24.10.2026

Tamedia

Nicht ersetzte Stellen kommen zum Abbau hinzu

Der kommunizierte Stellenabbau umfasst nicht alle Stellen, die wegfallen. Das bestätigt der Publizistische Leiter Simon Bärtschi im SRF-«Medientalk». Frei werdende Stellen werden nur noch ersetzt, wenn sie zum redaktionellen Kern gehören.
Tamedia: Nicht ersetzte Stellen kommen zum Abbau hinzu
Mitarbeitende der Tamedia-Redaktion und weitere Personen protestieren am Dienstag gegen die angekündigte Entlassungswelle. (Bild: Keystone/Michael Schmid)

Am Dienstag protestierten rund 400 Personen vor dem Tamedia-Hauptsitz an der Zürcher Werdstrasse gegen den Abbau, gleichzeitig laufen die Kündigungsgespräche (persoenlich.com berichtete). 41 Mitarbeitende verlieren ihre Stelle, 34 Vollzeitstellen fallen weg. Kritiker monieren seit Längerem, der tatsächliche Abbau sei grösser, weil frei gewordene Stellen seit 2024 oft nicht mehr besetzt worden seien.

Darauf angesprochen, sagte Bärtschi im SRF-«Medientalk» vom Samstag, frei werdende Stellen würden laufend geprüft: «Dort, wo diese frei gewordenen Stellen (…) zur DNA der Redaktion gehören, dort werden sie ersetzt.» Und weiter: «Dort, wo sie nicht Kern sind, werden sie natürlich in der Umgebung, in der wir stecken, nicht ersetzt.» Die kommunizierten Zahlen umfassen diese Stellen nicht: «Die kommunizierten Stellenabbauzahlen, die beziehen sich auf diese jeweiligen Massnahmen.» Wie viele Stellen seit dem letzten Abbau auf diese Weise weggefallen sind, liess Bärtschi offen.

«Nie ein Selbstzweck»

Den Vorwurf, Tamedia fehle nach der siebten Entlassungswelle in sechs Jahren eine Strategie, weist Bärtschi zurück. Ziel sei, die Marken in allen grossen Agglomerationen «mit einem unabhängigen und starken Journalismus» in eine digitale Zukunft zu führen. Weil sich der Markt schneller verändere als erwartet, müsse auch die Transformation schneller vorangetrieben werden. Kostendisziplin sei dabei «nie ein Selbstzweck».

Eine Quersubventionierung durch die profitablen Plattformen der TX Group lehnt er ab: «Nur ein gesundes Medienhaus ist unabhängig.» Felix E. Müller, Stiftungsratspräsident des MAZ, sieht in der Sendung durchaus eine Strategie, allerdings eine rein finanzielle: Die Sparte solle keinen Verlust schreiben.

Druck nach 2034 offen

Auch beim Druck legt sich Bärtschi nicht fest. Ob Tamedia nach dem Auslaufen der Verträge 2034 auch das letzte Druckzentrum in Bern schliesst, sei nicht entschieden. Man beobachte den Markt, der Verlag sei dort schon mehrfach überrascht worden.

Auf die Kritik aus der Romandie an den vielen Übersetzungen aus der Deutschschweiz entgegnet Bärtschi, die Beiträge würden von Teams in Zürich und Lausanne für das Westschweizer Publikum adaptiert. Gute Recherchen seien «beidseits der Saane» interessant.

Ob nach dieser Runde weitere Sparmassnahmen folgen, dazu äussert sich Tamedia derzeit nicht. (cbe)


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