16.05.2000

"Sie selbst entscheiden, was gut für Sie ist"

Europas Verleger finanzieren Werbekampagne zur Förderung der Werbefreiheit.

Eines von insgesamt zehn Sujets.

Mitglieder des Europäischen Verlegerrats (European Publishers Council, EPC), eines Zusammenschlusses von Vorstandsvorsitzenden und leitenden Führungskräften aus 27 Verlagsgruppen in ganz Europa mit Beteiligungen an Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunk, Fernsehen und Internet, stellen kostenlos Werbeflächen in ihren Zeitungen und Zeitschriften und auf ihren Webseiten für eine umfangreiche europaweite Werbekampagne zur Förderung der Werbefreiheit zur Verfügung. Die Kampagne läuft ab 19. Mai 2000 zwei Monate lang.

Die Kampagne umfasst Print- und Internetwerbung. Die Anzeigen in den Printmedien dienen als Teaser für eine eigens gestaltete Website, auf der die Interessenten zur Teilnahme an einer Meinungsumfrage über Werbung aufgefordert werden. Die Umfrageergebnisse sollen führenden Entscheidungsträgern der EU vorgestellt werden. Von der Werbeagentur Grey Brussels wurden für die Kampagne zehn verschiedene Anzeigen mit der Textzeile "Schliesslich wissen Sie am besten, was gut für Sie ist” entworfen.

Patrick Willemarck, CEO von Grey Brussels meinte dazu: "Kern der Kampagne ist die Auffassung des EPC, dass moderne Verbraucher gebildet genug sind, um den Unterschied zwischen Wirklichkeit und Werbewirklichkeit zu erkennen. In den Anzeigen werden Menschen gezeigt, die sich Werbung in Alltagssituationen ansehen. Dazu kommen Textzeilen wie "Keine Frau hat sich jemals wegen einer Modewerbung finanziell ruiniert”. Ziel dieser interaktiven Werbekampagne war es, einen Dialog im Internet zwischen Werbewirtschaft, EPC und Öffentlichkeit anzuregen.” Tabakwerbung wurde bereits durch eine EU-Richtlinie verboten, die 2001 in Kraft tritt. Weitere Werbebereiche sind von einem Verbot bedroht, so etwa die Alkoholwerbung und Werbung für Kinder, die die schwedische Regierung während ihrer EU-Präsidentschaft 2001 ächten will. Eine ähnliche Kampagne 1991 führte umgehend zu einem positiven Dialog mit dem damaligen Kommissionspräsidenten Jacques Delors. So konnte die Gefahr für einige Werbebereiche gebannt werden.

Der EPC-Vorsitzende Francisco Balsemão erklärte zu der Kampagne: "Grey Brussels konnte sich dank einer hoch innovativen Kampagne und der genauen Erfassung der Kommunikationsziele gegen neun führende Werbeagenturen aus mehreren EU-Ländern durchsetzen. Der EPC hofft angesichts neuer Gefahren für die Werbung und einer neuen Kommission, die Entscheidungsträger der EU einmal mehr von den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Vorteilen der Werbung überzeugen zu können. Werbung ist zwar ein machtvolles Kommunikationsinstrument, zwingt aber Menschen nicht auf, Dinge zu tun oder zu kaufen, die sie nicht wollen. Dies ist die Kernaussage unserer Kampagne. Der Gesetzgeber wird die Zahl der Raucher, Alkoholiker oder anspruchsvollen Kinder nicht dadurch senken, dass die Werbung für legal erhältliche Produkte verboten wird. Der Gesetzgeber muss bedenken, dass sich aus Werbung nicht nur eine pluralistische Presse in der Europäischen Union, sondern auch die Entwicklung des Internets und E-Commerce finanziert und Werbung Europas Verlegern hilft, auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähig zu bleiben."


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