15.08.2026

Meier + Cie AG

Marcel Kohler für eine indirekte Medienförderung

Der Verwaltungsratspräsident des Meier-Medienhauses äussert sich zur finanziellen Lage des Unternehmens und erklärt, warum er selbst als Liberaler eine indirekte Medienförderung in Schaffhausen begrüssen würde.
Meier + Cie AG: Marcel Kohler für eine indirekte Medienförderung
Die Unabhängigkeit des Meier-Medienhauses ist nur so lange gewährleistet, wie das Unternehmen selber tragfähig ist: Verwaltungsratpräsident Marcel Kohler. (Bild: Meier + Cie/Roberta Fele)

In einem Interview mit den Schaffhauser Nachrichten spricht Marcel Kohler, der Verwaltungsratspräsident des Meier-Medienhauses, dem die Zeitung gehört, über die prekäre Lage der Medien. Trotz der Branchenveränderungen gelinge es dem Unternehmen, schwarze Zahlen zu schreiben, so Kohler. Allerdings handle es sich dabei nicht um grosse Gewinne, sondern um Erträge auf tiefem Niveau.

Das Schaffhauser Fernsehen, das kürzlich mit einer Rettungsaktion auf seine prekäre finanzielle Lage aufmerksam gemacht hatte, habe inzwischen einige Sponsoren gefunden, sagt Kohler weiter. «Die Zukunft des Fernsehens ist damit aber noch nicht nachhaltig gesichert.» Der Meier-VRP sei aber überzeugt, dass das Angebot nötig sei. Er stellt infrage, ob Mitbewerber Tele Top, das über die Konzession für die Region Zürich-Nordostschweiz verfügt, die Vorgaben für die Region Schaffhausen erfülle.

Als Vertreter des liberalen Lagers betrachte er Subventionen grundsätzlich kritisch, betont Kohler. Gleichzeitig stelle er fest, dass der Markt für regionale Medien zunehmend weniger gut funktioniere. Angesichts der Bedeutung lokaler Medien für Politik und Gesellschaft erachte er eine indirekte Förderung journalistischer Arbeit als angezeigt. Er begrüsse deshalb die beiden im Kantonsrat eingereichten Postulate, die eine mögliche Medienförderung im Kanton Schaffhausen thematisieren. Eine solche Förderung müsse jedoch indirekt ausgestaltet sein und jeglichen Zugriff auf redaktionelle Prozesse und Entscheidungen ausschliessen, so Kohler.

Der «Innovationsfonds für multimedialen Journalismus» der Gebert Rüf Stiftung habe über die Windler-Stiftung einen Beitrag von 480'000 Franken für Schaffhausen gesprochen. Dies sei ein positives Zeichen, reiche aber nicht aus, so Kohler. Die Mehrheitsaktionärin des Meier-Medienhauses, die Carl Oechslin Stiftung, verfüge zudem nicht über substanzielle finanzielle Mittel; ihre Aufgabe sei es, die Unabhängigkeit der Schaffhauser Nachrichten zu sichern. «Allerdings bleibt die Unabhängigkeit nur so lange gewährleistet, wie das Unternehmen selber tragfähig ist. Wiederkehrende Verluste könnte die Stiftung nicht tragen.» (spo)


Kommentar wird gesendet...

KOMMENTARE

Justin Ritter
17.08.2026 13:04 Uhr
Der Aufruf zur Rettung der publizistischen Vielfalt kommt von jemandem, der 16 Jahre lang 20 Minuten geführt hat. In dieser Zeit ist der Schweizer Print-Werbemarkt von 3 Milliarden auf rund 650 Millionen Franken eingebrochen, ein Minus von 78 Prozent. 20 Minuten hat als reichweitenstärkstes Gratisblatt in diesem schrumpfenden Markt kräftig mitkonkurriert und dabei Werbegelder gebunden, die anderswo, etwa bei den Regionaltiteln, gefehlt haben. Wer an dieser Entwicklung über so viele Jahre führend beteiligt war, sollte den Ruf nach staatlicher Stützung für genau jene Titel etwas selbstkritischer formulieren.
Hans Glueck
17.08.2026 10:52 Uhr
Bemerkenswert, wie mühelos sich "liberal" mit der Forderung nach staatlicher Stützung verträgt, sobald das eigene Geschäftsmodell ins Wanken gerät. Jahrelang hat man die digitale Transformation verschlafen, an alten Strukturen festgehalten und Innovation anderen überlassen. Jetzt, wo die Erträge mager sind, ruft man nach der Politik und verpackt das Ganze vorsichtshalber als "indirekte" Förderung, damit das liberale Selbstbild nicht allzu sehr leidet. Wer über Jahre keine tragfähige Antwort auf den Strukturwandel gefunden hat, sollte sich mit Forderungen an den Staat zurückhalten, statt sie als Standortpolitik für den Journalismus zu verkaufen.