Während SRG- und Tamedia-Umfragen der Initiative «200 Franken sind genug» zuletzt 54 bis 57 Prozent Nein ausweisen, prognostiziert die Machine-Learning-Plattform Gradiom eine noch deutlichere Ablehnung: 63,8 Prozent Nein, kein einziger zustimmender Kanton. Einzig Appenzell Ausserrhoden könnte dem Modell zufolge in den optimistischsten Szenarien Ja stimmen, wie es bei Gradiom auf Anfrage heisst.
Hinter Gradiom steht Sébastien Perseguers, Doktor der Quantenphysik aus Freiburg. Seit 2020 publiziert er seine Prognosen öffentlich – mit einer durchschnittlichen Fehlerquote von plus/minus 3 Prozent, wie er sagt. Sein Modell wurde laut einem Bericht der La Liberté aus dem Jahr 2022 auf rund 100 historischen Abstimmungsobjekten trainiert und berechnet modellierte Endwerte – nicht bloss aktuelle Stimmungen. Dabei fliessen Parteiempfehlungen, amtliche Statistiken, Umfragedaten von GFS Bern und Tamedia sowie die Medientonalität aus dem Abstimmungsmonitor der Universität Zürich ein.
Die Diskrepanz zu klassischen Umfragen erklärt sich durch Gradioms Fokus auf den Endwert. «Umfragen versuchen nicht, das Endergebnis vorherzusagen – sie liefern nur Hinweise und einen Trend», so Perseguers am Sonntag zu persoenlich.com. «Da ich direkt das Endergebnis modelliere, bin ich überzeugt, dass meine Prognosen genauer sind als Umfragen.» Erfahrungsgemäss sinken Ja-Anteile im Abstimmungskampf – ein Trend, den zweite Wellen bei Tamedia (minus 8 Prozentpunkte) und SRG (minus 2 Prozentpunkte) bestätigen. Die Wahrscheinlichkeit einer Ablehnung durch Volk und Stände beziffert Gradiom auf 99,9 Prozent.
Die Initiative findet laut der jüngsten SRG-Umfrage fast ausschliesslich bei SVP-Sympathisanten Rückhalt (80 Prozent Ja), während in allen anderen Parteien, Sprachregionen, Einkommensklassen und bei Frauen das Nein dominiert. Entschieden wird am 8. März. Die Stimmbeteilung dürfte laut dem Modell von Gradiom bei 56,1 Prozent liegen.
KOMMENTARE
03.03.2026 18:23 Uhr
03.03.2026 12:48 Uhr
02.03.2026 17:02 Uhr

