25.04.2022

Ringier

«Ich bin ein Mensch mit allen Facetten»

In der neuen Show «Achtung, Reto, los!» trifft Blick-TV-Aushängeschild Reto Scherrer ab Dienstag alle zwei Wochen auf einen prominenten Gast. Ein Gespräch mit dem 46-jährigen Thurgauer über intime Fragen, schöne Anzüge und magische Hände.
Ringier: «Ich bin ein Mensch mit allen Facetten»
«Ich hantierte zuvor noch nie in meinem Leben mit einer Motorsäge», so Blick-TV-Anchor Reto Scherrer nach dem Interview-Dreh mit Mundart-Rocker Gölä. (Bilder: Philippe Rossier)

Herr Scherrer, wollen Sie gern hoch hinaus?
(Lacht.) Genau diese Frage stellte ich auch Ex-Bachelorette Adela Smajic, als wir auf der Feuerwehrleiter standen. In meinem Fall: Nein. Ich bin ein sehr bodenständiger Mensch.

Sie sprechen die Drehleiter an, die man im Trailer zu Ihrer neuen Sendung «Achtung, Reto, los!» auf Blick TV sieht. Sie sind in luftiger Höhe – trotz Höhenangst. Wachsen Sie gerne über sich hinaus?
In diesem Moment nicht. Um vorauszuschicken: Ich sagte meinem Team im Vorfeld, dass wir schon verrückte Dinge machen können, aber nichts, das mit Höhe zu tun hat. Ich habe noch nicht so lange Höhenangst, das kam erst mit dem Alter. Mittlerweile habe ich sogar Angst auf dem Sessellift oder dem Kletterturm. Für mich war klar: Feuerwehrleiter, 40 Meter über dem Boden, in einem kleinen Gefäss, das mache ich nicht.

Sie haben es dennoch gemacht.
Jemand, der weiss, was Höhenangst bedeutet, dem ist bewusst, dass so etwas nicht geht, ohne in Panik zu geraten und Angst um sein Leben zu bekommen. Erschwerend kam hinzu: Ich konnte lange die Augen geschlossen halten. Als wir aber zuoberst auf 40 Meter ankamen, haben sie begonnen, den Korb in Bewegung zu setzen. Da kam für mich der Moment, an dem ich die Produktion abbrach. Natürlich lief die Kamera weiter …

Bevor die Zuschauerinnen und Zuschauer diese Szene in voller Länge sehen werden, gibt es zum Auftakt am Dienstag ein Interview mit Gölä. Wie stark freuen Sie sich auf die Premiere?
Enorm. Gölä ist ein alter Weggefährte von mir – seit über 25 Jahren. Ich musste nicht noch erst ein Vertrauensverhältnis aufbauen, sondern wusste, dass ich mich auf ihn verlassen kann. Ich konnte auch Fragen stellen, die sich andere vielleicht nicht trauen würden. Ich freue mich sehr, dass Gölä mein erster Gast ist. Er gehört zu meinem Leben. Und was noch wichtig ist, wir durften als allererstes Kamerateam überhaupt bei Göla zu Hause filmen.

«Achtung, Reto, los!» hätte eigentlich viel früher starten sollen …
Genau. Und die Sendung hätte eigentlich einen anderen Namen haben sollen, nämlich «Reto sich, wer kann». Als Putin die Ukraine angriff, wussten wir, dass das so die nächsten Monate nicht mehr funktionieren wird. So haben wir uns für einen anderen Titel und einen späteren Sendestart entschieden.

«Dieses Schubladendenken ist in der heutigen Zeit nicht mehr legitim»

Seit etwas mehr als zwei Jahren moderieren Sie bei Blick TV die Newssendungen (persoenlich.com berichtete). Können Sie nun mit Ihrer neuen Sendung endlich wieder mal ausbrechen?
Es ist ja schon krass. Ich startete bei Blick TV, zwei Wochen später kam Corona. Und kaum entspannte sich die Pandemie, startete dieser Krieg. Das geht an die Substanz. Ich finde es schön, nun auch meine anderen Seiten zeigen zu können. Es gibt ja immer Leute, die sagen: «Jetzt ist er so seriös geworden und gar nicht mehr wie früher.» Woher nehmen diese Leute das Recht, jemanden zu beurteilen, wie er sein muss? Ich kann ernsthafte News verkaufen, aber auch lustig sein. Dieses Schubladendenken ist in der heutigen Zeit nicht mehr legitim. Ich bin ein Mensch mit allen Facetten.

Dann passen «U» und «E» zusammen, also Unterhaltung und ernste News?
Ich wehre mich mit aller Vehemenz dagegen, dass es nicht möglich sein soll, dass Nachrichtenleute auch ein Unterhaltungsformat machen können. Und es kommt ja auch immer wieder vor, denken wir in Deutschland beispielsweise an Markus Lanz – oder an ehemalige Sportreporter, die Unterhaltungsshows moderieren. Warum soll man das nicht können?

