Herr Schawinski, in der NZZaS wurden Sie kritisiert, weil Sie in der Nacht auf Ihrem Radiosender Radio 1 KI-generierte Musik spielen. Darüber hatte auch persoenlich.com berichtet. Was ist der Grund dafür?
Die Suisa zwingt uns dazu. Sie will von uns selbst für Musik in den tiefsten Nachtstunden abkassieren, in denen wir kaum Hörer und gar keine Werbeeinnahmen haben.
Könnte man nicht weiterhin Suisa-freie Musik spielen, wie Sie es früher gemacht haben?
Ja, aber KI-Musik ist besser, aktueller, spannender. Wir nutzen dafür nur die Zeit zwischen 2 und 5 Uhr früh.
«KI hat bisher noch keine generelle Regelung des Urheberrechts erreicht. Das muss sich ändern»
Wie viel Geld sparen Sie durch diese Aktion ein? Oder anders gefragt: wieviel Geld zahlen Sie der Suisa jährlich?
Ich habe über die Jahre Millionen an die Suisa bezahlt. Auch heute noch sind es jedes Jahr sechsstellige Beträge. Ich habe mit den Privatradios eine ganze Branche lanciert, die der Suisa seit Jahrzehnten gewaltige Beträge in die Kasse spült. Dabei ist die Suisa übergriffig. So verlangt sie etwa auch einen Teil der Einnahmen aus Gegengeschäften, die rein gar nichts mit der Nutzung von Musik zu tun hat.
Können Sie die Argumentation der Suisa nachvollziehen, wonach durch KI-generierte Songs das Urheberrecht verletzt und Künstlerinnen und Künstler um ihr zustehendes Geld gebracht würden?
Ich kenne die Argumentation der Suisa nicht. Tatsache ist: KI hat bisher noch keine generelle Regelung des Urheberrechts erreicht. Das muss sich ändern. Aber es kann nur darum gehen, dass die Provider in die Pflicht genommen werden, die grossen Portale wie ChatGPT oder Claude. Dazu laufen in den USA einige Prozesse, die aber keine klaren Entscheide liefern. Wenn die Suisa glaubt, dass Urheberrechte verletzt werden, müsste sie also etwa Suno einklagen, den grössten Anwender von KI-generierter Musik, deren Angebot wir nutzen. Wobei Suno zurzeit bereits Verträge mit den grossen Musikfirmen abschliesst. Der mit Warner Music Group ist bereits unterschrieben.
Der langjährige Kassensturz-Moderator und heutige Nationalrat Ueli Schmezer (SP/BE) wird in der NZZaS mit der Aussage zitiert, wonach ein Radio, das KI-Musik spiele, gewissermassen Hehlerei betreibe. Fühlen Sie sich durch diesen Vorwurf angesprochen?
Das ist dumm und ehrverletzend. Dieser Vorwurf würde alle Nutzer von ChatGPT treffen, wohl auch Schmezer.
Werden Sie nun juristisch gegen diese Äusserung vorgehen?
Ich prüfe dies zurzeit. Ueli Schmezer sucht laufend verzweifelt nach Aufmerksamkeit. Beim «Kassensturz», den ich erfunden habe, hat er sich als Moderator jahrzehntelang ins gemachte Bett gelegt, und allein durch die so erlangte Publizität seine politische Karriere lanciert. Selbst hat er nie eine brauchbare kreative Idee produziert.
«Wegen KI muss sich die Suisa neu positionieren»
Die Europäische Union führt bereits nächsten Monat eine Kennzeichnungspflicht für KI-Kreationen ein. Ist dies in Ihrem Sinne?
Absolut. Ich stehe auf der Seite der KI-Regulation. Der EU AI-Act tritt schon sehr bald in Kraft. Ich bin bei Modulos, jener innovativen Schweizer Firma, finanziell engagiert, welche die dazu notwendige Software-Applikation für alle Compliance-Fälle geschaffen hat.
Tauschen Sie sich momentan mit der Suisa über diese Angelegenheit aus?
Dazu sehe ich keinen Grund. AI ist eine fulminante Entwicklung, die innerhalb von nur vier Jahren alle Lebensbereiche erfasst hat. Wir müssen lernen, damit sinnvoll umzugehen. Dies gilt für uns alle, auch für die Suisa, welche sich entsprechend neu positionieren muss.
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14.07.2026 17:48 Uhr

