07.10.2026

SRF

Führung reagiert auf Protestbrief

Nach dem Abgang von Auslandchefin Susanne Brunner kritisierten 120 Radio-Mitarbeitende die Reorganisation bei SRF. Nun sucht die Co-Leitung der Information das Gespräch: Übernächste Woche soll ein Austausch stattfinden, wie aus ihrer Antwort hervorgeht, die persoenlich.com vorliegt.
SRF: Führung reagiert auf Protestbrief
Verlässt SRF nach 40 Jahren: Susanne Brunner, bisherige Auslandchefin von Radio SRF. (Bild: SRF/Thilo Remini)

Der Protestbrief, der persoenlich.com vorliegt, ging am Dienstag an die Co-Leitung der Information. Zuerst hatten die Zeitungen von CH Media darüber berichtet. Die Unterzeichnenden bemängeln, dass für Brunner kein «angemessener Platz in den neuen Strukturen» gefunden worden sei. Laut dem Brief wurde sie dazu gebracht, SRF zu verlassen.

Eine interne Mitteilung, die persoenlich.com zugespielt wurde, gibt Einblick in die Hintergründe: Brunner habe sich im Zuge der Neuorganisation auf eine neue Führungsfunktion beworben, die Wahl sei jedoch auf eine andere Person gefallen. Daraufhin habe sie auf eine Frühpensionierung verzichtet und stattdessen eine Kündigung durch SRF angenommen. Bis zu ihrem Austritt bleibe sie journalistisch für SRF tätig.

Die 62-Jährige arbeitet seit 40 Jahren für SRF, war Korrespondentin in den USA, in der Westschweiz und im Nahen Osten und moderierte elf Jahre das «Tagesgespräch». Die Rechtsfakultät der Universität Fribourg verleiht ihr die Ehrendoktorwürde. Neben ihr geben bei Radio SRF auch die Leiter der Wirtschafts- und der Inlandredaktion, Jan Baumann und Stefan Eiholzer, ihre Funktionen ab (persoenlich.com berichtete).

Grundsätzlich vermissen die Radioleute beim Umbau «publizistische Überlegungen». Es gehe vor allem um die Verbreitung der Inhalte, nicht um die Inhalte selbst. SRF führt derzeit die Chefredaktionen von Radio und Fernsehen zusammen, alle Kaderleute mussten sich neu bewerben.

Die beiden Co-Leitenden der Information, Ursula Gabathuler und Beat Soltermann, bestätigen in ihrer Antwort den Erhalt des Schreibens und danken den Unterzeichnenden, dass sie ihre Bedenken offen formuliert hätten. Man nehme die Anliegen ernst und wolle die Fragen und Kritikpunkte direkt besprechen. Wegen der Ferienzeit habe man den Termin übernächste Woche gewählt, damit möglichst viele teilnehmen könnten. Eine Einladung folge in den nächsten Tagen.

Gegenüber CH Media schrieb die SRF-Medienstelle, man werde die Anliegen intern aufarbeiten. Zu Personalien äussere man sich nicht. Bei der Fusion würden Führungsfunktionen neu ausgerichtet oder aufgehoben, dies sei kein Werturteil über die Betroffenen. (cbe)


