28.09.2026

Journalistenkongress 2026

«Ich habe die ganze WOZ-Redaktion eingeladen»

Eigentlich ist Ronnie Grob im Sabbatical. Trotzdem organisiert er als Präsident des Vereins für unabhängigen Journalismus einen neuen Journalistenkongress in Zürich, mit Referenten von NZZ und Blick bis Weltwoche und Junge Freiheit. Grob erklärt, wie das Programm zustande kam und wie der Anlass finanziert wird.
Journalistenkongress 2026: «Ich habe die ganze WOZ-Redaktion eingeladen»
«Andere wollten nicht kommen, weil jemand anderes, den sie nicht mögen, dabei ist», so Ronnie Grob, Präsident des Vereins für unabhängigen Journalismus. (Bild: Daniel Jung, Bearbeitung: Pixelcut)

Ronnie Grob, warum braucht die Schweiz einen weiteren Journalistenkongress?
Als früherer Medienkritiker beobachte ich die Journalisten seit 2006: Jedes Jahr werden sie weniger. Denn immer mehr wechseln auf die Seite der Public Relations und immer weniger haben die Möglichkeit, machtkritischen Journalismus zu betreiben. Und die, die verblieben sind oder neu hinzukommen, reden oft nicht miteinander, sondern bekämpfen einander. Unser Verein will diesen machtkritischen Journalisten, die Unabhängigkeit einfordern, ein Forum bieten – im Sinne der freien Rede und im Sinne der Aufklärung. Für das Funktionieren des freien, demokratischen Rechtsstaats sind machtkritische Journalisten unverzichtbar. Deshalb wollen wir sie unterstützen.

Sie sind im Sabbatical und organisieren einen Kongress. Wie viel Auszeit steckt in Ihrer Auszeit?
Ich antworte aus Palermo und war dieses Jahr länger in Indien, Japan, Mittelamerika und Südeuropa unterwegs. Die Auszeit steht im Vordergrund.

«Wir haben Medienleute aus den wichtigsten Medienhäusern im gesamten deutschsprachigen Raum eingeladen»

Laut Statuten setzt sich der Verein für unabhängigen Journalismus (UJ), den Sie präsidieren, nicht nur für Pressefreiheit ein, sondern auch für die Stärkung des Privateigentums. Was hat das mit Journalismus zu tun?
Ohne persönliche Freiheitsrechte und ohne Eigentumsgarantie kann es gar keinen staatskritischen Journalismus geben. Überall dort, wo das nicht garantiert ist, werden Journalisten getötet oder weggesperrt. Welcher Journalist also würde sich nicht dafür einsetzen?

Der erste Journalistenkongress findet am 16. und 17. Oktober in Zürich statt. Nach welchen Kriterien haben Sie die Referentinnen und Referenten ausgewählt?
Wir haben Medienleute aus den wichtigsten Medienhäusern im gesamten deutschsprachigen Raum eingeladen: Journalisten und Publizisten, die etwas zu sagen haben. Einige haben abgesagt, weil sie keine Zeit hatten. Andere wollten nicht kommen, weil jemand anderes, den sie nicht mögen, dabei ist.

Auf der Rednerliste stehen auffällig viele Namen aus rechtsbürgerlichen bis rechtskonservativen Medien: Nebelspalter, Weltwoche, Kontrafunk, Apollo News, Exxpress, Junge Freiheit. Wie überparteilich ist ein Kongress, bei dem so viele Referenten aus demselben politischen Lager kommen?
Überparteilich? Mit Parteien haben wir gar nichts zu tun. Aber ich habe es selbst erlebt: Rechtsbürgerliche Journalisten werden vom linksliberalen Mainstream oft einfach totgeschwiegen. Ich etwa war von 2019 bis 2025 Chefredaktor des Schweizer Monats und wurde nicht einmal an einen Journalistenkongress eingeladen. Wie einseitig also sind diese Veranstaltungen? Die linksbürgerliche und linkskonservative Seite soll bei uns vertreten sein: Ich habe die ganze WOZ-Redaktion eingeladen, bei uns auf der Bühne zu reden – sie will aber nicht. Auch Vertreter der Republik haben abgesagt. Ein WOZ-Redaktionsmitglied hat sich aber nun immerhin als Teilnehmer angemeldet.

Sie haben vor einem Jahr in einem persoenlich.com-Interview Kolleginnen und Kollegen vorgeworfen, sich auf Bluesky zur «gegenseitigen Fellpflege» zurückzuziehen. Wer widerspricht Ihnen auf Ihrer eigenen Bühne?
Sich zuerst verweigern und sich dann beklagen, es sei einseitig? Das geht für mich nicht auf.

