27.08.2026

3+

Dominik Kaiser kritisiert CH Media scharf

Zum 20-Jahr-Jubiläum des Senders übt der Gründer in einem Interview Kritik an den heutigen Machern.
3+: Dominik Kaiser kritisiert CH Media scharf
Dominik Kaiser, hier 2019 an der Medienkonferenz zur Übernahme der 3 Plus Group durch CH Media, mit Peter Wanner, Verwaltungsratspräsident von CH Media. (Keystone/Ennio Leanza)

Am 31. August 2006 ging 3+ erstmals auf Sendung, zunächst mit Hollywood-Filmen und US-Serien. Mit Eigenproduktionen wie «Bauer, ledig, sucht…», «Bumann, der Restauranttester» und «Der Bachelor» positionierte sich der Sender zunehmend mit Schweizer Formaten.

Dominik Kaiser, der sich seit dem Verkauf seiner Sendergruppe 2019 aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte, äussert sich nun erstmals wieder – und wird deutlich. Gegenüber Tele sagte er, er habe sich «über die Qualität der Eigenproduktionen gewundert», was von der Sendergruppe übriggeblieben sei, habe kaum mehr etwas mit jener zu tun, die er verkauft habe. CH Media habe den Fokus verschoben und gespart, was erkläre, dass in sechs Jahren keine neue Sendung mehr zum Hit geworden sei und die Zuschauerzahlen zurückgegangen seien. Auch persönlich sei der Bruch spürbar gewesen, heisst es in der Tele-Printausgabe vom Donnerstag: Die neuen Besitzer hätten gleich nach dem Kauf keine relevanten Inputs mehr von ihm gewollt, das sei damals schmerzhaft gewesen.

CH Media, die den Sender 2019 übernommen hatte, verweist in einer Mitteilung vom Donnerstag ihrerseits auf Formate wie «Die Höhle der Löwen Schweiz» oder «Sing meinen Song – Das Schweizer Tauschkonzert». Ein Grossteil davon ist erst nach der Übernahme entstanden. Gemäss einem Factsheet sind seit 2006 insgesamt 52 Formate in rund 170 Staffeln und 1519 Folgen entstanden.

Weiterbildung statt 3+ schauen

In der NZZ blickt Kaiser versöhnlicher zurück: auf die schwierige Startphase 2006, als praktisch alle Experten und auch der Bundesrat einen Flop voraussagten, auf die Entwicklung von «Der Bachelor» als bewusst augenzwinkerndes Format sowie auf sein Leben nach dem Verkauf. Was danach mit den Sendern gemacht worden sei, habe nichts mehr mit ihm zu tun gehabt, sagt er dort – er habe aber schon damals gewusst, dass sich das Geschäftsmodell wegen Netflix und anderer Streaming-Plattformen verändern müsse, daran habe man parallel gearbeitet. Malte Probst, Leiter TV National bei CH Media, sagt in einem persoenlich.com-Interview: Die Medien- und Unterhaltungsbranche sei seit jeher in Bewegung und erfinde sich immer wieder neu – genau das mache sie spannend, weshalb man «mit Herzblut dabei» sei.

Kaiser habe über dreissig Weiterbildungen an US-Spitzenuniversitäten absolviert, sich intensiv mit den Trendmärkten in Asien beschäftigt und suche nun nach einem neuen unternehmerischen Projekt, wahrscheinlich wieder im Unterhaltungsbereich. Zum Reichtum durch den Verkauf – kolportiert rund 150 Millionen Franken, wozu er sich nicht äussern will – sagt Kaiser, er habe sich zunächst bewusst machen müssen, was das eigentlich bedeute; an seinem Lebensstil habe sich wenig geändert, ein Auto besitze er nach wie vor nicht.

Zum operativen Fernsehgeschäft hat er laut eigenen Aussagen klar abgeschlossen; die Entwicklung von 3+ verfolge er nur noch sporadisch. (cbe)


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