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KOMMENTARE

Jürg Bissegger
08.10.2026 18:26 Uhr
Dass die Hierarchie Susanne Brunner "abserviert" sagt einiges über die (fehlende) Qualifikation der Führungsetage von SRF aus. Man spult den bürokratischen Prozess der Neu- oder Wiederbesetzung der Chefetagen ab und staunt, wenn dabei am Schluss eine konsternierende Fehlleistung hervorsticht.
Marianne Zaugg
08.10.2026 13:36 Uhr
Unglaublich, eine der besten Journalistinnen muss Radio SRF verlassen. Was haben sich wohl die Verantwortlichen dabei gedacht? Nichts, befürchte ich. Eine grosse Enttäuschung für viele. Ein grosser Verlust fürs Radio.
Barbara Kurt
08.10.2026 13:30 Uhr
SRF ohne Frau Brunner ist ein grosser Verlust! Vielen DANK für Ihre wertvolle, informative. und sehr professionelle journalistische Arbeit! Leider sind Abgänge von langjährigen tollen Moderatoren, Moderatorinnen, Journalisten und Journalistinnen immer ein Verlust! Schade, wenn sie nicht freiwillig gehen können! Ich hoffe, Frau Brunner wird anderweitig zu hören sein!
Brigitte Mader
08.10.2026 10:49 Uhr
Radio SRF ohne Susanne Brunner! Undenkbar. Sie ist eine der profiliertesten Journalistinnen. Ich bin erstaunt, dass SRF diese Qualitäten nicht zu schätzen weiss und Susanne Brunner gehen lässt.
Agnès Laube
08.10.2026 10:25 Uhr
Die Berichterstattung zum Nahen Osten von Susanne Brunner ist ein wichtiger Grund dafür, dass ich das Radio überhaupt einstelle. Ich habe kein Verständnis für die Entlassung...
Victor Brunner
08.10.2026 09:44 Uhr
Peter Beutler, "Sie war eine der profiliertesten Figuren von SRF", vielleicht ist das der Grund für den Rauswurf, die Frau hat Profil. Bei SRF ist Profil hinderlich, loyal, aalglatt und pflegeleicht ist gefragt. Zu sehen in Tagesschau und "10 vor 10", keine Persönlichkeiten keine Ausstrahlung, moderieren zusammen geklappt hinter Pulten auf den stehen könnte "hier die billigsten Mobile-Abos und Veloversicherungen". Roger Elsener hat gebracht was man erwarten konnte, das Flair von Privatradios in den Staatssender!
Max Stucki
08.10.2026 06:57 Uhr
Ich bin entsetzt und unglaublich wütend. Genau wegen Susanne Brunner und dem Echo der Zeit Team habe ich mich vehement gegen die Halbierungsinitiative engagiert, Geld gespendet etc. Und jetzt nach gewonnener Abstimmung werden ausgerechnet die Allerbesten rausgeekelt. Nur schon dieses Netzwerk an Kontakten sowohl in Israel wie auch im Gazastreifen und in der ganzen Nahostregion ist unersetzlich. Susanne Brunner hat es auch in ihrem gestrigen Beitrag zum Schrecken von 7. Oktober geschafft ausgeglichen zu informieren, während andere den Tag nutzten um neue Gräben aufzureissen. Susanne Brunner ist eine der einzigen, der es gelingt in diesem polarisierten Konflikt glaubwürdig über das unglaubliche Leiden auf allen Konfliktseiten zu berichten. Und ausgerechnet die Journalistin des Jahres, Ehrendoktor der Uni Fribourg wird rausgeekelt? Das darf doch nicht wahr sein.
Claude Bürki
08.10.2026 06:55 Uhr
SRF -- einmal mehr eine grosse Enttäuschung.
Flurina Pescatore
07.10.2026 21:09 Uhr
Ja ich bitte das unbedingt zu überdenken, so viel Können und Erfahrung ist für jedes Unternehmen das wertvollste überhaupt! Egal welchen Spareffekt eine Reorganisation bringen soll, die nächste Generation braucht solche Vorbilder! Die Qualität und Wirksamkeit von Frau Brunners Beiträge ist kaum zu überbieten. F. Pescatore
Afra Moser
07.10.2026 19:40 Uhr
Liebes Team Bitte lasst Frau Susanne Brunner bitte, bitte nicht gehen!!!! Sie ist eine Top-Journalistin!!!! Unglaublich, wenn diese grossartige Person nicht mehr am Radio zu hören wäre!!! Mit freundlichen Grüssen Afra Moser - Laager
Peter Beutler
07.10.2026 17:08 Uhr
Warum wurde ausgerechnet Susanne Brunner entlassen? Nach 40 Jahren erfolgreicher Tätigkeit bei Radio SRF, drei Jahre vor ihrer Pensionierung? Sie war eine der profiliertesten Figuren von SRF. Für ihre journalistische Arbeit wurde sie mehrfach ausgezeichnet — unter anderem wurde sie zur Journalistin des Jahres 2024 gekürt und erhielt, neben weiteren Ehrungen, die Ehrendoktorwürde der Universität Freiburg. Warum sie entlassen wurde, wurde nicht mitgeteilt. Zu Personalfragen äussert man sich nicht, hiess es, und stattdessen wurde auf geplante Umstrukturierungen verwiesen, von denen auch eine ganze Reihe weiterer Mitarbeitender betroffen sein soll. Ich kann nur spekulieren, und vielleicht liege ich damit richtig. In den vergangenen Jahren ist Susanne Brunner als Nahostkorrespondentin mit sehr direkten Berichten über den Krieg in Gaza und im Westjordanland aufgefallen. Das Ergebnis war erschreckend. Was sich derzeit in Gaza und im Westjordanland abspielt, ist nach meiner Einschätzung ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit — mit mehr als hunderttausend Getöteten und einem Mehrfachen an physisch und psychisch Verletzten. Dass die Lobby der Täter das nicht gern hört, ist nachvollziehbar. Im SRF hat sie sich offenbar durchgesetzt.
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