Am Freitagabend diskutieren unter der Leitung von Matthias Ackeret Eric Gujer, Patrik Müller und Rolf Cavalli, also genau jener «Mainstream», den Sie oft kritisieren. Ist das Annäherung, Konfrontation oder Reichweitenkalkül?
Weder noch, es ist viel simpler. Das Thema dieser Podiumsdiskussion am Abend lautet «Ist die Tageszeitung bereits tot?». Folglich habe ich Chefredaktoren der grossen Tageszeitungen angefragt. Und sie haben zugesagt.

«Ich selbst habe mit Medienkritik beruflich längst abgeschlossen»

Kurt W. Zimmermann spricht über «Krähen, die nicht hacken». Welche würden Sie gerne einmal hacken?
Auf Zimmis Vortrag bin ich besonders gespannt: Seine These ist, dass die etablierten Schweizer Medienkonzerne inzwischen so ineinander verflochten sind, dass sie aufgehört haben, einander zu kritisieren. Ich selbst habe mit Medienkritik beruflich längst abgeschlossen; beim Schweizer Monat habe ich versucht, es besser zu machen.

Welcher Programmpunkt interessiert Sie persönlich am meisten?
Die Carte Blanche am Morgen: Zwei Journalistinnen und ein Journalist sagen frei heraus, warum sie den Beruf ergriffen haben, warum sie ihn nach wie vor lieben und warum sie ihn nicht verlassen wollen.

Der Kongress ist kostenlos, The Circle Zürich ist kein günstiger Ort. Wer bezahlt das?
Wir finanzieren unsere Arbeit über Mitgliederbeiträge, Partner und Spenden. Ich verstehe den journalistischen Reflex, hier kritisch nachzufragen. Aber warum eigentlich? Müsste man sich als Journalist nicht freuen, gefördert zu werden und ein Forum zu erhalten? Roger Schawinski schrieb im Frühling in der NZZ, dass heute «auch profitorientierte Medien um das nackte Überleben» kämpfen. Es sei deshalb notwendig, «dass möglichst viele Stiftungen ihren Stiftungszweck auf diese neuen Bedürfnisse erweitern». Mit dem Kongress macht unser Verein nur ein Angebot – man muss es nicht annehmen.

Als Chefredaktor des Schweizer Monats waren Sie stolz darauf, ohne Subventionen auszukommen. Die Statuten Ihres Vereins sehen Subventionen von öffentlichen Stellen ausdrücklich vor. Wie passt das zusammen?
Wir erhalten keine Subventionen von öffentlichen Stellen und haben auch keine beantragt; wir haben das aber in den Statuten nicht ausgeschlossen für die Zukunft.

Wie viele Anmeldungen haben Sie bisher?
Mehr als 120 Leute passen nicht rein. Ich hoffe, es wird nicht zu eng.

Was muss nach diesen zwei Tagen passiert sein, damit der Kongress für Sie ein Erfolg war?
Wenn sich Journalisten, denen die freie Rede und ihre Äusserung ein Anliegen sind, auf zivilisierte Weise im Sinne der Aufklärung miteinander ausgetauscht haben. Es mag einigen lächerlich erscheinen, dass ich mich auf die Werte der Aufklärung beziehe, aber darum geht es: Der Frieden endet, wenn man aufhört, miteinander zu reden. Um den grossen Reporter Eugen Sorg zu zitieren: «Die Zivilisation ist eine ganz dünne Schicht, die auch bei uns jederzeit brechen kann. Dass wir hier zivilisiert zusammenleben, ist ein kleines Wunder, das überhaupt nicht gesichert ist.»

Auf LinkedIn steht bei Ihnen: «back 2027». Zurück wohin?
Das weiss ich derzeit wirklich noch nicht. Lassen wir uns überraschen!



Das Interview wurde schriftlich geführt. Auf Nachfragen konnte Ronnie Grob am Sonntag nicht mehr antworten.


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KOMMENTARE

Ueli Custer
28.09.2026 11:22 Uhr
Über diese Antwort bin ich auch gestolpert. Wer sind diese Partner und Spender?
Mirko Mandic
28.09.2026 10:21 Uhr
Ich zitiere: "Wir finanzieren unsere Arbeit über Mitgliederbeiträge, Partner und Spenden. Ich verstehe den journalistischen Reflex, hier kritisch nachzufragen. Aber warum eigentlich? Müsste man sich als Journalist nicht freuen, gefördert zu werden und ein Forum zu erhalten?" Kurze Rückfrage: Hängt diese Freude nicht wenigstens minimal davon ab, von wem man gefördert wird?