1. Warum stellt sich die SRG neu auf?
Die SRG reagiert mit ihrer Neuaufstellung auf veränderte Rahmenbedingungen: sinkende Einnahmen durch die Reduktion der Medienabgabe, strukturell rückläufige Werbeeinnahmen und einen tiefgreifenden Wandel in den Mediennutzungsgewohnheiten. Die digitale Transformation, der zunehmende internationale Wettbewerb und die politischen Vorgaben zwingen das Unternehmen dazu, sich grundlegend zu verändern.
«Damit die SRG auch in Zukunft noch relevant bleibt, ihr Publikum erreicht und einen gesellschaftlichen Mehrwert darstellt, muss sie sich neu aufstellen, enger zusammenarbeiten und ihr Angebot immer wieder kritisch hinterfragen.»
– Jean-Michel Cina, Verwaltungsratspräsident SRG
2. Welche Ziele verfolgt die SRG mit der Neuausrichtung?
Ziel der Neuausrichtung ist es, die SRG zukunftsfähig, effizienter und digitaler aufzustellen und den medialen Service public in allen Sprachregionen weiterhin sicherzustellen. Die neue Organisation soll ermöglichen, auch mit weniger Mitteln ein qualitativ hochwertiges, auf die Bedürfnisse des Publikums abgestimmtes Angebot zu realisieren – mit verstärkter Zusammenarbeit über Sprachgrenzen hinweg.
«Die SRG orientiert sich künftig noch konsequenter an den Bedürfnissen und Nutzungsgewohnheiten des Publikums und wird zu einer angebotsorientierten Organisation mit digitalem Fokus.»
– Susanne Wille, Generaldirektorin SRG
3. Welche zentralen Veränderungen sind geplant?
Die Reorganisation der SRG beinhaltet einen grundlegenden Umbau der bisherigen Struktur: Anstelle von weitgehend eigenständig agierenden Unternehmenseinheiten werden zentrale Bereiche wie Sport, Fiktion, Produktion, HR, IT und Finanzen künftig gruppenweit koordiniert. Die SRG organisiert sich neu entlang inhaltlicher Programmbereiche und digitaler Funktionen, wodurch Doppelspurigkeiten abgebaut und Synergien besser genutzt werden sollen. Ziel ist eine einfachere, flexiblere und effizientere Organisation, die über Sprachregionen hinweg funktioniert und gleichzeitig regional verankert bleibt.
«Wir müssen die alten Strukturen, die alten Logiken hinter uns lassen, und wir müssen uns einfacher und flexibler organisieren.»
– Pascal Crittin, Direktor RTS
4. Wie wirken sich die Massnahmen auf Personal und Programm aus?
Die SRG plant, primär in Strukturen und Prozessen zu sparen, um das Programmangebot möglichst zu schonen. Trotzdem werden sich die Einsparungen auch im Angebot niederschlagen, und es wird zu einem Stellenabbau kommen. Aktuell rechnet die SRG mit einem Abbau von mehreren hundert Stellen bis 2029, der möglichst sozialverträglich über natürliche Fluktuation erfolgen soll. In den nächsten Jahren werden rund 700 Personen pensioniert.
«Wir sparen in der Struktur, um den Journalismus so gut es geht zu schützen. Beim Angebot und beim Journalismus sparen wir zuletzt.»
– Susanne Wille, Generaldirektorin SRG
5. Welche Rolle spielen künftig die regionalen Unternehmenseinheiten?
Die regionalen Unternehmen in den Sprachregionen bleiben wichtige Träger regionaler Identität und journalistischer Nähe. Sie verantworten weiterhin das inhaltliche Angebot in ihren Sprachregionen und pflegen den direkten Kontakt mit dem Publikum. Gleichzeitig arbeiten sie künftig systematischer zusammen und sind stärker in eine gruppenweite strategische Steuerung eingebunden.
«Ich fühle mich nicht entmachtet, im Gegenteil: Wir bekommen neue Rollen mit mehr gemeinsamer Verantwortung und Koordination.»
– Nicolas Pernet, Direktor RTR
6. Wie treibt die SRG die Digitalisierung voran?
Die SRG richtet ihr Angebot konsequent auf die digitalen Kanäle aus, weil der Medienkonsum dort rasant zunimmt. Die geplante neue Audio- und Videoplattform soll dabei eine zentrale Rolle spielen. Digitale Produktion, Distribution und technische Entwicklung werden gruppenweit gebündelt, um Synergien zu nutzen und die digitale Schlagkraft zu erhöhen.
«Wir gehen davon aus, dass der Medienkonsum bis ins Jahr 2030 zu 75 Prozent auf den digitalen Kanälen stattfinden wird. Das ist eine grosse Herausforderung, auf die sich die SRG einstellen muss.»
– Nicolas Pernet, Direktor RTR
7. Warum schafft die SRG die Generaldirektion ab?
Die SRG schafft die Generaldirektion in ihrer heutigen Form ab, weil sie deren Struktur und Funktion nicht mehr für zukunftsfähig hält. In der bisherigen Organisation war die Generaldirektion als zentrale Einheit mit rund 300 Mitarbeitenden für strategische, operative und dienstleistungsbezogene Aufgaben verantwortlich. Diese Trennung zwischen einer zentralen Steuerung und dezentralen Unternehmenseinheiten hat jedoch zunehmend die Zusammenarbeit erschwert und als zu komplex und ineffizient gegolten. Künftig versteht sich die SRG als Gruppe mit gemeinsamen Zielen, in der Aufgaben gruppenweit gebündelt und koordiniert werden – insbesondere in Bereichen wie HR, Finanzen, Technologie oder Produktion. So soll die Organisation insgesamt schlanker, beweglicher und besser steuerbar werden.
«Die SRG verändert ihr Selbstverständnis. Wir verstehen uns als Gruppe mit gemeinsamen Zielen und Verantwortlichkeiten und bleiben in der engeren Vernetzung regional verankert.»
– Susanne Wille, Generaldirektorin SRG
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01.07.2025 10:43 Uhr

