SRF verteidigt sein Vorgehen im Fall Patrick Fischer deutlich und hält die Veröffentlichung der Recherche über den langjährigen Eishockeynationaltrainer Patrick Fischer weiterhin für richtig und notwendig. Dies erklärt Chefredaktor Tristan Brenn in einem Interview mit der Schweiz am Wochenende, das deren Chefredaktor Patrik Müller selbst führte. Es war die erste Stellungnahme Brenns im ganzen Konflikt. Brenn betonte, dass er in alle Entscheidungen der SRF-Chefredaktion eingebunden gewesen sei, obwohl er sich in einem Sabbatical befinde. Zudem hätte sich sein Stellvertreter Gregor Meier öffentlich geäussert. Brenn verwies nochmals darauf, dass ein klares öffentliches Interesse an der Veröffentlichung von Fischers Verurteilung bestand und man belegte Informationen nicht hätte zurückhalten dürfen.
Schawinski und Cavalli kritisieren
Brenn selber kam in den letzten Tagen massiv in die Kritik. So warf ihm Radio-1-Chef und Medienpionier Roger Schawinski im Tages-Anzeiger vor, dass er sich nicht zu Wort gemeldet habe. In die gleiche Richtung zielte Blick-Chefredaktor Rolf Cavalli: «Im Abstimmungskampf gegen die Halbierungsinitiative erklärte Wille landauf, landab die unverzichtbare Rolle von SRF für die Schweiz und die Verantwortung des Journalismus. Jetzt, wo es konkret wird: Funkstille.» Das sei schwach.
In einem langen Meinungsbeitrag in seiner Schweiz am Wochenende kritisiert CH-Media-Verleger Peter Wanner SRF scharf: Ein Journalist nutzte Fischers vertrauliche Aussage beim Vorgespräch zu einem Porträt, um ihn kurz vor der Heim-WM zu enttarnen. Wanner sieht darin einen schwerwiegenden Vertrauensbruch. Das längst geahndete Delikt rechtfertige keine öffentliche Anprangerung. Er fordert Entschuldigungen von SRF und Eishockeyverband – und die Rehabilitation Fischers.
Keine Berichterstattung über Weltwoche-Story
Journalist Pascal Schmitz werde weiterhin unterstützt, so SRF-Chefredaktor Brenn im Schweiz am Wochenende-Interview. Seine Arbeit sei professionell gewesen, die Veröffentlichung von Fischers Verurteilung wegen der Fälschung des Covid-Zertifikats sei kein Vertrauensbruch gewesen. Zudem hätten die problematischen Facebook-Posts, die in der aktuellen Weltwoche veröffentlicht wurden, keinen Einfluss auf die Fakten der Recherche. Gleichzeitig distanziert sich Brenn ganz klar von diesen Äusserungen, betont aber, dass diese 2010, also vor Schmitz Anstellung beim SRF, geschrieben wurden. Nach deren Veröffentlichung verlor Schmitz seinen Job als Stadionsprecher bei den Rapperswil Lakers und wurde vorübergehend als SRF-Moderator zurückgezogen. Als eines der wenigen Medien berichtete SRG nicht über die «Weltwoche»-Recherche, was Brenn als Schutz gegenüber Pascal Schmitz im Schweiz-am-Wochenende-Interview begründete.
Reaktionen unterschätzt
Kritisch sieht SRF vor allem die heftigen öffentlichen Angriffe auf Schmitz, die als Gefahr für unabhängigen Journalismus sieht. Brenn räumt aber ein, dass man die Reaktionen nach der Fischer-Entlassung unterschätzt habe und Schmitz durch seinen TV-Auftritt zu stark exponiert wurde. Brenn verweist aber nochmals darauf, dass der Eishockeyverband Patrick Fischer, der kurz zuvor zum «Trainer des Jahres» gewählt wurde, entlassen habe und nicht das Schweizer Fernsehen.
Ob und wann Schmitz wieder vor der Kamera steht, ist offen; eine Kündigung ist nicht entschieden. Insgesamt bleibt SRF bei der Linie: inhaltlich korrekt gehandelt, aber kommunikativ teilweise unglücklich agiert. (ma/nil).
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