05.05.2026

SwissMediaForum

«Lieber ein toller Anlass als zwei gute»

Das SwissMediaForum findet zum 15. Mal statt – mit einem Post-Corona-Rekord, einem neuen Co-Moderationsduo und Klaus Schwab, der nach seinem WEF-Abgang erstmals wieder auf einer öffentlichen Bühne steht. Gründer Patrik Müller blickt zurück auf Terrordrohungen, internationale Highlights und eine Heirat der Vernunft.
SwissMediaForum: «Lieber ein toller Anlass als zwei gute»
«Die Schweiz hat aller Schwarzmalerei zum Trotz eine vielfältige und reichhaltige Medienlandschaft», so Patrik Müller, Initiant und Co-Programmleiter. (Bilder: SwissMediaForum/Severin Bigler)

Patrik Müller, das SwissMediaForum, das am Donnerstag und Freitag in Luzern stattfindet, wird 15. Gibt es eine Geburtstagstorte?
Es gibt wie immer etwas Süsses, aber die Torte sparen wir uns zum 20. auf.

Haben Sie bei der Gründung gedacht, dass Sie einmal das 15. SwissMediaForum durchführen würden?
So weit habe ich nicht gedacht. Es ist so viel passiert seither. Man kann auf unserer Website alle Videos der letzten 15 Jahre abrufen, ich habe mir nochmals die allererste Elefantenrunde angeschaut. Da erklärte Tamedia-CEO Martin Kall, er suche einen Käufer für TeleZüri. Ringier-CEO Christian Unger zeigte Interesse an einer Übernahme. AZ-Medien-CEO Christoph Bauer sprach über eine mögliche Kooperation mit der Basler Zeitung. Und NZZ-CEO Polo Stäheli sagte, er wolle die Regionalzeitungen in der Zentral- und Ostschweiz weiter ausbauen. Einiges ist anders gekommen.

«Das war ein Highlight»

Was war der Höhepunkt der letzten 15 Jahre – der Moment, wo Sie sich dachten: Genau dafür mache ich das?
Im zweiten Jahr kam New-York-Times-Chefredaktorin Jill Abramson nach Luzern. Das war ein Highlight und öffnete uns später die Tür für andere internationale Top-Referenten. Besonders in Erinnerung ist mir auch der Auftritt von Nick Hayek, der den Medien die Leviten las.

Und der Tiefpunkt? Gab es eine Ausgabe, bei der Sie sich hinterher gedacht haben: Das hätte besser laufen können?
2015 geschah etwas, was wir uns nie hätten vorstellen können: Islamistische Terrordrohungen. Es war wenige Monate nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo. Wir hatten den ägyptischen Komiker Bassem Youssef und Jørn Mikkelsen eingeladen, den Chefredaktor von Jyllands-Posten. Die Polizei verbot uns am zweiten Tag, ins KKL zu gehen. Wir machten aus der Not eine Tugend und wechselten kurzfristig auf das Kongressschiff. Seither ist es fester Bestandteil des Programms.

Sie haben in 15 Jahren viele Gäste auf der Bühne erlebt. Wer war der komplizierteste – die grösste Diva, die Sie am meisten Nerven gekostet hat?
Komiker Bassem Youssef weigerte sich trotz Terrordrohung, im Hotel zu bleiben. Er spazierte einfach dem See entlang. Das war irgendwie sympathisch, brachte mich aber bei der Polizei in Erklärungsnot.

Und wen hätten Sie in 15 Jahren gerne auf der Bühne gehabt – Ihr grösster Wunschgast, der bisher nie kam?
Dieses Jahr wäre Jimmy Kimmel unser Wunschgast gewesen. Man muss das vermeintlich Unmögliche versuchen, nie aufgeben. Irgendwann klappts, diese Erfahrung haben wir wiederholt gemacht.

Wie kam es überhaupt dazu, dass der Verlegerkongress 2016 mit dem SwissMediaForum zusammengelegt wurde? War das ein logischer Schritt oder eher eine Heirat der Vernunft?
Es war schlicht vernünftig, das junge SwissMediaForum mit dem fast 100-jährigen Verlegerkongress zusammenzuführen. Lieber ein toller Anlass als zwei gute. Anfänglich hatte der damalige Verlegerpräsident Hanspeter Lebrument keine Freude am Aufkommen des SwissMediaForum, aber 2016 fanden wir dann zusammen.

