10.07.2026

Mediapulse

Energy Zürich ist zurück auf dem Podest

Nach dem Boom im Vorjahr geraten die Deutschschweizer Privatradios in der Summe unter Druck, während sich die SRG-Sender stabilisieren. Auf dem Podium kommt es derweil zu einer Verschiebung: Energy Zürich erobert quasi in einem Fotofinish Platz drei von Radio Zürisee zurück.
Mediapulse: Energy Zürich ist zurück auf dem Podest
Zurück auf dem Podest: Energy Zürich verdrängt Radio Zürisee knapp von Platz drei. (Bild: zVg)

Der Schweizer Radiomarkt zeigt sich im ersten Halbjahr 2026 insgesamt stabil, wie Mediapulse in ihrer Semesterpublikation mitteilt: Landesweit schalten pro Tag über fünf Millionen und pro Woche knapp sieben Millionen Personen ein Radioprogramm ein. Im Vorjahresvergleich bleibt die Wochenreichweite mit 93 Prozent unverändert, die Tagesreichweite sinkt leicht von 70 auf 68 Prozent. Am intensivsten wird nach wie vor in der Deutschschweiz gehört.

Innerhalb dieses insgesamt stabilen Gesamtmarkts bewegt sich in der Deutschschweiz allerdings einiges (alle folgenden Zahlen von Montag bis Sonntag, Deutschschweiz, ab 15 Jahren).

SRG hält sich, Privatradios verlieren signifikant

Die privaten Stationen – letztes Jahr noch die Gewinner der UKW-Abschaltung – verlieren in der Deutschschweiz in der Summe, während sich die SRG-Sender weitgehend stabilisieren: Total kommt die SRG im ersten Semester 2026 auf rund 2,07 Millionen tägliche Hörerinnen und Hörer, leicht weniger als im Vorjahr (2,10 Millionen) – ein Rückgang, der laut Mediapulse nicht signifikant ist.

Bei den Schweizer Privatsendern zusammen sieht es dagegen anders aus: Sie kommen neu auf rund 2,42 Millionen Hörende, gut 62'000 weniger als im Vorjahressemester (2,48 Millionen) – ein Rückgang, den Mediapulse als signifikant ausweist. Der Marktanteil der Privaten sinkt leicht auf 44,1 Prozent (Vorjahr: 44,2), jener der SRG steigt minim auf 52,8 Prozent (Vorjahr: 52,5).

Bei den einzelnen SRF-Sendern zeigt sich ein gemischtes Bild: Radio SRF 1 und SRF 3 haben leicht, aber nicht signifikant verloren. SRF 4 News hält sich stabil. Einzig SRF 2 Kultur bricht signifikant ein: von 119'770 auf noch 100'010 Hörende.


Pilatus bleibt unangefochten

An der Spitze der Privatsender ändert sich wenig: Radio Pilatus bleibt mit 247'950 täglichen Hörerinnen und Hörern die klare Nummer eins. Dahinter verteidigt Radio 24 den zweiten Platz, verliert aber leicht und kommt neu auf 216'490 Personen.

Spannend wird es auf Platz drei: Vor einem Jahr hatte Radio Zürisee den Stadtzürcher Sender Energy Zürich noch überholt. Nun kehrt sich das Bild wieder: Energy Zürich erreicht mit 197'970 Hörenden knapp mehr Publikum als Radio Zürisee mit 197'390 Hörenden – ein enges Rennen von nur rund 600 Personen Unterschied.

Innerhalb der von persoenlich.com ausgewerteten Top 20 sticht vor allem Virgin Radio Switzerland heraus: Der CH-Media-Sender wächst signifikant von 104'790 auf 130'600 Hörende – ein Plus von 25'810 Personen und der grösste Sprung im Feld. Den grössten Verlust unter den signifikanten Bewegungen verzeichnet Bern1: Der Sender verliert 17'640 Hörende und kommt neu auf 83'970 Personen.

Einen Wechsel gibt es auch am Ende der Top 20: BeO verliert signifikant und fällt mit neu 65'840 Hörenden (Vorjahr: 76'130, ein Minus von 10'290) aus der Rangliste. An seine Stelle rückt Energy Basel, das von 71'750 auf 77'040 Hörende zulegt (plus 5290, nicht signifikant) und damit knapp in die Top 20 vorstösst.

Interessant ist ein Blick auf Vintage Radio (neu 184'200). Der Sender hat gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 rund 12'000 tägliche Hörerinnen und Hörer gewonnen – ein Zuwachs, den Mediapulse allerdings nicht als signifikant ausweist. Ob die Programmreform zum zehnjährigen Bestehen dazu beigetragen hat, lässt sich nach nur einem Semester nicht abschliessend beurteilen: Der bislang rein musikalisch ausgerichtete Energy-Sender hat im November 2025 mit einer moderierten Morgenshow erstmals eine feste Sendung eingeführt (persoenlich.com berichtete).


Auch ausserhalb der Top 20 gibt es signifikante Ausschläge – interessanterweise bei zwei Sendern derselben Gruppe. Am deutlichsten legt Rockit Radio zu, das wie Vintage Radio zur Energy-Gruppe gehört: Der Sender kommt neu auf 39'190 Hörende, ein Plus von rund einem Viertel. Gegenläufig entwickelt sich das ebenfalls zu Energy zählende Schlager Radio, das signifikant auf noch 22'400 Hörende zurückfällt – ein Minus von fast 29 Prozent.

Auch der deutsche Dance-Sender Sunshine Live CH legt signifikant zu: Neu erreicht er 23'890 Hörende, mehr als doppelt so viele wie im Vorjahressemester. Der Zuwachs dürfte mit dem Ausbau des Empfangsgebiets zusammenhängen: Sunshine Live hat sein DAB+-Netz im letzten Jahr auf die gesamte Deutschschweiz ausgeweitet.

Hördauer und Marktanteile

Wie schon im Vorjahr bleibt Radio Eviva der klare Hördauersieger unter den Deutschschweizer Privaten: Wer einschaltet, bleibt im Schnitt rund 106 Minuten pro Tag dran – deutlich länger als bei jedem anderen Sender im Feld. Dahinter folgen Radio Melody (72 Minuten) und Radio Central (69 Minuten). Reichweitensieger Pilatus kommt im Vergleich auf eine Hördauer von rund 56 Minuten.

Bei den Marktanteilen, einer Kombination aus Reichweite und Hördauer, liegt Pilatus weiterhin vorne: 3,3 Prozent aller gehörten Radiominuten in der Deutschschweiz entfallen auf den Zentralschweizer Sender. Dahinter folgen Radio Central (3,12 Prozent) und neu Vintage Radio (2,76 Prozent) knapp vor Radio 24 (2,69 Prozent).



Quelle: Mediapulse Radio Data, 1. Semester 2026 (1. Januar bis 30. Juni 2026). Wo nicht anders angegeben: Deutschschweiz, Montag bis Sonntag, Zielgruppe 15+. Universum: 5,377 Millionen Personen, Panel: 5584 Uhrenträger, 185'607 Messtage. Erfasst wird die lineare Radionutzung über alle analogen und digitalen Verbreitungswege; nicht berücksichtigt ist die Nutzung über Kopfhörer.


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KOMMENTARE

Rainer Luginbühl
10.07.2026 23:36 Uhr
Bei SRF heisst «stabil»: Das Programm wird ausgesessen. SRF 3 verliert weiter leicht, Virus bleibt seit 1999 mit 0,2 Prozent Marktanteil in der Dauertestphase – und solange die Gruppe insgesamt nicht einbricht, gilt Stillstand als Strategie.
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