Nora Zukker hat ihre Stelle bei Tamedia verloren. Die Literaturredaktorin des Tages-Anzeigers machte ihre Entlassung am Mittwoch auf Instagram publik. Die Kündigung erfolge aus wirtschaftlichen Gründen, schreibt Zukker. Sie sei fassungslos, aber nicht sehr überrascht: «Die Kultur wird beim Tages-Anzeiger derart weggespart, dass es einem schwindelig wird.» Es ist die erste namentlich bekannte Kündigung im Rahmen der aktuellen Abbaurunde.
Tamedia hatte am 5. Oktober den Abbau von 34 Vollzeitstellen angekündigt (persoenlich.com berichtete). Betroffen sind 41 Mitarbeitende: 28 in den Deutschschweizer Redaktionen, neun in der Westschweiz und vier beim Print-Desk. Sie sollen bis Ende Oktober informiert werden.
Tamedia wollte die Entlassung Zukkers auf Anfrage von persoenlich.com weder bestätigen noch kommentieren. Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes werde man auch dann keine Stellung nehmen, wenn Betroffene ihre Entlassung selbst publik machten, teilt Sprecher Edi Estermann auf Anfrage mit.
Man lobte sie für ihre «hohe Kompetenz»
Zukker leitet seit 2021 die Literaturredaktion des Tages-Anzeigers als Nachfolgerin von Martin Ebel. Zuvor arbeitete sie als freie Kulturjournalistin, unter anderem für SRF, und als Moderatorin. 2023 und 2025 wurde Zukker zur Kulturjournalistin des Jahres gewählt. Vor ihrem Stellenantritt zeigte sich man sich bei Tamedia «überzeugt, dass sie die Literaturredaktion mit ihrer hohen Kompetenz erfolgreich weiterführen wird.» Auf die Fragen, ob Zukkers Kündigung etwas über die künftige Literaturberichterstattung aussage und nach welchen Kriterien der Abbau erfolge, ging Tamedia-Sprecher Estermann nicht ein.
Als Gründe für die erneute Entlassung zehlreicher Journalistinnen nud Journalisten nannte das Unternehmen die veränderte Mediennutzung und den rückläufigen Werbemarkt. Zudem sollen sich die Redaktionen an klareren publizistischen Prioritäten ausrichten. Ressourcen sollen gemäss Medienmitteilung «gezielter dort eingesetzt werden, wo sie für die zahlende Leserschaft den grössten Wert schaffen». Bereits im März hatte CEO Jessica Peppel-Schulz gesagt, die Redaktionen sollten sich auf das konzentrieren, was der Leserschaft am meisten bringe. Anderes wolle man automatisieren.
Am Dienstag protestierten gegen 400 Personen vor dem Tamedia-Hauptsitz an der Werdstrasse in Zürich gegen die Entlassungen. Die Geschäftsleitung hält an den Massnahmen fest. Tamedia hatte 2024 nach dem Abbau von 55 Vollzeitstellen zugesichert, bis Ende September 2026 keine Journalistinnen und Journalisten zu entlassen. Fünf Tage nach Ablauf dieser Frist kündigte das Unternehmen die nächste Abbaurunde an.

