19.08.2025

SRF

Nur noch eine kurze «Tagesschau» mit weniger Themen

Im Rahmen der Sparmassnahmen wurden die Nebenausgaben der TV-Nachrichtensendung gekürzt. Zum ersten Mal lief das Format «Tagesschau kompakt» am Montagmittag. persoenlich.com hat sich den neuen News Flash angeschaut.
SRF: Nur noch eine kurze «Tagesschau» mit weniger Themen
Moderator Claudio Spescha durfte am Montagmittag durch die Premiere der «Tagesschau kompakt» führen. (Bild: Screenshot)

Um 12.45 Uhr fängt am Montag die «Tagesschau» wie gewohnt an. Die Erkennungsmelodie, das Design und das Dekor sind bekannt. Auch der Moderator ist ein vertrautes Gesicht am Mittag: Claudio Spescha heisst das Publikum willkommen. Ein Detail ist dennoch anders: Auf dem Grossbildschirm hinter dem Moderator steht zusätzlich zu «SRF News Tagesschau» neu «kompakt».

Spescha beginnt mit einem ausführlichen Beitrag über die Verhandlungen zum Krieg in der Ukraine. Dazu gibt es auch eine Grafik und einen Zusatz über einen Social-Media-Post von Donald Trump. Der Moderator verweist darauf, dass das Thema in der Abendausgabe vertieft wird. Dann gibt es einen Beitrag über die Wahlen in Bolivien. Dabei macht Spescha auf eine Analyse in Textform auf der SRF-News-App aufmerksam. Die neue «Tagesschau» am Mittag endet nach fünf Minuten mit einem dritten, kurzen Bericht über die Waldbrände in Spanien.

«Nicht zu vermeiden, dass weniger Themen Platz haben»

Die Anmoderation und die Beiträge entsprechen dem, was man von der «Tagesschau» gewohnt ist. Auch das Tempo ist ähnlich. Mit nur drei Themen und knapp fünf Minuten Länge ist die Sendung aber deutlich kürzer als bisher. Die letzte Sendung im alten Format am vergangenen Freitag umfasste acht Themen in 14 Minuten.

Mit dem neuen Konzept setzt SRF auf weniger Themen statt auf kompakte News. «Bei einer knapp halb so langen Sendung ist es nicht zu vermeiden, dass weniger Themen Platz haben», erklärt TV-Nachrichtenchef Gregor Meier gegenüber persoenlich.com. Mit drei Themen am Mittag sei man aber «sicher an der unteren Grenze». Aber drei sind schon die untere Grenze. «Wir streben schon vier bis fünf Themen pro Ausgabe an», erklärt Meier.

Was auch auffällt: Die Beiträge der ersten Ausgabe basierten alle auf Agenturmaterial und boten kaum eine Eigenleistung als Mehrwert. Einschätzungen oder Schaltungen zu Korrespondenten gab es keine. Auch war kein Schweizer Thema dabei. «Das ist nicht Teil des Konzepts, sondern war der News-Lage geschuldet», präzisiert Meier.

SRF will sechsstelligen Betrag sparen

Während man in der Deutschschweiz am Mittag und am Vorabend auf ein Kurzformat setzt, gibt es in der Romandie weiterhin eine vollwertige Newssendung über Mittag. Die 20-minütige Nachrichtensendung von RTS «12.45» bietet Liveschaltungen, Studiogäste und eigene Rubriken. Warum verfolgt man bei SRF eine radikal andere Strategie? «Ein Ausbau am Mittag würde nicht einem Publikumsbedürfnis entsprechen», nennt TV-Nachrichtenchef Meier als Grund. SRF konzentriere sich auf die Primetime. «Da haben wir mit ‹Schweiz aktuell›, ‹Tagesschau› und ‹10 vor 10› jeden Tag ein breites und gut genutztes Angebot.»

Der Abbau der Nebenausgaben der Tagesschau wurde im Rahmen von Sparmassnahmen entschieden. Damit soll SRF einen sechsstelligen Betrag im Bereich Redaktion und Produktion sparen, schreibt das Unternehmen auf Anfrage.

Bei der Ankündigung im Mai (persoenlich.com berichtete) habe SRF vereinzelt Zuschriften von Zuschauerinnen und Zuschauern erhalten. Sie äusserten die Sorge, dass der Informationsgehalt in der kompakten Sendung abnehmen könnte. Ob die am Montag lancierte «Tagesschau kompakt» diese Sorge zu entkräften vermag, bleibt abzuwarten.


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