25.04.2026

Causa Fischer

Erstmals nimmt SRF-Chefredaktor Stellung

Tristan Brenn wurde wegen seines Schweigens zur Fischer-Recherche scharf kritisiert. Nun nimmt er im Interview mit der Schweiz am Wochenende erstmals Stellung. In der gleichen Zeitung kommentiert CH-Media-Verleger Peter Wanner den Fall ausführlich und fordert die Rehabilitierung des entlassenen Eishockey-Nationaltrainers.
Causa Fischer: Erstmals nimmt SRF-Chefredaktor Stellung
Belegte Informationen nicht zurückhalten: SRF-Chefredaktor Tristan Brenn verteidigt Fischer-Enthüllung. (Bild: zVg/SRF)

SRF verteidigt sein Vorgehen im Fall Patrick Fischer deutlich und hält die Veröffentlichung der Recherche über den langjährigen Eishockeynationaltrainer Patrick Fischer weiterhin für richtig und notwendig. Dies erklärt Chefredaktor Tristan Brenn in einem Interview mit der Schweiz am Wochenende, das deren Chefredaktor Patrik Müller selbst führte. Es war die erste Stellungnahme Brenns im ganzen Konflikt. Brenn betonte, dass er in alle Entscheidungen der SRF-Chefredaktion eingebunden gewesen sei, obwohl er sich in einem Sabbatical befinde. Zudem hätte sich sein Stellvertreter Gregor Meier öffentlich geäussert. Brenn verwies nochmals darauf, dass ein klares öffentliches Interesse an der Veröffentlichung von Fischers Verurteilung bestand und man belegte Informationen nicht hätte zurückhalten dürfen.

Schawinski und Cavalli kritisieren

Brenn selber kam in den letzten Tagen massiv in die Kritik. So warf ihm Radio-1-Chef und Medienpionier Roger Schawinski im Tages-Anzeiger vor, dass er sich nicht zu Wort gemeldet habe. In die gleiche Richtung zielte Blick-Chefredaktor Rolf Cavalli: «Im Abstimmungskampf gegen die Halbierungsinitiative erklärte Wille landauf, landab die unverzichtbare Rolle von SRF für die Schweiz und die Verantwortung des Journalismus. Jetzt, wo es konkret wird: Funkstille.» Das sei schwach.

In einem langen Meinungsbeitrag in seiner Schweiz am Wochenende kritisiert CH-Media-Verleger Peter Wanner SRF scharf: Ein Journalist nutzte Fischers vertrauliche Aussage beim Vorgespräch zu einem Porträt, um ihn kurz vor der Heim-WM zu enttarnen. Wanner sieht darin einen schwerwiegenden Vertrauensbruch. Das längst geahndete Delikt rechtfertige keine öffentliche Anprangerung. Er fordert Entschuldigungen von SRF und Eishockeyverband – und die Rehabilitation Fischers.

Keine Berichterstattung über Weltwoche-Story

Journalist Pascal Schmitz werde weiterhin unterstützt, so SRF-Chefredaktor Brenn im Schweiz am Wochenende-Interview. Seine Arbeit sei professionell gewesen, die Veröffentlichung von Fischers Verurteilung wegen der Fälschung des Covid-Zertifikats sei kein Vertrauensbruch gewesen. Zudem hätten die problematischen Facebook-Posts, die in der aktuellen Weltwoche veröffentlicht wurden, keinen Einfluss auf die Fakten der Recherche. Gleichzeitig distanziert sich Brenn ganz klar von diesen Äusserungen, betont aber, dass diese 2010, also vor Schmitz Anstellung beim SRF, geschrieben wurden. Nach deren Veröffentlichung verlor Schmitz seinen Job als Stadionsprecher bei den Rapperswil Lakers und wurde vorübergehend als SRF-Moderator zurückgezogen. Als eines der wenigen Medien berichtete SRG nicht über die «Weltwoche»-Recherche, was Brenn als Schutz gegenüber Pascal Schmitz im Schweiz-am-Wochenende-Interview begründete.

Reaktionen unterschätzt

Kritisch sieht SRF vor allem die heftigen öffentlichen Angriffe auf Schmitz, die als Gefahr für unabhängigen Journalismus sieht. Brenn räumt aber ein, dass man die Reaktionen nach der Fischer-Entlassung unterschätzt habe und Schmitz durch seinen TV-Auftritt zu stark exponiert wurde. Brenn verweist aber nochmals darauf, dass der Eishockeyverband Patrick Fischer, der kurz zuvor zum «Trainer des Jahres» gewählt wurde, entlassen habe und nicht das Schweizer Fernsehen.

Ob und wann Schmitz wieder vor der Kamera steht, ist offen; eine Kündigung ist nicht entschieden. Insgesamt bleibt SRF bei der Linie: inhaltlich korrekt gehandelt, aber kommunikativ teilweise unglücklich agiert. (ma/nil).


