02.03.2026

Halbierungsinitiative

Gradiom prognostiziert klares Nein

Kein Kanton zustimmend, rund 64 Prozent Nein – die Freiburger Data-Science-Plattform Gradiom sagt der Initiative «200 Franken sind genug» eine noch deutlichere Niederlage als die klassischen Umfragen vorher.
Halbierungsinitiative: Gradiom prognostiziert klares Nein
Gradioms Prognose in Rot: Laut dem Machine-Learning-Modell lehnen alle Kantone die Halbierungsinitiative ab. (Bild: KI-generiert, ChatGPT)

Während SRG- und Tamedia-Umfragen der Initiative «200 Franken sind genug» zuletzt 54 bis 57 Prozent Nein ausweisen, prognostiziert die Machine-Learning-Plattform Gradiom eine noch deutlichere Ablehnung: 63,8 Prozent Nein, kein einziger zustimmender Kanton. Einzig Appenzell Ausserrhoden könnte dem Modell zufolge in den optimistischsten Szenarien Ja stimmen, wie es bei Gradiom auf Anfrage heisst. 

Hinter Gradiom steht Sébastien Perseguers, Doktor der Quantenphysik aus Freiburg. Seit 2020 publiziert er seine Prognosen öffentlich – mit einer durchschnittlichen Fehlerquote von plus/minus 3 Prozent, wie er sagt. Sein Modell wurde laut einem Bericht der La Liberté aus dem Jahr 2022 auf rund 100 historischen Abstimmungsobjekten trainiert und berechnet modellierte Endwerte – nicht bloss aktuelle Stimmungen. Dabei fliessen Parteiempfehlungen, amtliche Statistiken, Umfragedaten von GFS Bern und Tamedia sowie die Medientonalität aus dem Abstimmungsmonitor der Universität Zürich ein.

Die Diskrepanz zu klassischen Umfragen erklärt sich durch Gradioms Fokus auf den Endwert. «Umfragen versuchen nicht, das Endergebnis vorherzusagen – sie liefern nur Hinweise und einen Trend», so Perseguers am Sonntag zu persoenlich.com. «Da ich direkt das Endergebnis modelliere, bin ich überzeugt, dass meine Prognosen genauer sind als Umfragen.» Erfahrungsgemäss sinken Ja-Anteile im Abstimmungskampf – ein Trend, den zweite Wellen bei Tamedia (minus 8 Prozentpunkte) und SRG (minus 2 Prozentpunkte) bestätigen. Die Wahrscheinlichkeit einer Ablehnung durch Volk und Stände beziffert Gradiom auf 99,9 Prozent.

Die Initiative findet laut der jüngsten SRG-Umfrage fast ausschliesslich bei SVP-Sympathisanten Rückhalt (80 Prozent Ja), während in allen anderen Parteien, Sprachregionen, Einkommensklassen und bei Frauen das Nein dominiert. Entschieden wird am 8. März. Die Stimmbeteilung dürfte laut dem Modell von Gradiom bei 56,1 Prozent liegen.


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KOMMENTARE

Raphael Weber
03.03.2026 18:23 Uhr
In der Tat Stefan Widmer, kann ich das beurteilen, da ich die Branche im DACH-Bereich sowohl von Privat TV-Sicht wie auch aus ÖRR-Sicht seit über 30 Jahren sehr gut kenne und sogar Teil davon war. Ich kann beurteilen was effektive Produktionskosten sind, ich weiss auch was es bedeutet ein 7x 24h Betrieb zu unterhalten und mir sind auch die technischen Möglichkeiten nicht entgangen. Aber vor allem ich vergesse nicht! Ich vergesse nicht, wie man sich mit Händen und Füssen wehrte, den Privaten einen Teil der Gebühren abgeben zu müssen. Ich vergesse nicht, welche leeren Versprechungen die Privaten auch gegenüber dem eignen Personal machten oder wie sie mit dem HDTV upgrade (wie ein Junkie) noch mehr Geld forderten und gleichzeitig Kantonsfenster für ZH/SH/TG und AG/SO von 5 wieder auf 2 reduzierten. Ich vergesse nicht das der Leistungsauftrag in den letzten 20 Jahren ebenfalls gekürzt wurde und die Gebührenausschüttung laufend erhöht wurde. Ich vergesse nicht, wie die SRG die einzigen Service Public Sender (ohne Werbung) Radio Swiss Pop, Swiss Jazz und Swiss Classic, an private verscherbeln wollte und Schweier Radio International einstellte. Ich vergesse nicht, dass SRF info einmal werbefrei war. Ich vergesse nicht, was vor der «no Billag» initiative versprochen wurde und was davon gehalten wurde https://www.blick.ch/politik/nach-no-billag-abstimmung-so-will-srg-den-betrieb-neu-auslegen-id8067140.html Schon Bundesrat Leuenberger musste sich mit den Gezeter und mordio Argumenten der Medienlobby herum schlagen, wie eindrücklich die eigene SRF Doku zeigt https://www.youtube.com/watch?v=gnpfz0h8NyM&t=1635s Hand aufs Herz, brauchts wirklich 6 klassische Radios, die sich gegenseitig konkurrieren? Brauchts wirklich mehrere Stunden Webcam Radio auf 3 von 7 SRG TV Sendern? Brauchts wirklich all die Serien, welche bereits parallel die privaten ankurbeln? Und Brauchs dafür alle 7000 Mitarbeiter mit bis 7Wochen Ferienanspruch? Diese «geschützte Werkstätte» muss sich nicht gegen eine Konkurrenz behaupten. Sie muss ergänzend wirken und nicht primärer den Platzhirsch stellen. In den letzten 10 Jahren wollte der ÖR nie über deren Aufgaben diskutieren. Das geht offenbar nur mit Druck und selbst dann… ergebnislos, wie die letzten 8 Jahre deutlich aufzeigen. Es geht auch mit weniger Budget, man muss nur wollen!
Stefan Widmer
03.03.2026 12:48 Uhr
An Raphael Weber. "Gemessen am Output ist die SRG zu teuer und zu ineffizient." Was mich jetzt Wunder nimmt. Das können sie beurteilen, weil sie was arbeiten? Sie sind CEO oder CFO bei einem Unternehmen in vergleichbarer Grösse? Sie wissen was wieviel kostet, können Lizenzen, Immobilien, Programm, Mitarbeiterkosten, etc.. einschätzen und Sie sind jetzt zu diesem Schluss gekommen. Oder wie darf ich das verstehen?
Raphael Weber
02.03.2026 17:02 Uhr
Gemessen am Output ist die SRG zu teuer und zu ineffizient. Täglich 5h Webcam aus dem Radiostudio ist kein Fernsehen. Auch Podcast ist kein Fernsehen und auch bebildertes Radio was sie Newsflash nennen ist kein Fernsehen was diesen Preis rechtfertigt. Mit einem NEIN wird sich daran nichts ändern! Im Gegenteil, man wird Wege finden die 300.- wieder zu erhöhen, wie es die GEZ und GIS der Nachbarn auch gerade versuchen. Wäre die SRG ehrlich, so würde man immerhin heute darauf hinweisen, dass nach der Abstimmung, so oder so, Replay Werbung eingeführt wird und man so oder so einige Standorte aufgeben wird (so wie man bereits nach der no Billag Abstimmung das Radiostudio Bern «wiedererwarten» ankündigte auflösen zu wollen).

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