Der Nationalrat hat die Motion für eine Weiterführung des UKW-Betriebs angenommen. Wie viel ist dieser Entscheid wert?
Der Entscheid ist – insbesondere in seiner Deutlichkeit – ein sehr wichtiger erster Schritt, dass eine Verbreitung über UKW nach 2026 nicht verboten bleibt, da schlicht und einfach zu viele Menschen weiterhin über UKW-Geräte Radio hören wollen.
Endgültig entscheiden wird der Ständerat. Dort dürften die Mehrheiten nicht mehr so deutlich zu euren Gunsten liegen. Wie wollt ihr die kleine Kammer von einer UKW-Verlängerung überzeugen?
Es geht uns darum, sachlich und korrekt über unsere Situation und unser Anliegen zu informieren.
«Eine Auktion würde kleinere Radiostationen stark benachteiligen»
Sollte UKW in der Schweiz tatsächlich über 2026 hinaus weiterbetrieben werden, nach welchen Kriterien sollen dann die Frequenzen vergeben werden?
Die Ausgestaltung einer UKW-Zukunft nach 2026 läge bei Bundesrat und Bundesamt für Kommunikation Bakom. Die Privatradios plädieren für eine Verlängerung, angelehnt an die heutige Konzessionsdauer. Eine Auktion würde aus unserer Sicht kleinere Radiostationen stark benachteiligen, was nicht im Sinne des Gesetzgebers sein kann.
Es gibt Fachmeinungen, die davon ausgehen, dass keine ausreichende gesetzliche Grundlage für eine solche Verlängerung von UKW existiert. Wie beurteilt der VSP die rechtliche Situation?
Wir möchten, dass eine Verbreitung über UKW nach 2026 nicht ausgeschlossen ist, da schlicht und einfach zu viele Menschen weiterhin über UKW-Geräte Radio hören wollen. Ob eine Verlängerung rechtlich möglich ist oder eine Neuausschreibung nötig ist, gilt es nach dem politischen Grundentscheid zu überprüfen.
Irgendwann wird UKW auch in der Schweiz das Zeitliche segnen. Wie stellt sich der VSP den Ausstieg vor?
Aus unserer Sicht sollte die Bevölkerung den Ausschlag geben: Wenn auch nach der SRG-Abschaltung fast ein Drittel der Menschen in der Schweiz nach wie vor über UKW Radio hört und Sender bis zu 50 Prozent ihrer Reichweite verlieren, ist ein Verzicht auf diese Verbreitungstechnologie zum jetzigen Zeitpunkt falsch. Es sollte den Privatradios erlaubt sein, den Ausstieg aus UKW in einem vorbestimmten neuen Zeitrahmen selber zu wählen, wenn dieser wirtschaftlich tragbar ist.
«Unser Anliegen einer Kursanpassung ist nicht gegen die SRG gerichtet»
Die SRG hat UKW auch deshalb per Ende 2024 abgeschaltet, weil sie davon ausging, dass die Privatradios Ende 2026 folgen würden. Wie rechtfertigt der VSP gegenüber der SRG seine Kehrtwende?
Die SRG hat mit ihrer kompletten Abschaltung unfreiwillig neue Fakten geschaffen, welche die Privatradios vor existenzielle Herausforderungen stellt, sollte es beim gemeinsam besprochenen Plan bleiben. Die SRG soll bei einer Fortführung von UKW über 2026 hinaus darum die Möglichkeit einer Rückkehr zu UKW haben. Unser Anliegen einer Kursanpassung ist nicht gegen die SRG gerichtet und auch nicht gegen andere Radiostationen, die ausschliesslich über digitale Verbreitungswege senden. Aber wir können jetzt nicht aufs Spiel setzen, dass sich langjährige Radiohörerinnen und -hörer einfach vom Medium Radio abwenden, nur weil sie noch nicht bereit sind umzurüsten.
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13.09.2025 11:02 Uhr

