03.12.2025

Radiostreit

«Radio Grischa bleibt Radio Grischa»

Nach drei Jahren Rechtsstreit behält Somedia die Radiokonzession für Graubünden und Glarus definitiv. Das Bundesverwaltungsgericht wies das Revisionsgesuch von Radio Alpin Grischa ab. Somedia-Verwaltungsratspräsident Silvio Lebrument spricht über ein «Weihnachtsgeschenk» für Radio Grischa – und darüber, warum der Monopol-Vorwurf eine Mär ist.
Radiostreit: «Radio Grischa bleibt Radio Grischa»
«Wir können uns statt auf das Medienstreiten wieder auf das Medienmachen konzentrieren», so Somedia-Verwaltungsratspräsident Silvio Lebrument. (Bild: Screenshot SRF)

Silvio Lebrument, das Bundesverwaltungsgericht hat das Revisionsgesuch von Radio Alpin Grischa abgewiesen. Haben Sie den Röteli schon offen?
Der Revisionsentscheid ist ein Weihnachtsgeschenk an die Hörerinnen und Hörer und an die Macherinnen und Macher von Radio Grischa. Wir werden ihn sicher noch gebührend feiern.

Was bedeutet dieser Entscheid nun konkret für Sie?
Nun haben wir bis 2034 Gewissheit und können uns statt auf das Medienstreiten wieder vollständig auf das Medienmachen konzentrieren.

«Der ganze Prozess dauerte insgesamt knapp drei Jahre»

In der Medienmitteilung bezeichneten Sie das Verfahren als «langwierig und aus Sicht von Somedia unnötig». Wie lange hat dieser gesamte Konzessionsstreit gedauert?
Der ganze Prozess von der Ausschreibung der regionalen Radio- und TV-Konzessionen bis zum heutigen Urteil dauerte insgesamt knapp drei Jahre.

Welche Kosten sind Somedia dadurch entstanden?
Obwohl der Aufwand nicht in Franken und Rappen gemessen wurde, war er dennoch erheblich. In Zeiten des Medienwandels mussten darüber hinaus wesentliche Entscheidungen vertagt werden. Besonders schwer wog jedoch die Unsicherheit, die auf dem Radioteam lastete. Dennoch erbrachte es grossartige Leistungen.

Somedia wurde vorgeworfen, ein Medienmonopol in Graubünden zu zementieren. Wie begegnen Sie diesem Vorwurf?
Das ist eine Mär. Die Medienlandschaft in Graubünden ist vielfältiger als in vielen anderen Kantonen, die auf kantonaler Ebene keinen unabhängigen Verlag mehr haben. So ist Radiotelevisiun Svizra Rumantscha (RTR) eine starke inhaltliche Konkurrenz. Zudem verfügt Graubünden als einziger Kanton in der Deutschschweiz über ein eigenes kantonales Radiojournal des SRF. Die Fundaziun Medias Rumantschas (FMR) produziert unabhängige Inhalte für die romanischsprachigen Zeitungen, und die nationale Nachrichtenagentur Keystone-SDA betreibt in Chur ein Büro für regionale Inhalte. Hinzu kommen zahlreiche regionale Verlage, die Print- und Onlineprodukte anbieten. Zu nennen sind aber auch die internationalen Technologiefirmen, die dem gesamten einheimischen Medienwesen das wirtschaftliche Leben schwer machen.

«Was das Programm betrifft, versprach das Gesuch von Radio Alpin allerdings das Blaue vom Himmel»

Radio Alpin Grischa wurde vom Uvek ursprünglich als publizistisch besser bewertet als Ihr Angebot. Die Konzession verloren sie dann wegen eines formalen Fehlers – einem Volontär zu viel im Verhältnis zu erfahrenen Journalisten. Finden Sie es richtig, dass Formalien höher gewichtet wurden als publizistische Qualität?
Die Konzessionsgesuche waren praktisch gleichwertig. Was das Programm betrifft, versprach das Gesuch von Radio Alpin allerdings das Blaue vom Himmel. Das ist das Privileg des «Newcomers» und gleichzeitig eine Schwachstelle des Konzessionsverfahrens. Dass das Gesuch von Radio Alpin aber ausgerechnet über eine Konzessionsvoraussetzung stolperte, ist bemerkenswert. Immerhin kannte Roger Schawinski die sogenannte 3:1-Regelung bestens. Sie war während vieler Jahre Teil der Konzession von Radio 1.

Was bedeutet die endgültige Rechtssicherheit konkret für die Programmentwicklung und Investitionen bei Radio Grischa?
Wir haben im Konzessionsprozess realistische Programmversprechen gemacht. Radio Grischa, welches in wenigen Tagen – am 9. Dezember – den 37. Geburtstag feiert, wird diese Versprechen weiterhin erfüllen. Dass wir unseren Job gut machen, haben nicht nur die knapp 13'000 Unterstützerinnen und Unterstützer gezeigt, die die Petition zum Erhalt des Senders im Rahmen des Konzessionsverfahrens unterschrieben haben. Die Petition wurde dem Uvek am 29. Mai 2024 auf dem Bundesplatz übergeben. Auch die 65'000 Hörerinnen und Hörer, die Radio Grischa täglich einschalten, sind ein Beweis für unseren Erfolg.

Im Laufe des Konzessionsstreits haben Sie Radio Südostschweiz in Radio Grischa umbenannt. Das Bündner Obergericht entschied aber: Schawinski darf «Radio Grischa» behalten. Folgt nun wieder die Rückkehr zu Radio Südostschweiz?
Radio Grischa bleibt Radio Grischa.


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