Pietro Supino, Verwaltungsratspräsident der TX Group, hat die «Assises presse et démocratie» am Freitag in Genf eröffnet. Er sprach über die Zukunft des Journalismus und was Verlage seiner Ansicht nach machen müssen, um bestehen zu können. Thema der Tagung, die vom Club Suisse de la Presse organisiert wurde, war die Frage «Content Creators: Feinde der Journalisten?».
Die Eintrittsbarrieren in den Medienmarkt seien praktisch verschwunden – Institutionen, Unternehmen und Einzelpersonen würden zunehmend selbst zu Medien, beobachtete der Zürcher Verleger. Journalismus dürfe jedoch nicht mit Aktivismus verwechselt werden, so Supino: Unabhängigkeit und Professionalität seien die wichtigsten Eigenschaften eines Mediensystems und die Grundlage der Glaubwürdigkeit der Branche. Gleichzeitig müssten sich die Medien neu erfinden und ihre Attraktivität erhöhen.
20 Minuten als Vorbild
Bei 20 Minuten sei der Wechsel von der gedruckten zur rein digitalen Plattform geglückt, sagte Supino. Entscheidend sei dabei nicht in erster Linie die Restrukturierung gewesen, sondern die Qualität des Produkts, die dazu geführt habe, dass die Nutzerinnen und Nutzer Zeit in das Angebot investierten.
Bei Tamedia sehe die Situation anders aus: «Ich sehe noch eine lange Zukunft des gedruckten Produktes.» Die Printzeitung halte sich besser als erwartet. Was fehle, sei eine Neudefinition des Produktes. «Was wir machen, ist noch ziemlich nah an dem, was wir historisch gemacht haben.»
Diese Neudefinition gestalte sich kompliziert, unter anderem wegen der Vielzahl an Marken innerhalb des Konzerns. Diese Markenvielfalt sei zugleich Stärke und Komplikation. Eine tragfähige, dauerhafte Basis fehle bei Tamedia derzeit noch, räumte Supino ein.
Transparenz über KI
Zum Einsatz künstlicher Intelligenz sagte Supino, diese solle Mitarbeitenden vor allem Werkzeuge zur Verfügung stellen, um sich auf wertschöpfende Aufgaben konzentrieren zu können. «Es wird keinen Journalismus ohne künstliche Intelligenz mehr geben», so Supino. Wichtig sei dabei Transparenz: Es dürfe nicht der Eindruck erweckt werden, automatisiert erstellte Inhalte stammten von Menschen, und die Verlage blieben in jedem Fall für die Richtigkeit des Publizierten verantwortlich.
Zur Frage, ob dies zu einem Abbau von Stellen führe, sagte Supino, dies sei schwer vorherzusehen. Bei Unternehmen mit erfolgreicher digitaler Transformation seien die Personalbestände teils sogar gewachsen, allerdings mit veränderten Berufsprofilen.