«Was den Newswert betrifft, bin ich diesmal nicht nur auf die Medienakteure gespannt»

Letztes Jahr wurde der Deal zwischen der SRG und dem Verlegerverband quasi als Primeur präsentiert. Was ist dieses Jahr die Überraschung?
Es gab schon früher Primeurs, etwa die Lancierung der Login-Allianz. Was den Newswert betrifft, bin ich diesmal nicht nur auf die Medienakteure gespannt, sondern auch auf Klaus Schwab, der nach dem Abgang beim WEF erstmals wieder auf einer öffentlichen Bühne steht.

Ringier-CEO Marc Walder prophezeit, dass langfristig nur drei Digitalmarken überleben – NZZ, Blick und 20 Minuten. Sie haben scharf widersprochen. Wird diese Grundsatzdebatte über die Zukunft der Regionalmedien auch am SwissMediaForum geführt?
Auf jeden Fall. Ich bin Marc Walder dankbar, dass er das Forum lanciert hat. 

Ein noch grösseres Thema: Die «Causa Fischer» bewegt die Schweiz seit Wochen. Wird auch das am SwissMediaForum ein Thema sein?
Eher im Off als auf der Bühne, da zurzeit keiner der Hauptakteure reden will.

Zum ersten Mal führt in diesem Jahr ein Co-Moderationsduo durch das Forum: Eveline Kobler und Benjamin Fisch. War Ihnen der Moderationsstil von Maria Victoria Haas zu kritisch?
Maria kam beim Publikum und bei mir sehr gut an. Aber nach sechs Veranstaltungen entschied sie sich aufzuhören. Nach drei Einzelmoderatorinnen – Carolin Roth, Susanne Wille und Maria Victoria Haas – setzen wir nun auf eine Co-Moderation. Ein Jahr nach dem SRG-VSM-Deal haben wir jetzt ein Duo aus SRG und privaten Medien.

«Das KKL ist schwer zu toppen»

Das KKL Luzern ist seit Jahren die Heimat des SwissMediaForums. Steht das in Stein gemeisselt – oder haben Sie auch schon über Alternativen nachgedacht?
Darüber reden wir immer wieder, auch darüber, ob wir in der Westschweiz präsent sein können. Aber das KKL ist schwer zu toppen. Das Kongresszentrum und seine Lage am See schaffen eine ganz spezielle Atmosphäre.

Druckversuche, Boykottdrohungen, Medienhäuser, die nicht mitmachen wollten: Gab es das? Wie unabhängig ist das SwissMediaForum wirklich?
Als Programmleiter wollen Arthur Rutishauser und ich einfach ein Programm, das möglichst spannend ist. Natürlich berücksichtigen wir über die Jahre, dass alle Medienhäuser angemessen vorkommen. Und auch kleinere sollen ihre Chance haben, so traten die Chefredaktorin des Bote der Urschweiz und der Verleger des Quotidien jurassien auf. Aber selbst in turbulenten Zeiten, etwa als Ringier aus dem Verband austrat, hatte das Forum immer mit allen ein gutes Einvernehmen.

Die Medienbranche schrumpft stetig. Spürt das SwissMediaForum diesen Trend – weniger Teilnehmende, weniger Sponsoren, kleineres Budget?
Bei der Teilnehmerzahl sind wir stabil bis steigend, dieses Jahr resultiert ein Post-Corona-Rekord. Im Sponsoring dürfen wir auf langjährige Unterstützer und dieses Jahr auch auf zwei neue zählen. Mit den Medienunternehmen CH Media, NZZ, Ringier, SRG und TX Group sowie mit dem Verlegerverband haben wir eine Trägerschaft, die Stabilität verleiht.

Was wünschen Sie sich für die nächsten 15 Jahre – für das SwissMediaForum und für die Schweizer Medienbranche?
Die Schweiz hat aller Schwarzmalerei zum Trotz eine vielfältige und reichhaltige Medienlandschaft. Diesen Wert kann man nicht hoch genug einschätzen. Einmal im Jahr am SwissMediaForum – und jeden Tag auf persoenlich.com – sieht man, wie lebendig diese Branche ist. Ich hoffe, dass das so bleibt – und dass KI uns mehr hilft als schadet.


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