Hanspeter Lebrument, was ist in Sie gefahren? Sie verlangen als Bündner Verleger eine TV-Konzession für Zürich.
Das ist gar nicht so utopisch. In Amerika zum Beispiel ist dies gang und gäbe. So betreibt ein New Yorker Printunternehmen seine TV-Station in einem anderen Landesteil. Dies dient zur Machtbrechung der grossen Medienhäuser.
Ausgangslage meiner Idee ist etwas anderes: Wenn die lokalen TV-Sender Gebührenanteile bekommen sollten, müssen sie auch wieder neu konzessioniert werden. Das grösste Medienhaus einer Region bekommt nun sowohl die Radio- und TV-Konzession. Das finde ich ungerecht. Ich fordere nun, dass wir zukünftig zum Beispiel Fernsehen für Zürich machen, Tamedia das Gleiche für Graubünden. Das wäre gelebter Föderalismus. Weil die grossen TV-Stationen in den tiefroten Zahlen senden, wollen sie nun alle Krücken: staatliche Unterstützung, ein grosses Sendegebiet und mit dem TeleNews-Kombi eine potente Verkaufsorganisation.
Das tönt aber weinerlich. Die Südostschweiz ist in Ihrem Stammgebiet mit eigenem Radio und Fernsehen auch ein Monopolist.
Mit diesem Vorschlag würde auch unser Monopol gebrochen. Tamedia würde mit ihrem Bündner Fernsehen sicher einigen Wind in unsere Region bringen. Als TV-Betreiber einer Randregion wie Graubünden sind wir bereits jetzt benachteiligt und zwar doppelt. So profitieren vom TeleNews-Kombi, einem Werbezusammenschluss der Schweizer Privat-TV-Sender, lediglich die Grossen im Goldenen Dreieck wie TeleZüri, TeleBern, TeleBasel und die beiden Stationen der AZ-Gruppe Tele M 1 und TeleTell. Kleinere Sender wie das Schaffhauser Fernsehen oder TeleSüdostschweiz bekommen nur wenig, d.h. sie senden die TeleNews-Spots gratis aus oder legen drauf. Hier wird sogar die NZZ zur armen Frau; während Tamedia im Werbeverbund auf 100 Franken Werbeeinnahmen 57 Franken verdient, bekommt TeleOstschweiz, das der NZZ gehört, von diesen 100 Franken nur 3.50 Fr.
Ihre Unzufriedenheit über den TeleNews-Kombi ist das Eine, warum sollte aber gerade der Staat Ihr Anliegen unterstützen?
Das wäre gelebter Föderalismus. Bis anhin profitieren die Sender in der Grossagglomerationen dreifach: Zum einen bekommen sie vom UVEK ein grösseres Sendegebiet wie TeleZüri oder TeleBärn, zum anderen sind sie im TeleNews-Kombi bevorzugt. Ich begreife auch die SRG nicht. Zwar sprechen sie andauernd von Idée Suisse, am Ende arbeiten sie auch mit dem TeleNews-Kombi zusammen, der nur die potenten Stationen unterstützt. Sie sehen, als Kleiner hat man in der Schweiz nur wenig Chancen. Da unsere Medienhäuser Wert auf den demokratischen Aufbau legen, haben sie sicherlich nichts gegen eine Neuverteilung der Konzessionsgebiete.
Aber wie wollen Sie überhaupt Fernsehen für Zürich machen?
Besser, vor allem viel billiger. Für Zürich wäre ich eine Bombe. Während TeleZüri einen Verlust von einem zweistelligen Millionenbetrag erwirtschaftet, beträgt das Defizit bei TeleSüdostschweiz dieses Jahr 30'000 Franken.

