Viele Schweizer Medien beziehen ihre Meldungen von der Depeschenagentur. Durch den Streik vom Dienstag war der Nachrichtenfluss kleiner als gewöhnlich. Wie stark Zeitungen und Newsportale auf Meldungen der SDA setzen, hat «Watson» anhand der Ausgaben vom Dienstag äusserst anschaulich illustriert.
Tatsächlich geht der SDA-Streik bei den Online- und Zeitungsredaktionen, wie beispielsweise bei «20 Minuten», nicht spurlos vorbei. Halbleere Seiten gibt es in der Folge dennoch nicht. In den Newstiteln von Tamedia setze man vor allem auf Eigenleistungen, die Leser würden deshalb wenig vom SDA-Streik merken, sagt Sprecher Christoph Zimmer auf Anfrage. Trotzdem: «Für die Mitarbeitenden in den Redaktionen bringt der Streik Mehrarbeit mit sich, auch wenn sie teilweise auf Inhalte anderer Agenturen wie AFP oder Reuters zurückgreifen können.» Die Redaktionen würden im Alltag die SDA als Rechercheinstrument, für die Onlineberichterstattung, für Kurzmeldungen und als Kontrollinstanz für das Tagesgeschehen nutzen, erklärt Zimmer.
Ähnlich war das Vorgehen am Dienstag bei Radio Energy Zürich, dem grössten Privatradio der Schweiz. «Wir versuchen, die Aktualität so gut wie möglich mit eigenen Kräften abzubilden», sagt Programmleiter Roger Spillmann. Zusätzlich sei noch mehr Zeit in Eigenrecherche investiert worden.
Mehraufwand auch bei Radio SRF
Auch das Schweizer Radio bekam die Auswirkungen des SDA-Streiks zu spüren. «Statt bis zu 20 Meldungen pro Stunde veröffentlicht die SDA im Durchschnitt eine», sagt Elisabeth Pestalozzi, Stv. Chefredaktorin Radio SRF, auf Anfrage von persoenlich.com. Davon betroffen sei in erster Linie die Nachrichtenredaktion, welche die stündlichen Newsbulletins verfasse. «Die SDA berichtet sehr zeitnah über viele Ereignisse und Medienkonferenzen, welche die Redaktionen nicht alle mit eigenem Personal abdecken können.»
Daher seien Meldungen der SDA bei Radio SRF geschätzte Informationsquellen. «So dienen die Meldungen den Redaktionen als wichtige Quelle für die Verifizierung einer Information», so Pestalozzi. Ein länger eingeschränkter Service würde bedeuten, dass sich auch die Fachjournalisten intensiver um Primärquellen kümmern müssten. «Dies würde dann weniger Zeit für die Hintergrundrecherche und Analyse bedeuten. Diese sind entscheidend für die Qualität unserer Primetime-Sendungen am Morgen, Mittag oder Abend, wie das ‹Rendez-vous› oder das ‹Echo der Zeit›.»
Privat-TV momentan weniger stark betroffen
Weniger stark betroffen von einem zeitlich begrenzten SDA-Streik sind regionale Fernsehsender – wie die drei grössten TeleZüri, Tele M1 und TeleBärn, alle im Besitz von AZ Medien. «Die regionale Themensetzung betreuen wir weitgehend selber», sagt TeleZüri-Chefredaktor Claude Winet.
Dennoch: Die Auswahl von Meldungen aus dem Ausland werde durch den Streik erschwert. «Zudem schätzen wir die SDA als neutrale Agentur mit guter Faktentreue und greifen regelmässig darauf zurück.» Am Dienstag wurde verstärkt auf alternative Quellen ausgewichen. «Die drei Sender beziehen auch Leistungen der Bildagentur APTN. Weiter beobachten wir laufend diverse Newsportale», sagt Winet. Dazu kämen die Informationen durch die Kommunikationsabteilungen der Verwaltungen, wie beispielsweise Polizeimitteilungen.
Geschätzte 20 Prozent der News bei den drei TV-Sendern würden auf SDA-Meldungen basieren. Würden künftig die Leistungen reduziert, würde dadurch insbesondere die Programmplanung von Inland- und Auslandthemen erschwert, so Winet weiter. «Wir betreiben eine kleine Abteilung, die sich ausschliesslich mit der Themenplanung befasst. Der Aufwand würde dadurch grösser – mit entsprechender Kostenfolge.»

