Während der Blick mit sieben, 20 Minuten und die NZZ mit je fünf, Tamedia und Keystone-SDA mit je drei Personen anreisten, stemmte Sebastian Wendel die Berichterstattung für CH Media allein. Das Medienhaus begründete diesen Entscheid offiziell mit den gegenüber Katar deutlich höheren Reise- und Unterkunftskosten (persoenlich.com berichtete).
In der neusten Podcast-Folge von «Hinter der Schlagzeile» verrät Wendel nun eine konkrete Zahl: Rund 20'000 Franken kosteten die sechs Wochen unterwegs. Gemessen an drei Ländern und massiv aufgeblähten WM-Preisen für Flüge und Hotels ist das eher knapp kalkuliert als üppig – zumal er als Einzelreporter keine Fixkosten mit Kollegen teilen konnte. Der Alleingang bringe Freiheiten, sagt er – «man muss nicht Rücksicht nehmen vor Ort auf jemanden» –, führe aber auch dazu, dass manche Geschichten liegen blieben, weil schlicht die Kapazität fehlte.
Reisestrapazen gehörten zum Alltag: Fast 13'000 Flugkilometer für sechs Spiele, dazu die neunstündige Zeitverschiebung zur Westküste – nach spät angesetzten Partien arbeitete Wendel teils bis in den frühen Morgen an mehreren Texten gleichzeitig.
Nahe an Spielern und Staff verlangt klare Regeln: Ohne laufendes Mikrofon bleibt ein Gespräch off the record. Genau darüber erfuhr Wendel nach dem hitzig diskutierten Argentinien-Spiel, wie intern über die Schiedsrichterleistung geflucht wurde – Zitate, die er bewusst nicht veröffentlichte.
Auch als Fan bleibt es nicht immer professionell-distanziert: Beim historischen Penaltyschiessen gegen Kolumbien liess Wendel eigenen Angaben zufolge für einen Moment die Coolness fallen und jubelte mit den Journalistenkollegen mit.
Die Nähe zum Team ging über die Berichterstattung hinaus: An einem Abend traf sich Wendel mit Betreuern und dem Chef de Mission zu einem informellen Austausch bei einem Glas Wein – «wir sind auf dem gleichen Ozean, vielleicht nicht auf dem gleichen Schiff, aber wir dürfen in die gleiche Richtung segeln». (cbe)

