10.01.2024

RTS

Senderchef erklärt sich zur Causa Depardieu

In der Polemik um den Boykott von Depardieu-Filmen im Westschweizer Fernsehen, versucht die Senderspitze die Wogen zu glätten. Das Werk des französischen Schauspielers stehe nicht auf einer schwarzen Liste, sagt RTS-Direktor Pascal Crittin.
RTS: Senderchef erklärt sich zur Causa Depardieu
«Wenn sich die Emotionen gelegt haben, werden wir Gérard Depardieu wieder zeigen»: RTS-Chef Pascal Crittin. (Bild: Screenshot/Forum RTS)

Zur Zeit und bis auf Weiteres zeigt das Westschweizer Fernsehen RTS keine Filme mit Gérard Depardieu. Der Sender traf diese Entscheidung im Dezember, nachdem sich der französische Schauspieler in einer Sendung von France 2 frauenfeindlich, beleidigend und sexuell konnotiert geäussert hatte, unter anderem gegenüber einem zehnjährigen Mädchen. Konkret hat RTS einen Film mit Depardieu aus dem Programm genommen. Ein weiterer, wo er eine Nebenrolle spielt, wurde dagegen ausgestrahlt.

Die Massnahme von RTS stiess auf breite Kritik. Medien und Politik nannten die Verbannung Depardieus vom Bildschirm des öffentlichen Senders «Zensur». Es sei ein Schuss ins eigene Knie, befand etwa die NZZ, weil RTS einen Grossteil des Publikums gegen sich aufbringe. Mündige Zuschauer seien in der Lage, sich selbst eine Meinung zu bilden. Ähnliches schrieben auch die Tamedia-Zeitungen. Depardieu zu verbannen, sei nicht die Aufgabe von RTS und eine undemokratische Bevormundung des Publikums.

«Depardieu steht nicht auf dem Index»

Am Montagabend nahm nun erstmals RTS-Direktor Pascal Crittin in der Nachrichtensendung «Forum» des Westschweizer Radios zur Causa Depardieu Stellung. Er verteidigte das Vorgehen seiner Programmabteilung. Sein Sender habe so entschieden, weil man es für unangebracht gehalten habe, nach den Äusserungen Depardieus einen seiner Filme in den Weihnachtstagen zu zeigen. «Wir stellten uns die Frage: Zeigen oder nicht zeigen?», so Crittin. Egal, wie man entschieden hätte, wäre Kritik gefolgt. Er stehe aber hinter dem Entscheid, der ein provisorischer sei. «Depardieu steht nicht auf dem Index, er ist nicht verbannt», sagte RTS-Direktor Crittin. Wenn sich die Emotionen einmal gelegt hätten, wenn die Diskussionen weniger hitzig seien, dann «werden wir Gérard Depardieu wieder zeigen, weil er das Recht auf seinen Platz hat».

Derweil beschäftigt das Thema weiterhin die Politik. Wie die Zeitungen von ESH Médias berichten, schlug der Neuenburger FDP-Nationalrat Damien Cottier der zuständigen Ratskommission vor, die RTS-Direktion vorzuladen und Erklärungen zu ihrem Vorgehen in Sachen Depardieu zu verlangen. Eine Mehrheit der Kommission, die am Montag und Dienstag tagte, hielt das allerdings für übertrieben. «Ich würde es immer noch begrüssen, wenn wir dieses Thema diskutieren würden, aber es besteht keine Dringlichkeit», wird Cottier zitiert. Er wolle aber weiterhin von RTS erfahren, was der aktuelle Fall für künftige vergleichbare Situationen bedeute.

Nationalrat sieht Vorverurteilung

Bei der Programmaufsicht vorstellig werden will der Genfer MCG-Nationalrat Daniel Sormanni. Es sei nicht Sache des Service public, sich zu diesem Fall zu äussern. Sormanni sieht im Vorgehen des Fernsehsenders eine Vorverurteilung Depardieus, gegen den mehrere Anzeigen wegen mutmasslicher sexueller Übergriffe vorliegen. RTS-Direktor Crittin betonte indes in seinem Radioauftritt, dass seine Leute den Entscheid nicht aufgrund dieser Anzeigen getroffen hätten, sondern erst nach der Ausstrahlung der deplatzierten – auch als «ekelhaft» bezeichneten – Äusserungen.


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