10.04.2026

Tamedia

Michèle Binswanger sammelt für Prozesse

Die Tages-Anzeiger-Journalistin finanziert laufende Verfahren per Crowdfunding. Das erste Spendenziel ist erreicht.
Tamedia: Michèle Binswanger sammelt für Prozesse
Sammelt via Crowdfunding für ihren juristischen «Kampf für die Medienfreiheit»: Tages-Anzeiger-Journalistin Michèle Binswanger, hier am SwissMediaForum 2023. (Bild: SMF/Severin Bigler)

Auf der Plattform GoFundMe sammelt Michèle Binswanger Geld für ihre Prozesskosten – wie Inside Paradeplatz zuerst berichtete. Am Donnerstag hatte sie das erste Spendenziel von 40'000 Franken erreicht und die Limite danach auf 60'000 Franken erhöht. Juristische Prozesse über mehrere Instanzen seien ein «finanzieller Marathon», schreibt sie auf der Plattform. Bis am Freitagmittag waren knapp 50'000 Franken eingegangen.

Hintergrund ist ein seit Jahren andauernder Rechtsstreit mit der ehemaligen Zuger Kantonsrätin Jolanda Spiess-Hegglin. Laut Binswanger laufen derzeit drei Verfahren gegen sie: Ein Strafverfahren in Basel wegen eines Tweets aus dem Jahr 2020 wurde bereits vor zwei Instanzen beurteilt – Binswanger wurde verurteilt. Der Fall ist nun vor Bundesgericht hängig. In einem Zivilverfahren in Basel werden 196 Textstellen aus ihrem 2023 im Eigenverlag erschienenen Buch «Die Zuger Landammann-Affäre – eine Recherche» wegen Persönlichkeitsverletzung eingeklagt; ein Entscheid des Zivilgerichts steht noch aus. In einem dritten Strafverfahren in Solothurn wird sie wegen achtfacher Verleumdung angeklagt – Auslöser sind sieben Minuten eines Podcasts, in dem sie über ein Buch spricht, das Kritik an Netzcourage und Spiess-Hegglin übt. In erster Instanz wurde sie freigesprochen; Staatsanwaltschaft und Privatklägerin haben Berufung angemeldet.

Tamedia schweigt zu Finanzierungsfrage

Bemerkenswert ist, dass Binswanger die Kosten dieser Verfahren offenbar selbst tragen muss. Das war nicht immer so: Im Jahr 2020 hatte Tamedia-Chefredaktor Arthur Rutishauser gegenüber persoenlich.com erklärt, der Verlag übernehme die Verteidigung Binswangers – «weil sie eine Mitarbeiterin von uns ist und wir als Redaktion auch vom Publikationsverbot betroffen sind».

Ob sich das geändert hat und, wenn ja, warum, lässt Tamedia offen. Kommunikationschef Edi Estermann teilt auf Anfrage mit, der Verlag nehme «zu dieser Thematik keine Stellung, weil Finanzierungsfragen Internas sind».

Binswanger selbst schreibt auf der Spendenplattform, sie müsse die laufenden Verfahren «selber bezahlen». Ihr gehe es dabei auch um die Presse- und Meinungsfreiheit. Sie bezeichnet die Klagen als «gezielte Kampagne», die sie «als Journalistin fertig machen soll». Bereits 2023 hatte persoenlich.com berichtet, dass Binswanger Chat-Verläufe veröffentlicht hatte, die eine koordinierte Kampagne gegen sie und ihr Buch belegen sollten. (cbe)


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