Auf ihrer simultan in Brüssel und Paris abgehaltenen Pressekonferenz haben die Weltbank und der Weltverband der Zeitungsverleger WAN über die Ergebnisse einer grossangelegten Studie zum Thema der Wechselbeziehungen zwischen Pressefreiheit und wirtschaftlichem Aufschwung vorgelegt. Dabei konnte anhand realer Beispiele dokumentiert werden, dass die Institution der Pressefreiheit weit über das verbriefte Recht der Menschen auf freien Informationszugang und freie Meinungsäusserung hinaus geht, indem sie gleichzeitig die Rolle eines starken Antriebsmotors für ökonomische und soziale Entwicklung einnimmt und damit auch einen gewichtigen Beitrag zur Linderung von Not und Armut leistet.
Während die Motorik-Erkenntnis von Aussage und Inhalt her - weil implizit ohnehin vielleicht vermutet - an sich keine Riesenüberraschung darstellen mag, so ist ein von der Weltbank und dem WAN gemeinsam hervorgehobener Punkt dennoch von grösster Bedeutung: Erstmals, so das Communiqué, sei mit dem von der World Bank in Auftrag gegebenen Studienprojekt die bislang immer nur als gegeben angenommene positive Korrelation zwischen Pressefreiheit und Prosperität auf der Basis eines im grossen Rahmen angelegten Studienprojekts nach wissenschaftlicher Methodik untersucht und nachgewiesen worden.
Dass der Weltverband der Zeitungsverleger (World Association of Newspapers) über die Studie selbst und die von ihr zutage geförderten Ergebnisse hocherfreut ist, versteht sich. So wies WAN-Generaldirektor Timothy Balding in der Pressekonferenz denn auch auf zwei speziell für den Verband und seine Mitglieder sowie deren Interessen hochgradig bedeutungsvolle Faktoren hin: Erstens das Timing in der für die Medienberichterstattung heute oftmals schwierigen Zeit des weltweiten Kriegs gegen den Terror nach den Anschlägen vom 11. September vorigen Jahres; und zweitens die Tatsache, dass mit der Studie ein unschlagbarer Gegenbeweis gegen die von etlichen repressiven und autokratischen Regimen nach wie vor vertretene These geliefert werde, die Existenz einer freien Presse erweise sich als Hindernis auf dem Weg zu wirtschaftlich-sozialer Emporentwicklung, so dass ihr Aufbau warten könne, bis diese höheren Priorätiten erfüllt seien. Über die Unhaltbarkeit dieser Auffassung brauche nun nicht mehr theoretisiert zu werden, nachdem sie von der Studie mit wissenschaftlich erhärteten Erkenntnissen entkräftet worden sei.
Unter dem Titel "The Right to Tell - The Role of the Mass Media in Economic Development" ist die World Bank-Studie mit ihren Ergebnissen in insgesamt 19 einzelnen Kapiteln dargestellt. Draran mitgearbeitet haben u.a. so bekannte Autoren und Nobelpreis-Gewinner wie der Schriftsteller und frühere Weltbank-Präsident Robert Shiller und die Nobelpreis-Gewinnerin Gabriel Garcia Martinez, sowie eine ganze Reihe von Autoren aus Ländern unterschiedlicher ökonomischer Entwicklungsstufen wie zum Beispiel Thailand, Bangladesch, Ägypten, Zimbabwe und den Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Neben Einsichtnahmen in die Hauptthematik enthält das Buch auch einen deutlichen Fingerzeig auf die vielen potenziellen Risiken und Gefahren, die von unethischen, unverantwortlichen Medien ausgehen, und auf die Merkmale eines politisch-gesetzgeberischen Umfeld, die der Pressefreiheit entgegenstehen.