Schon Stephan Klapproth wagte den Spagat, indem er parallel zu «10 vor 10» bis 2004 auch noch «Quiz today» moderierte. Ich fand, er büsste als News-Anchor an Glaubwürdigkeit ein. Glauben Sie nicht, dass Sie ebenfalls an Glaubwürdigkeit verlieren könnten?
Absolut nicht. Ich machte mein Leben lang schon immer mehrere Dinge gleichzeitig. Ich war ja quasi während 15 Jahren der Unterhaltungsblock im «Donnschtig-Jass» mit Roman Kilchsperger. Später führte ich durch den «Samschtig-Jass». Gleichzeitig moderierte ich auf Radio SRF 1 die beiden Sendungen «Echo der Zeit» und «Rendez-vous» an. Die Glaubwürdigkeit der News ist das Kapital von SRF. Und dennoch machte ich beides – weil es wirklich funktioniert.

«Zu Hause bin ich der Geniesser und höre zu»

Und doch sind Sie eher das aufgedrehte Naturell – oder tue ich Ihnen hier unrecht?
Zu Hause bin ich es nicht. Dort erzählen meine Frau und die Kinder vom Tag. Ich bin der Geniesser und höre zu. Aber es stimmt: Im Beruf bin ich der, der auch schon mal lauter ist als andere.

Wie fühlen Sie sich wohler: In lockeren Shirts und Pullis wie in «Achtung, Reto, los!» oder hautengen Anzügen wie bei den News von Blick TV?
Eigentlich müsste ich sagen: im lockeren Pulli. Mittlerweile kriege ich aber immer mehr Komplimente für die schönen Anzüge, die ich bei Blick TV trage. Und ich fühle mich unterdessen auch wohl darin.

Reduzieren Sie nun Ihr Newsmoderations-Pensum wegen «Achtung, Reto, los!»?
Ja, tatsächlich ein wenig. Aber es sind nicht 20 Prozent, sondern vielleicht mal eine Sendung weniger in einer Woche. Ich glaube, der Blick-TV-Zuschauer wird es gar nicht bemerken.

Wie kam es überhaupt zu diesem neuen Format?
Dieser Wunsch wurde eigentlich seit dem Start von Blick TV gehegt, und verschiedene Ideen wurden geprüft. Einen gewöhnlichen Talk mit Prominenten wollte ich nicht, das gibt es bereits zuhauf. Mein Anspruch ist es, meinen Gästen etwas zu entlocken, dass man bisher nicht wusste. Und es soll einen Unterhaltungswert haben, also auch ich soll leiden. Daraus entwickelte sich dieses Format.

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Das Spezielle an Ihrer Sendung: Sie interviewen Ihre Gäste unter besonderen Herausforderungen. So befragen Sie Gölä, während Sie mit einer Motorsäge hantieren. Haben Sie den Dreh unverletzt überlebt?
Ich hantierte zuvor noch nie in meinem Leben mit einer Motorsäge. Ich hatte Angst vor einem Arbeitsunfall. Gölä versicherte mir, dass er eine Ausbildung habe und zeigte mir, wie das funktioniert. Es war aber eine Herausforderung: Ich musste einen richtig dicken Baumstamm zersägen und gleichzeitig ein Interview führen. Eine Herausforderung war aber auch die Feuerwehrleiter oder die Müllabfuhr …

… und all diese Beispiele erinnern mich ein wenig an «Sara machts». Bis 2016 probierte Sara Bachmann verschiedene Dinge aus. Sind Sie die neue Sara?
Nein. «Sara machts» schaute ich aber immer. Die Sendung war während zehn Jahren sehr erfolgreich. Dies war der Grund, weshalb wir auch mit Sara Bachmann eine Sendung aufzeichneten und sie mit einer speziellen Aufgabe konfrontierten. Ich fragte sie tatsächlich, ob sie gewisse Ähnlichkeiten sehe zu ihrem damaligen Format. Sie verneinte.

Von Ihren SRF-Zeiten sind Sie vermutlich aufwendigere Produktionen gewohnt. Wie professionell beurteilen Sie das Blick-TV-Produktionsteam?
Ich hatte in der Tat etwas Respekt davor und wusste nicht, wie das mit den neuen Kameras und den jungen Videojournalistinnen und Kameraleuten funktioniert. Seit ich die erste fertige Sendung mit Gölä gesehen habe, kann ich mit gutem Gewissen sagen: Das ist High-Quality-TV vom Feinsten. Wir haben Spezialisten im Team – wie Projektleiterin Nadine Sommerhalder –, die das alles zu einem Meisterwerk zusammenschneiden.

Zurück zum Trailer: Sie können Kühe so melken, dass die Milch fliesst, ohne weiteren Handeinsatz. Verraten Sie uns den Trick?
Das ist eine gute Frage. Nach dem Dreh mit G&G-Moderatorin Jennifer Bosshard fragte ich Renzo Blumenthal, wie das gehen konnte. Er meinte, er habe das noch nie erlebt. Normalerweise geht ja Melken so (er imitiert mit den Händen Melkbewegungen). Ich habe die Zitzen einmal runtergezogen und die Kuh liess während 20 bis 30 Sekunden einfach freien Lauf. Das hier sind magische Hände (lacht).

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In «Achtung, Reto, los!» steht «Reto» als Synonym für «fertig». Weil man nach dem Interview mit Ihnen fertig ist, also erledigt?
Das hoffe ich nicht. Alle Prominenten, mit denen wir bisher gedreht haben, sagten mir im Anschluss, dass sie ein solches Interview noch nie hatten. Was auch immer das zu bedeuten hat.


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