09.06.2023

Frauenstreik

So mobilisieren Medienfrauen für den Streik

«Tun Sie etwas, wenn Sie auf der Redaktion sexistische Sprüche hören, Tristan Brenn?» Oder: «Was braucht es, damit die Frauenquote von Blick Sport nicht bei 15 Prozent bleibt, Steffi Buchli?»: Vor dem Frauenstreik lancieren Medienfrauen eine Twitter-Aktion. Am Streiktag planen sie eine Redaktionstour.

Unter dem Namen «Medienfrauenstreik» ist am Freitag eine Social-Media-Aktion im Vorfeld des Frauenstreiks vom Mittwoch gestartet. Auf Twitter richten sich die Initiantinnen und Initianten direkt mit Fragen an Chefredaktorinnen und Chefredaktoren von Schweizer Medien – darunter Tristan Brenn (SRF), Jonas Projer (NZZ am Sonntag), Arthur Rutishauser (SonntagsZeitung), Steffi Buchli (Blick Sport) oder auch Désirée Pomper (20 Minuten).

Im Laufe vom Wochenende haben einige der angesprochenen Chefredaktorinnen und Chefredaktoren auf Twitter reagiert. So zum Beispiel Anja Burri, Inlandchefin und Mitglied der Chefredaktion der NZZ am Sonntag.

Oder Armin Bregy, Chefredaktor vom Walliser Boten:

Im Vorfeld des Frauenstreiks hat sich ein medienhäuserübergreifendes Kernteam in den letzten Wochen mehrere Male getroffen, um verschiedene Aktionen zu planen. Unterstützung erhält es dieses Jahr von der Mediengewerkschaften Syndicom und SSM.

Zusammen hat das Kollektiv die fünf Kernforderungen vom grossen Medienfrauenstreik 2019 auf den neuesten Stand gebracht. Gefordert werden:

  • Schutz vor Belästigung
  • Lohngleichheit
  • Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Mental Health
  • Frauen in Führungspositionen
  • kein Sexismus, kein Rassismus und mehr Diversität in der Berichterstattung


«In den vier Jahren seit dem Medienfrauenstreik 2019 trugen sich auch einige gesellschaftliche Grossereignisse zu, welche Frauen und ihre Anliegen verstärkt in den Fokus rückten», ist im Rahmen der Medienfrauenforderungen auf der Website zu lesen. Gleich mehrere Medienhäuser lancierten Gleichstellungsinitiativen (EqualVoice von Ringier oder Chance 50:50 von SRF). Bei Tamedia würden Stellen konsequenter ausgeschrieben, andernorts hätten Frauen Positionen in den Teppichetagen (Tamedia, Beobachter, Republik, Watson).

Doch trotz all dem Fortschritt bleibe viel zu tun. «Mehr Frauen in den Führungsetagen reichen nicht aus, wenn kein nachhaltiger, feministischer Kulturwandel stattfindet», heisst es. Und «mehr Lohn für Einzelne ist kein nennenswerter Fortschritt, wenn andere in demselben Unternehmen weiterhin schlechter bezahlt werden.» Zudem: Mehr Frauen in der Medienberichterstattung blieben eine Alibiübung, solange diese Frauen nicht den Raum, die Plattform und die Zeilenzahl erhalten, sich zu gesellschaftlich relevanten Themen zu äussern, die Themensetzung aktiv mit beeinflussen können und ihrer Expertise ohne Widerrede und Abwertung mit Wertschätzung begegnet werde.

Über 60 Frauen, aber auch Männer aus der Medienbranche haben die Forderungen bislang unterzeichnet. Sie arbeiten unter anderem bei SRF, NZZ am Sonntag, Tamedia, Republik oder sind freischaffend tätig.

Fakten zur Gleichstellung bei Medien

Um auf die Lücken in der Gleichstellung aufmerksam zu machen, hatte das verantwortliche Kollektiv im Vorfeld vom Frauenstreik in den vergangenen Tagen bereits unterschiedliche Fakten aus der Branche auf Instagram gepostet

Am Mittwoch, am Frauenstreiktag selbst, werden die unterzeichneten Gleichstellungsforderungen in einer Redaktionstour durch Zürich persönlich bei den verschiedenen Medienhäusern übergeben.

Am Nachmittag rufen die Medienfrauen dann um 16.30 Uhr auf dem Kasernenareal zur Zusammenkunft auf. Gemeinsam wollen die Verantwortlichen mit den teilnehmenden Medienschaffenden mit ihren Forderungen am Frauenstreik-Umzug um 18 Uhr teilnehmen – dies mit dem Motto: «No Women No News».


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