Immer wenn in der Vergangenheit private Radios grössere Sendegebiete oder gar ein Sendegebiet für die gesamte Deutschweiz forderten, bekamen sie -- fast schon gebetsmühlenartig -- vom Bundesamt für Kommunikation die selbe Antwort zu hören: Aufgrund der Frequenzknappheit sei dies leider nicht möglich.
Für Kurt W. Zimmermann zeigt sich nun an der Euro, dass das Bakom jahrelang geschwindelt hat: Während der Fussball-EM war nämlich Radio 11 auf Sendung und dies in allen grossen Städten der Deutschschweiz. Die Radiostation sendete auf zwei UKW-Frequenzen im Grossraum Zürich und auf je einer Frequenz in Bern, Basel, und Genf. "Damit endete der alte Beschiss mit der Frequenzknappheit", schreibt der Medienkolumnist in der aktuellen Ausgabe der "Weltwoche".
Nach der Auffassung von Zimmermann muss nun etwas geschehen: "Wenn das Bakom und sein Verbündeter, die SRG, nur etwas Sportsgeist haben, dann ist die Öffnung des Radiomarktes nun unausweichlich." Zu den fünf Frequenzen von Radio 11 müsse man bloss ein paar zusätzliche Frequenzen in der Ostschweiz, in Luzern, im Mittelland und in der Westschweiz addieren. Dieses Bündel wäre dann ein erster Schritt, damit ein privater Veranstalter mit einer halbwegs landesweiten Abdeckung gegen die DRS-Programme antreten könnte.
Dass die Einführung des ersten sprachnationalen Deutschschweizer Privatsenders so einfach über die Bühne gehen könnte, bestreitet allerdings das Bakom. "Radio 11 wird nicht in der ganzen Deutschschweiz verbreitet, sondern nur in den Host Cities der Euro 08. Für einen Sender, der in der ganzen Deutschschweiz zu empfangen ist, wären die Koordinationsprobleme ungleich grösser.", erklärt Bakom-Sprecher Bernhard Bürki auf Anfrage von "persoenlich.com".
Das Bakom hat laut eigenen Angaben während der Euro ein Auge zugedrückt, was die Qualität der Verbreitung betrifft. Nur weil die Sicherheitsabstände zwischen den einzelnen Frequenzen verkürzt worden seien, habe Radio 11 in den vergangenen Wochen in den grossen Städten verbreitet werden können. Dies jedoch könne dazu führen, dass andere Sender gestört werden.
Das Bakom hält damit trotz Radio 11 am Argument der Frequenzknappheit fest: "Dauerhaft können wir den Radiosendern, die von uns eine Konzession erhalten haben, nicht zumuten, dass sie in ihrem Sendegebiet gestört werden oder ihre Hörer den Sender gar nicht empfangen können", so Bürki.

