stammen aus der am Dienstag publizierten Studie «Mach Basic 2026-2» der Wemf AG für Werbemedienforschung. Befragt wurden in der Deutschschweiz 21'665 Personen ab 14 Jahren. Die Reichweiten der grossen Titel beruhen auf dem Erhebungszeitraum April 2025 bis März 2026, jene der kleineren auf zwei Befragungsjahren (April 2024 bis März 2026).

Erstmals nicht mehr in der Studie ausgewiesen ist die gedruckte Ausgabe von 20 Minuten. Sie wurde per Ende 2025 eingestellt und erreichte im Vorjahr noch 914'000 Lesende. Damit ist der Blick mit 326'000 Leserinnen und Lesern neu die meistgelesene Tageszeitung der Deutschschweiz, vor der Nordwestschweiz (295'000) und dem Tages-Anzeiger (288'000). Ebenfalls verschwunden sind die im Sommer 2025 eingestellten Obersee Nachrichten sowie die Stadtzürcher Quartierzeitungen Züriberg, Zürich 2, Zürich Nord und Zürich West, deren Rechte Anfang 2025 an das Tagblatt der Stadt Zürich gingen. Nicht mehr erfasst sind zudem sieben Wochentitel von Swiss Regiomedia, die weiterhin erscheinen, darunter die St. Galler Nachrichten und die Neue Oltner Zeitung.

Blick mit deutlichem Plus

Signifikante Veränderungen* gibt es bei den gedruckten Tageszeitungen und regionalen Wochenpublikationen nur wenige (in der nachfolgenden Tabelle mit einem Stern gekennzeichnet). Anders als im Vorjahr zeigen sie mehrheitlich nach oben. Der Blick legt gegenüber dem Vorjahr um rund 17 Prozent zu.

Signifikant zulegen können auch der Glarner Fridolin (um rund einen Viertel auf 44'000) und der Furttaler/Rümlanger (um rund einen Drittel auf 27'000). Einen signifikanten Verlust verzeichnet einzig das Zofinger Tagblatt, minus rund 30 Prozent auf 18'000.

Die Verluste des Vorjahres haben sich nicht fortgesetzt. Der Tages-Anzeiger hält seine Reichweite unverändert. BZ/Bund und die ZRZ Zürcher Regionalzeitungen verlieren zwar erneut, aber nicht signifikant. Bei der NZZ kommt es auf die Lesart an: Die gedruckte Ausgabe allein legt signifikant um rund 13 Prozent zu. Mit der E-Paper-Leserschaft erreicht die NZZ 228'000 Lesende, ein Plus von rund 11 Prozent, das statistisch jedoch nicht gesichert ist.


Stillstand am Sonntag

Bei den Print-Sonntagstiteln gibt es in diesem Jahr keine signifikanten Veränderungen, nachdem im Vorjahr die SonntagsZeitung und der SonntagsBlick noch deutlich verloren hatten. Die SonntagsZeitung erreicht 380'000 Leserinnen und Leser, die NZZ am Sonntag 302'000. Der SonntagsBlick kommt auf 280'000, ein Plus von rund 8 Prozent, das jedoch innerhalb der statistischen Schwankungsbreite liegt. Einzig die gedruckte NZZ am Sonntag ohne E-Paper verliert signifikant, minus rund 7 Prozent auf 287'000.


Magazine unter Druck

Deutlich trüber ist das Bild bei den gedruckten Magazinen und Zeitschriften. Neun Titel verlieren signifikant, keiner legt signifikant zu. Coopzeitung und Migros-Magazin belegen zwar erneut die Spitzenplätze, büssen aber beide ein. Die Coopzeitung erreicht 2'403'000 Leserinnen und Leser (minus rund 3 Prozent), das Migros-Magazin 2'093'000 (minus rund 4,5 Prozent). Der Trend ist landesweit: Auch die französischsprachigen Ausgaben Coopération und Migros-Magazine verlieren signifikant.

Leserschaft büssen auch Betty Bossi und der K-Tipp ein, je rund 4 Prozent. Beim Beobachter und bei Fritz+Fränzi beträgt das Minus je rund 10 Prozent. Noch deutlicher verlieren TVstar (minus rund 14 Prozent) und Das Wandern (minus rund 15 Prozent). Am stärksten büsst die Tierwelt ein: Sie verliert einen Fünftel ihrer Leserschaft und erreicht noch 119'000 Lesende.

Nur fünf Magazine legen zu, keines davon signifikant. Die Glückspost gewinnt rund 4 Prozent und erreicht 210'000 Leserinnen und Leser, die WoZ rund 11 Prozent und kommt auf 109'000. Das Magazin, die Schweizer Familie, die Schweizer LandLiebe und Tele, die im Vorjahr noch signifikant verloren hatten, halten ihre Reichweite. Wie im Vorjahr nicht vergleichbar ist das Kochmagazin Migusto, weil es seine Erscheinungsfrequenz reduziert hat.


Grosse Reichweite, lose Bindung

Reichweite ist allerdings nicht alles. Die Wemf fragt auch, ob die Leserschaft einen Titel vermissen würde, wenn er nicht mehr erschiene. Dabei zeigt sich: Die grössten Titel haben oft die loseste Bindung. Die Coopzeitung würden nur 41,5 Prozent ihrer Leserinnen und Leser vermissen, das Migros-Magazin knapp die Hälfte. Noch tiefer liegen der Drogistenstern und die Touring mit je rund einem Drittel.

Am stärksten hängt die Leserschaft an Regionalzeitungen wie der Obwaldner Zeitung (89,8 Prozent) oder der Engadiner Post (88,9 Prozent), bei den Magazinen an der WoZ (85,6 Prozent). Auffällig ist der Blick: Trotz Leserzuwachs würde ihn nur gut die Hälfte vermissen, beim Tages-Anzeiger und bei der NZZ sind es über drei Viertel. Beim SonntagsBlick sind es sogar nur 48 Prozent.

Auch bei der Lesedauer liegen die Nischentitel vorne. Die Reportagen werden pro Ausgabe fast 80 Minuten gelesen, die Weltwoche knapp 70 Minuten. Die NZZ kommt auf 40 Minuten, der Tages-Anzeiger auf 38, der Blick und die Coopzeitung auf je rund 22 Minuten.

Die Wemf publiziert die Reichweitenstudie Mach Basic zweimal jährlich. Die nächste Ausgabe erscheint im Frühling 2027.



* Bei signifikanten Veränderungen ist ein Zufall weitgehend ausgeschlossen, bei den übrigen nicht. Bei grossen Titeln genügen dafür schon kleine Veränderungen, bei kleinen braucht es grössere Sprünge. Bei Titeln mit einem «R» ist die Leserschaft des E-Papers (Replica) eingerechnet.

Lesen Sie auch das persoenlich.com-Interview mit Blick-Chefredaktor Rolf Cavalli und hören Sie den Podcast mit der Einordnung.


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