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KOMMENTARE

Christa Trösch
06.05.2026 19:43 Uhr
Patrick Fischer Wieder ein Mensch mehr, der durch die Medien kaputt gemacht worden ist. Dabei war dieses Vorgehen gar nicht nötig. Patrick Fischer hat seinen Fehler eingesehen und zugegeben, er wurde verurteit und bestraft, also erledigt. Und dies geschah vor sage und schreibe 4 (vier) Jahren. Zudem verlässt er Ende Mai sowie so die Eishockey Bühne. Die Ausstrahlung, keine andere Wahl, haha. Es gibt immer eine Mögichkeit. Warum Pascal Schmitz diese Geschichte überhaupt pubik gemacht hat, ist schleierhaft und fraglich. Insbesondere auf so fiese Art, unter Vorspielung falscher Tatsachen. Rolf Knie hat es treffend gesagt, "hinterhältiger" Journalismus. Dies ist doch kein Journalismus mehr, nur noch Sensationslust und Profitgier. Die Ausstrahlung dieser Geschichte ist doch für eine SRG unwürdig, Vorspielung falscher Tatsachen / in die Falle gelockt und lässt die Angelegenheit umso tragischer erscheinen. Das Vertrauen von Patrick Fischer wurde aufs schlimmste missbraucht und gehört bestraft.
Stefan Aerni
27.04.2026 20:45 Uhr
Die Meinung von Verleger Peter Wanner, der das Fernsehen SRF scharf kritisiert und Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer rehabilitieren möchte, ist höchst irritierend: Wenn der Nationaltrainer einen Journalisten trifft, muss er davon ausgehen, dass dies nicht bloss zum belanglosen Geplauder geschieht – zumal laut SRF auch keine „off the record“-Abmachung getroffen wurde. Hätte der Journalist die brisante Aussage zum gefälschten Covid-Zertifikat einfach unter den Teppich gekehrt, hätte er seinen Beruf verfehlt. Es ist nicht die Aufgabe eines Journalisten, im Hinblick auf die bevorstehende WM im eigenen Land ein möglichst gutes Umfeld zu schaffen, sondern zu berichten, was ist, und allfällige Missstände aufzudecken – selbst wenn dies zur Unzeit passiert. Man kann nur hoffen, dass Verleger Wanner den Gefälligkeits-Journalismus, der ihm offenbar vorschwebt, nicht auch seinen Redaktionen verordnet.
Toni Stadelmann
27.04.2026 06:18 Uhr
Die Intervention von Pascal Schmitz/SRF war völlig in Ordnung. Wanner (CH-Media), Schawinski (Radio-1) und Cavalli (Blick) beissen sich heute aufs Zahnfleisch weil sie nicht die Ersten waren, die Öffentlichkeit mit der sog. Neuigkeit zu beglücken. Das tut weh! Diese Drei wären genauso wie Schmitz an das Publikum getreten. Und das gehört sich auch so. Wer derart lügt, fälscht und bescheisst wie Fischer muss nicht geschützt werden. Als NATIONAL-Trainer gehört er an den Pranger gestellt.
Toni Stadelmann
27.04.2026 05:49 Uhr
Der CH-Media Verleger Peter Wanner und der Radio-1-Chef Roger Schawinski und im Schlepptau der BLICK kritisieren die Protagonisten von SRF weil diese die schwerwiegenden Rechtsverstösse von Patrick Fischer, Eishockey-Nationaltrainer der Schweiz, offengelegt haben. Das ist falsch. Gerade Medien haben die Pflicht, ungebührliches Verhalten von Führungspersonen ans Licht zu bringen und dieses nicht zu verschweigen, zu vertuschen und unter den Teppich zu kehren. Bravo Pascal Schmitz! WIR Volunteers werden auf Herz und Nieren überprüft - aber die Akteure und die Oberen im Sport können tun und lassen, was sie wollen. Das geht gar nicht.
Thomas Lüthi
25.04.2026 14:29 Uhr
Interessant an diesem Interview ist weniger, was gesagt wird, sondern was elegant umschifft wird. Chefredaktor Tristan Brenn demonstriert im Umgang mit der Affäre um SRF-Reporter Pascal Schmitz vor allem eines: Korpsgeist. Oder salopp gesagt: Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Natürlich distanziert sich SRF pflichtschuldig von den massiven rassistischen und sexistischen Altlasten von Schmitz. Damit ist die Angelegenheit für Brenn bereits erledigt. Andere reagieren klarer: Die Rapperswil-Jona Lakers verurteilten die Entgleisungen gemäss "Watson" vom 23.4.2026 deutlich und begrüssten den sofortigen Rücktritt Schmitz’ als Stadionspeaker. Umso auffälliger ist, was im Interview fehlt. Interviewer Patrik Müller verzichtet darauf, die naheliegende Frage zu stellen: Wie verträgt sich dieses Verhalten mit den moralischen Ansprüchen, die SRF sonst so gerne an andere anlegt? Gerade SRF inszeniert sich in ihren Beiträgen immer wieder als moralische Instanz der Nation. Stattdessen betreibt Brenn Schadensbegrenzung. Er schützt seinen Mitarbeiter, zieht ihn aus der Schusslinie und stilisiert ihn implizit zum Opfer. Eigene Fehler? Kaum. Als vermeintlichen Beleg für Selbstkritik verweist Brenn auf die Sendung «Club», in der externe Gäste SRF zum Fall Fischer kritisierten. Dies als Selbstkritik zu verkaufen, wie es Brenn im Interview macht, ist kühn. Pascal Schmitz wird seine Arbeit bei SRF fortführen. Für mich ist das ok. Ich bin kein Moralist und Schmitz sieht seine Fehler ja ein. Ich finde, er hat eine Chance verdient und man sollte ihn an seinen Leistungen von heute messen.
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