Die Edipresse-Verantwortlichen rechnen mit 25 Entlassungen. Ein Teil des Abbaus könne über Frühpensionierungen vollzogen werden, sagten sie. Insgesamt sind 17 Journalisten-Stellen betroffen. Dabei werden 14 Journalisten entlassen, drei gehen frühzeitig in Pension. Edipresse verlegt unter anderem die Zeitungen "Le Matin", "24 Heures" und "Tribune de Genève". Am härtesten trifft es die Redaktion von "24 Heures", die 10 Journalisten-Stellen verliert, davon zwei im Online-Bereich.
Das Abbauprogramm begründet Edipresse damit, dass man "Marktentwicklungen antizipieren wolle". Unter anderem erwartet Edipresse Einbrüche am Inseratemarkt. Der grösste Zeitungsverlag der Westschweiz rechnet im laufenden Jahr damit, im Schweizer Markt im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang der Werbeerträge um 10 Millionen Franken zu erleiden.
Davon sei nur ein Teil auf die konjunkturelle Abkühlung zurückzuführen. Es handle sich grösstenteils um einen strukturellen Rückgang der Werbevolumen in den Printmedien. Immer mehr Inserenten würden den Zeitungen den Rücken kehren oder zumindest ihr Engagement reduzieren.
Kosten-Nutzenprogramm lanciert
Die fortgesetzt verhaltene Entwicklung im Werbemarkt, sowie die allgemein abgeschwächte Wirtschaftslage veranlasste die Edipresse-Führung ein, sich über 3 Jahre erstreckendes, Kosten-Nutzenprogramm zu lancieren, heisst es in einer Mitteilung. Die Angebots- und Servicepalette, die Infrastrukturen und die damit verbundenen Kostenblöcke wurden über alle Unternehmensbereiche hinweg eingehend analysiert und neu definiert.
Das Einsparungspotential von rund 20 Millionen Franken werde in den folgenden Jahren für die Weiterentwicklung der Zeitungen und elektronischen Serviceangebote eingesetzt. So können laut Edipresse bereits in den folgenden Monaten markante Neupositionierungen der Titel "Le Matin semaine" und "24heures" bekannt gegeben werden.
Konsternierte Angestellte und Gewerkschaften
Die Redaktionskonferenz der Waadtländer Zeitung "24 heures" äusserte sich in einem Communiqué konsterniert über das Ausmass des Abbaus und erinnerte daran, dass bereits letzten November 8,5 Stellen gestrichen worden seien. Die Redaktion will sich nun am Donnerstag zu einer Generalversammlung treffen.
Der Berufsverband Impressum missbilligte in einem Communiqué das Vorgehen der Edipresse-Direktion. Die Entlassungen verletzten den hausinternen Gesamtarbeitsvertrag, da sie nicht ausgehandelt worden seien. Zudem diene das Abbauprogramm allein dazu, die Gewinn-Marge der Gruppe zu erhalten und entspringe nicht einer wirtschaftlichen Notlage.
Ähnlich äusserte sich die Gewerkschaft Comedia. Sie verurteilt die Entlassungen und wirft Edipresse "Profitgier" vor. Die Gewerkschaft befürchtet zudem "weitere böse Überraschungen". Sie geht davon aus, dass mit den Einsparungen in der Schweiz die Edipresse-Investitionen in Osteuropa und in Asien finanziert werden sollen. (per/sda)

